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8-Stunden-Tag Abschaffung: Die Bundesregierung plant die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes noch 2026. Statt der täglichen Höchstarbeitszeit soll künftig eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden gelten. Die Gewerkschaften kündigen massiven Widerstand an – in den Betrieben und auf der Straße.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- 8-Stunden-Tag: Bundesregierung plant Abschaffung der täglichen Obergrenze
- Gewerkschaften drohen mit Protesten gegen Ende des 8-Stunden-Tags
- Was bedeutet die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes konkret?
- DGB-Umfrage: 72 Prozent wollen am 8-Stunden-Tag festhalten
- IG BAU-Chef Feiger: "8-Stunden-Tag ist Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit"
- Geschichte des 8-Stunden-Tags: Über 100 Jahre erkämpftes Recht
- Argumente der Befürworter: Mehr Flexibilität für Beschäftigte?
- Welche Branchen sind besonders betroffen?
- Zeiterfassung als möglicher Kompromiss?
- Häufige Fragen zum 8-Stunden-Tag
- Fazit: Kampf um den 8-Stunden-Tag geht in entscheidende Phase
Das Wichtigste in Kürze
- Kabinettsbeschluss: Bundeskabinett beschließt Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes
- Neues Modell: Wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden
- Zeitplan: Umsetzung noch 2026 geplant
- Verdi-Chef Werneke: „Wir kämpfen in den Betrieben und auf der Straße“
- DGB-Chefin Fahimi: Spricht von „Angriff auf humane Arbeitszeiten“
- Umfrage: 72% der Beschäftigten wollen maximal 8 Stunden täglich arbeiten
8-Stunden-Tag: Bundesregierung plant Abschaffung der täglichen Obergrenze
Der 8-Stunden-Tag steht am 29. Januar 2026 vor einer historischen Zäsur. Das Bundeskabinett hat im Rahmen der neuen nationalen Tourismusstrategie einen Passus beschlossen, der das Arbeitszeitgesetz grundlegend verändern soll. Künftig soll nicht mehr die tägliche, sondern eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden gelten. Arbeitstage von bis zu 13 Stunden wären damit theoretisch möglich.
Christoph Ploß (CDU), Koordinator der Bundesregierung für Maritime Wirtschaft und Tourismus, bestätigte: Die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes soll noch 2026 umgesetzt werden. „Davon werden nicht nur mittelständische Unternehmen profitieren, sondern auch Millionen Arbeitnehmer in Deutschland“, so Ploß gegenüber der Bild-Zeitung.

Gewerkschaften drohen mit Protesten gegen Ende des 8-Stunden-Tags
Die Reaktion der Gewerkschaften fällt unmissverständlich aus. Frank Werneke, Bundesvorsitzender der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, erklärte gegenüber der Bild: „Wir sind bereit, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes zu kämpfen – in den Betrieben und auf der Straße.“
Werneke warnt vor den Folgen der geplanten Reform: „Durch die Pläne der Bundesregierung würde den Arbeitgebern gesetzlich ein Freibrief ausgestellt, um aus jetzt schon immer stärker belasteten und überlasteten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern das Letzte rauszuholen – ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Beschäftigten.“
Auch Yasmin Fahimi, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), kritisiert den Kabinettsbeschluss scharf. Sie wirft Wirtschaftsministerin Katherina Reiche einen „Angriff auf humane Arbeitszeiten“ vor. „Der 8-Stunden-Tag ist kein Relikt aus vergangenen Zeiten, sondern ein notwendiger Gesundheitsschutz“, betonte Fahimi bereits auf der zentralen DGB-Kundgebung zum Tag der Arbeit.
Was bedeutet die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes konkret?
