Lesezeit: 6 Minuten | Aktualisiert: 27. Januar 2026
Der Gasspeicher Füllstand in Deutschland liegt am 27. Januar 2026 bei nur noch 37,49 Prozent – ein historisch niedriger Wert. Das entspricht rund 94 Terawattstunden (TWh). Im Vorjahr waren die Speicher zum gleichen Zeitpunkt noch zu 65 Prozent gefüllt. Die Bundesnetzagentur betont: Die Versorgung ist aktuell gesichert – aber das System operiert ohne großen Sicherheitspuffer.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Gasspeicher Füllstand aktuell: Die Zahlen im Überblick
- Warum ist der Gasspeicher Füllstand so niedrig?
- Kritische Situation der deutschen Gasspeicher
- Ab wann droht eine Gasmangellage?
- Bundesnetzagentur: Versorgung aktuell gesichert
- INES-Szenarien: Was passiert bei Extremwinter?
- Was bedeutet das für Verbraucher?
- Forderung nach nationaler Gasreserve
- Häufige Fragen zum Gasspeicher Füllstand
- Fazit: Gasspeicher Füllstand zeigt strukturelle Schwächen
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Gasspeicher Füllstand aktuell bei 37,49% – rund 23 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr
- ✓ Tägliche Entnahme liegt bei 0,6 bis 0,8 Prozent je nach Witterung
- ✓ Größter Speicher Rehden nur noch zu 11% gefüllt
- ✓ Bayerische Speicher verfehlen gesetzliche Vorgaben – Wolfersberg bei nur 6%
- ✓ Gasmangellage droht bei Füllstand unter 20 Prozent
- ✓ Bundesnetzagentur: Versorgung aktuell stabil dank LNG und Norwegen-Importen
Gasspeicher Füllstand aktuell: Die Zahlen im Überblick
Der Gasspeicher Füllstand in Deutschland sinkt seit Wochen schneller als in den Vorjahren. Am 27. Januar 2026 liegen die deutschen Speicher bei exakt 37,49 Prozent – das entspricht einer Füllmenge von rund 94 Terawattstunden. Zum Vergleich: Im Januar 2025 waren es noch 163 TWh.
Die Initiative Energien Speichern (INES) spricht von einem „historisch niedrigen Niveau“. Deutschland sei mit nur 75 Prozent Füllstand am 1. November 2025 in die Heizperiode gestartet – statt der üblichen 95 Prozent.
| Kennzahl | Aktueller Wert | Vorjahr |
|---|---|---|
| Gesamtfüllstand Deutschland | 37,49% | 64,95% |
| Füllmenge in TWh | 94 TWh | 163 TWh |
| Tägliche Entnahme | 0,6–0,8% | 0,4–0,5% |
| EU-Durchschnitt | 57,21% | 72% |
| Speicher Rehden | 11% | 45% |
Quelle: AGSI+ (Gas Infrastructure Europe), Bundesnetzagentur – Stand: 27.01.2026

Warum ist der Gasspeicher Füllstand so niedrig?
Mehrere Faktoren haben zum historisch niedrigen Gasspeicher Füllstand geführt. Die Ursachen liegen sowohl in der Marktstruktur als auch in der Witterung:
1. Unzureichende Herbstbefüllung: Im Sommer 2025 lagen die Gaspreise ungewöhnlich hoch – teilweise sogar höher als die erwarteten Winterpreise. Für Händler war es wirtschaftlich unattraktiv, Gas einzuspeichern. Die Bundesregierung senkte zudem die gesetzliche Füllstandsvorgabe von 90 auf 70 Prozent.
2. Kalter Winter: Der Winter 2025/2026 ist kälter als die beiden Vorjahre. Der Gasverbrauch stieg deutlich – an kalten Tagen wurden bis zu 3 TWh täglich aus den Speichern entnommen.
3. Erhöhte Stromerzeugung mit Gas: Schwache Windausbeute im Herbst 2025 führte zu verstärktem „Gas-to-Power“-Einsatz in Gaskraftwerken.
