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Mit einer großangelegten Razzia gegen die Rocker-Gruppe Hells Angels waren am 28. April 2026 insgesamt 1.200 Beamte in 28 Städten Nordrhein-Westfalens im Einsatz. Die Behörde hatte den Verein „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“ verboten, es handelt sich laut Ministerium um einen der größten Einsätze zur Bekämpfung der Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes.
- Polizeieinsatz: 1.200 Beamte in 28 Städten führten die Razzia durch
- Durchsuchungen: Razzien in mehr als 50 Objekten in Leverkusen, Köln, Langenfeld, Monheim, Solingen, Dortmund, Oberhausen, Ahaus, Velbert, Duisburg, Bergheim, Gummersbach, Kempen, Herne, Voerde, Bielefeld, Bochum, Dinslaken, Lünen und Marienheide
- Verbot: Der Verein „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“ wurde verboten und aufgelöst
- Größter Einsatz: Es handelt sich um einen der größten Einsätze zur Bekämpfung der Rockerkriminalität in der Geschichte des Landes
Großrazzia startet in frühen Morgenstunden
Am frühen Morgen durchsuchten die Beamten zahlreiche Wohnungen und Geschäfte, einschließlich des Vereinsheims der Hells Angels in Hilden. Spezialeinsatzkräfte waren dabei. Die Polizeiaktion richtete sich gegen Wohnungen und Geschäftsräume von Vereinsmitgliedern sowie Unterstützern der Rockergruppe.
Den Ermittlungen zufolge gibt es einen Verdacht der Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, der von der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung Organisierter Straftaten in Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) verfolgt wird.
Hintergrund: Hells Angels in NRW
Nach Angaben des Landeskriminalamts verfügen die Hells Angels über 29 Chapter in NRW mit 469 Mitgliedern, der Club ist zuletzt stark gewachsen – unter anderem durch Überläufer der verfeindeten „Bandidos“. Damit waren die „Hells Angels“ personell bislang die größte Rocker-Gruppe in NRW – vor den „Freeway Riders“ mit 403 Mitgliedern in 37 Chaptern.
Die Rockerkriminalität in NRW ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Sicherheitsbehörden. Die Ermittler werfen den Hells Angels vor, Macht- und Gebietsansprüche gegenüber verfeindeten Clubs durchzusetzen.
Wachsende Mitgliederzahlen durch Bandidos-Überläufer
Ein bedeutender Faktor für das Wachstum der Hells Angels in NRW sind Überläufer der verfeindeten „Bandidos“. Diese Verschiebung in der Rocker-Szene führte zu erheblichen Machtverschiebungen. Die hohe Zahl an Übergängen ist ungewöhnlich, da solche massiven Wechsel zwischen verfeindeten Clubs historisch selten vorgekommen sind.
Mit 403 Mitgliedern in 37 Chaptern waren die Freeway Riders der bislang größte Rocker-Club. Diese Position haben die Hells Angels durch ihr Wachstum angefochten.
Bisherige Vereinsverbote gegen Hells Angels
Dies ist nicht das erste Verbot eines Hells-Angels-Ablegers in NRW. Zuletzt hatte Innenminister Herbert Reul (CDU) 2017 den Verein „Hells Angels MC Concrete City“ verboten und aufgelöst. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hatte das Verbot vier Jahre später bestätigt.
Die konsistente Linie der Landesregierung zeigt, dass Vereinsverbote als effektives Mittel gegen organisierte Rockerkriminalität betrachtet werden. Dabei werden Zweck und Tätigkeit dieser Clubs überprüft, um festzustellen, ob sie gegen Strafgesetze verstoßen.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die rechtlichen Gründe für ein Rockerverein-Verbot?
Rockervereine können verboten werden, wenn Zweck und Tätigkeit gegen Strafgesetze verstoßen. Dazu gehören Gewalt, Drogenhandel, Waffen und organisierte Kriminalität. Das Vereinsgesetz ermöglicht solche Maßnahmen.
Wie viele Hells Angels-Chapter gibt es noch in NRW?
Nach der aktuellen Razzia verfügen die Hells Angels über 29 aktive Chapter in Nordrhein-Westfalen. Die genaue Zahl der Chapter kann sich durch weitere Verbote oder Neugründungen verändern.
Welche anderen Rocker-Clubs sind in NRW aktiv?
Neben den Hells Angels sind in NRW weitere Rocker-Clubs wie die Freeway Riders und die Bandidos aktiv. Die Bandidos wurden 2021 bundesweit verboten, reorganisierten sich aber teilweise danach.
Fazit
Die Einsatz von 1.200 Polizeibeamten in 28 Städten markiert einen der größten Schlüge gegen organisierte Rockerkriminalität in NRW. Mit dem Verbot des „Hells Angels Motorcycle Club Leverkusen“ verstärkt NRW seinen rechtstaatlichen Kurs gegen kriminelle Rockerstrukturen. Das Wachstum der Hells Angels durch Bandidos-Überläufer hatte die Behörden zum Handeln bewogen, um weitere Verschiebungen in der Rocker-Szene und mögliche Konflikte zu unterbinden.