Die geplante Reform würde das bestehende Arbeitszeitgesetz grundlegend verändern. Ein Vergleich der aktuellen und geplanten Regelungen zeigt die Tragweite:
| Aspekt | Aktuelle Regelung | Geplante Änderung |
|---|---|---|
| Tägliche Höchstarbeitszeit | 8 Stunden (max. 10 mit Ausgleich) | Keine feste Grenze |
| Wöchentliche Obergrenze | 48 Stunden (6 x 8 Stunden) | 48 Stunden (flexibel verteilbar) |
| Maximaler Arbeitstag | 10 Stunden | Bis zu 13 Stunden möglich |
| Ausgleichszeitraum | 6 Monate / 24 Wochen | Wöchentlich |
| EU-Konformität | Strenger als EU-Vorgabe | Angleichung an EU-Richtlinie |

DGB-Umfrage: 72 Prozent wollen am 8-Stunden-Tag festhalten
Der „Index Gute Arbeit“ des DGB liefert aktuelle Zahlen zur Stimmung unter den Beschäftigten. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache:
- 72 Prozent der Beschäftigten wollen ihre tägliche Arbeitszeit auf maximal 8 Stunden begrenzen
- 98 Prozent lehnen Arbeitstage von mehr als 10 Stunden ab
- 53 Prozent wünschen sich sogar kürzere Arbeitszeiten
- 59 Prozent derjenigen, die regelmäßig über 8 Stunden arbeiten, würden dies gerne ändern
Die Umfrage zeigt auch die gesundheitlichen Folgen langer Arbeitszeiten: Beschäftigte, die regelmäßig über 8 Stunden arbeiten, können deutlich schlechter von der Arbeit abschalten (51% vs. 21%). Sie fühlen sich doppelt so häufig nach der Arbeit leer und ausgebrannt (46% vs. 23%).
IG BAU-Chef Feiger: „8-Stunden-Tag ist Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit“
Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), positioniert sich ebenfalls klar gegen die Pläne der Bundesregierung: „Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit.“
Die Gewerkschaften verweisen auf arbeitsmedizinische Studien, die belegen: Bei Arbeitszeiten über 8 Stunden steigt die Unfallgefahr signifikant. Zudem nehmen Konzentrationsprobleme, Fehler und das Burnout-Risiko zu. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben leidet massiv – bei sehr häufiger Überschreitung der 8-Stunden-Grenze berichten 44 Prozent von Vereinbarkeitsproblemen, bei Einhaltung nur 12 Prozent.
Arbeitsmedizinische Fakten: Laut DGB unterschreiten Beschäftigte, die regelmäßig über 8 Stunden arbeiten, fünfmal häufiger die gesetzliche Ruhezeit von 11 Stunden (21% vs. 4%). Dies erhöht das Risiko für chronische Erkrankungen und Arbeitsunfälle erheblich.
Geschichte des 8-Stunden-Tags: Über 100 Jahre erkämpftes Recht
Der 8-Stunden-Tag gehört zu den ältesten Forderungen der Arbeiterbewegung. Der walisische Sozialreformer Robert Owen prägte bereits 1817 den Slogan: „Acht Stunden arbeiten, acht Stunden schlafen und acht Stunden Freizeit und Erholung.“
In Deutschland wurde der 8-Stunden-Tag am 23. November 1918 – vor über 107 Jahren – erstmals gesetzlich verankert. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und im Zuge der Novemberrevolution einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgebervertreter im historischen Stinnes-Legien-Abkommen vom 15. November 1918 auf diese Regelung.
Dem waren mehr als ein halbes Jahrhundert Kämpfe vorausgegangen. 1886 kam es in Chicago um den 1. Mai zu den als „Haymarket Riot“ bekannten Massenstreiks für eine Arbeitszeitverkürzung. In Gedenken daran wurde der 1. Mai zum internationalen „Kampftag der Arbeiterbewegung“ erklärt – eng verbunden mit der Forderung nach dem 8-Stunden-Tag.

Argumente der Befürworter: Mehr Flexibilität für Beschäftigte?
Die Bundesregierung und Wirtschaftsverbände argumentieren, die Reform bringe Vorteile für beide Seiten:
- Vier-Tage-Woche: Bei 10-Stunden-Tagen könnten Beschäftigte an nur vier Tagen ihre Wochenstunden erreichen
- Saisonale Schwankungen: Branchen wie Tourismus, Gastgewerbe und Bau könnten flexibler auf Auftragsspitzen reagieren
- EU-Angleichung: Deutsches Recht würde an die EU-Arbeitszeitrichtlinie angepasst
- Wettbewerbsfähigkeit: Unternehmen könnten besser auf globale Anforderungen reagieren
CDU-Generalsekretär Martin Huber drängt auf eine schnelle Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Flexibilisierung – noch 2026. Ein Gesetzentwurf könnte bereits im ersten Quartal in den Bundestag eingebracht werden.