⚠️ INES-Kritik an der Bundesregierung:
„Die Regierung hätte die Möglichkeit gehabt, höhere Füllstände sicherzustellen. Darauf hat man verzichtet – aus Sorge vor hohen Kosten“, kritisiert Sebastian Heinermann, Geschäftsführer der Initiative Energien Speichern.
Kritische Situation der deutschen Gasspeicher
Der bundesweite Durchschnittswert beim Gasspeicher Füllstand verschleiert regionale Problemzonen. Besonders kritisch ist die Lage bei zwei Speichertypen:

Speicher Rehden – Deutschlands größter Gasspeicher
Der Porenspeicher Rehden in Niedersachsen macht knapp ein Fünftel der deutschen Speicherkapazität aus. Sein Füllstand liegt bei nur noch 11 Prozent. Das Problem: Porenspeicher lassen sich deutlich langsamer befüllen als andere Speichertypen. Eine kurzfristige „Rettung“ ist physikalisch nicht möglich.
Bayerische Speicher verfehlen Vorgaben
Die vier bayerischen Porenspeicher (Wolfersberg, Inzenham-West, Breitbrunn, Bierwang) liegen bei nur rund 25 Prozent Gesamtfüllstand. Gesetzlich vorgeschrieben wären 40 Prozent zum 1. Februar. Besonders alarmierend: Wolfersberg ist nur noch zu 6 Prozent gefüllt.
| Speicher | Füllstand | Gesetzliche Vorgabe | Status |
|---|---|---|---|
| Rehden (Niedersachsen) | 11% | 30% | ⚠️ Kritisch |
| Wolfersberg (Bayern) | 6% | 40% | ⚠️ Kritisch |
| Breitbrunn (Bayern) | ~25% | 40% | ⚡ Angespannt |
| Haidach (Österreich, 50% für DE) | 59% | – | ✓ Stabil |
Ab wann droht eine Gasmangellage?
Eine offizielle Gasmangellage tritt ein, wenn der Gasspeicher Füllstand unter 20 Prozent fällt. In diesem Fall würden zunächst große industrielle Verbraucher ihren Gasverbrauch drosseln müssen – etwa Chemie-, Stahl- und Automobilindustrie.
Private Haushalte, Krankenhäuser und kritische Infrastruktur sind gesetzlich besonders geschützt und werden vorrangig versorgt. Eine komplette Abschaltung der Gasversorgung für Privathaushalte gilt selbst bei Mangellage als unwahrscheinlich.
Die drei Stufen des Notfallplans Gas:
- Frühwarnstufe: Seit 1. Juli 2025 aktiv – Verschlechterung der Versorgung möglich
- Alarmstufe: Seit 23. Juni 2022 dauerhaft aktiv
- Notfallstufe: Staatliche Eingriffe, Rationierung möglich
Bundesnetzagentur: Versorgung aktuell gesichert
Trotz des niedrigen Gasspeicher Füllstands gibt die Bundesnetzagentur Entwarnung. Die Behörde schätzt die Gefahr einer angespannten Gasversorgung aktuell als gering ein.
Der Grund: Deutschland importiert weiterhin große Mengen Gas über verschiedene Wege:
| Importquelle | Menge pro Tag | Anteil |
|---|---|---|
| Gesamtimporte | 3,3 TWh | 100% |
| Norwegen (Pipeline) | 1,3 TWh | ~40% |
| LNG-Terminals | 0,4 TWh | ~15% |
| Niederlande, Belgien | 1,6 TWh | ~45% |
„Die deutschen Gasspeicher sind ein wichtiger Versorgungsbaustein, aber keineswegs allein relevant“, erklärt die Bundesnetzagentur. Der europäische Binnenmarkt und die LNG-Infrastruktur sichern die Versorgung zusätzlich ab.

INES-Szenarien: Was passiert bei Extremwinter?
Die Initiative Energien Speichern (INES) hat drei Szenarien für den weiteren Winterverlauf berechnet:
Szenario A – Milder Winter: Die Temperaturen bleiben moderat. Das gesetzliche Ziel von 30% Füllstand am 1. Februar wird sicher erreicht. Ende März liegen die Speicher noch bei etwa 47%.
Szenario B – Normaler Winter: Wechselhafte Witterung mit kalten und milden Phasen. Das 30%-Ziel wird knapp erreicht. Ende März liegen die Speicher bei 20-25% – ohne großen Sicherheitspuffer.
Szenario C – Extremwinter (wie 2010): Bei anhaltender Kälte könnten die Speicher bereits Mitte Februar rechnerisch auf ein technisches Minimum fallen. Eine Unterdeckung wäre möglich – die Summe aus Importen und Speicherleistung reicht nicht mehr für den Verbrauch.
⚠️ Risiko-Einschätzung:
Eine Gasmangellage gilt laut INES als „unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen“. Sie erfordert einen „Perfect Storm“ – das Zusammentreffen mehrerer negativer Faktoren: Extremkälte, Lieferausfälle und anhaltend hoher Verbrauch.
Was bedeutet das für Verbraucher?
Für private Haushalte gilt: Kurzfristig sind keine drastischen Preissteigerungen zu erwarten. Viele Verträge sind preisgebunden. Allerdings sind die Großhandelspreise seit Mitte Januar bereits gestiegen – von rund 3 Cent auf zeitweise 4 Cent pro Kilowattstunde.
Neukundenpreise liegen laut Verivox aktuell bei rund 8 Cent pro kWh – etwa auf dem Niveau von Mai 2024. Haushalte mit Gasheizung zahlen im Durchschnitt etwa 11,10 Cent pro kWh.
Empfehlung der Bundesnetzagentur: Ein sparsamer Umgang mit Gas bleibt angesichts des erhöhten Preisniveaus sinnvoll. Wer kann, sollte die Heizung moderat einstellen und unnötigen Gasverbrauch vermeiden.
Forderung nach nationaler Gasreserve
Angesichts der angespannten Lage beim Gasspeicher Füllstand fordern Experten strukturelle Änderungen. EWE-Chef Stefan Dohler schlägt die Schaffung einer nationalen Gasreserve vor – ähnlich wie bei Erdöl.
„Es ist ein Zeichen, dass die Mechanismen, die die Politik geschaffen hat, so nicht funktionieren“, kritisiert Dohler. „Es gab im vergangenen Sommer keine Preissignale im Markt, die Gasspeicher zu befüllen.“
INES-Geschäftsführer Sebastian Heinermann fordert zudem eine stärkere EU-Koordination: „Die aktuellen Mechanismen sichern die Versorgungssicherheit nicht ausreichend ab. Die gesetzlichen Rahmen müssen weiterentwickelt werden.“
Aktuelle Gasspeicher-Daten prüfen
Tagesaktuelle Füllstände aller deutschen Gasspeicher:
Häufige Fragen zum Gasspeicher Füllstand
Fazit: Gasspeicher Füllstand zeigt strukturelle Schwächen
Der aktuelle Gasspeicher Füllstand von 37,49 Prozent ist kein akuter Notfall, aber ein deutliches Warnsignal. Die Versorgung ist dank LNG-Importen und europäischer Zusammenarbeit kurzfristig gesichert. Gleichzeitig zeigt der historisch niedrige Stand, dass die Wintervorsorge strukturell unzureichend war.
Die Lehre aus diesem Winter ist klar: Gasspeicher müssen wieder als strategische Infrastruktur behandelt werden – nicht als rein marktwirtschaftliche Option. Experten fordern eine nationale Gasreserve und bessere EU-Koordination, um künftige Versorgungsrisiken zu minimieren. Für Verbraucher gilt: Sparsam heizen schont Speicher und Geldbeutel.
Autor: Redaktion Rathausnachrichten
Für diesen Artikel wurden offizielle Daten der Bundesnetzagentur, der europäischen Transparenzplattform AGSI+ sowie Analysen der Initiative Energien Speichern (INES) ausgewertet. Die Redaktion beobachtet die Entwicklung der Gasversorgung kontinuierlich.