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Von der geplanten Flexibilisierung würden bestimmte Branchen besonders profitieren – oder leiden, je nach Perspektive:
| Branche | Besonderheit | Betroffene |
|---|---|---|
| Gastgewerbe/Tourismus | Saisonspitzen, Wochenendgeschäft | ca. 2,4 Mio. Beschäftigte |
| Handwerk/Bau | Projektbezogene Arbeit, Witterung | ca. 5,6 Mio. Beschäftigte |
| Logistik/Transport | Schwankende Auftragslagen | ca. 3,3 Mio. Beschäftigte |
| Pflege/Gesundheit | Schichtarbeit, Personalmangel | ca. 5,7 Mio. Beschäftigte |
| Einzelhandel | Saisongeschäft, lange Öffnungszeiten | ca. 3,1 Mio. Beschäftigte |
Zeiterfassung als möglicher Kompromiss?
Beobachter spekulieren über einen möglichen Kompromiss: Die wöchentliche Obergrenze könnte mit einer verschärften Pflicht zur lückenlosen Zeiterfassung verbunden werden. Der Europäische Gerichtshof hatte bereits 2019 entschieden, dass Arbeitgeber alle Arbeitszeiten erfassen müssen.
DGB-Chefin Fahimi stellt jedoch klar: „Wir werden keinen Deal akzeptieren, bei dem die Arbeitszeiterfassung zum Preis für die Abschaffung des 8-Stunden-Tags wird.“
Häufige Fragen zum 8-Stunden-Tag
Wird der 8-Stunden-Tag 2026 abgeschafft?
Die Bundesregierung plant, das Arbeitszeitgesetz 2026 zu flexibilisieren. Statt der täglichen Höchstarbeitszeit von 8 Stunden soll eine wöchentliche Obergrenze von 48 Stunden gelten. Der 8-Stunden-Tag würde damit nicht komplett abgeschafft, aber die tägliche Grenze aufgehoben. Arbeitstage von bis zu 13 Stunden wären dann möglich.
Warum sind die Gewerkschaften gegen die Reform?
Die Gewerkschaften befürchten negative Auswirkungen auf Gesundheit und Work-Life-Balance der Beschäftigten. Studien zeigen, dass bei Arbeitszeiten über 8 Stunden die Unfallgefahr steigt, Konzentrationsprobleme zunehmen und das Burnout-Risiko wächst. Der DGB sieht die geplante Reform als „Angriff auf humane Arbeitszeiten“.
Seit wann gibt es den 8-Stunden-Tag in Deutschland?
Der 8-Stunden-Tag wurde in Deutschland am 23. November 1918 gesetzlich eingeführt. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeber im Stinnes-Legien-Abkommen auf diese Regelung. Die Idee geht auf den britischen Sozialreformer Robert Owen zurück, der bereits 1817 das Prinzip „8 Stunden Arbeit, 8 Stunden Freizeit, 8 Stunden Schlaf“ propagierte.
Was sagt das aktuelle Arbeitszeitgesetz?
Das Arbeitszeitgesetz (§ 3 ArbZG) legt fest: Die werktägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten. Sie kann auf bis zu 10 Stunden verlängert werden, wenn innerhalb von 6 Monaten oder 24 Wochen im Durchschnitt 8 Stunden nicht überschritten werden. Die wöchentliche Höchstarbeitszeit beträgt damit 48 Stunden (6 Werktage à 8 Stunden).
Planen die Gewerkschaften Streiks?
Verdi-Chef Frank Werneke hat angekündigt, für den Erhalt des Arbeitszeitgesetzes „in den Betrieben und auf der Straße“ zu kämpfen. Der DGB und andere Gewerkschaften mobilisieren gegen die Pläne. Ob es zu flächendeckenden Streiks kommt, hängt vom weiteren Verlauf der politischen Debatte ab.
Wer profitiert von der Flexibilisierung?
Befürworter argumentieren, dass sowohl Unternehmen als auch Beschäftigte profitieren könnten. Unternehmen könnten flexibler auf Auftragsschwankungen reagieren. Für Arbeitnehmer wäre theoretisch eine Vier-Tage-Woche mit 10-Stunden-Tagen möglich. Kritiker befürchten jedoch, dass vor allem prekär Beschäftigte zu längeren Arbeitszeiten gedrängt würden.
Was besagt die EU-Arbeitszeitrichtlinie?
Die EU-Arbeitszeitrichtlinie setzt eine Obergrenze von durchschnittlich 48 Stunden pro Woche. Sie schreibt eine Mindestruhezeit von 11 Stunden zwischen zwei Arbeitstagen vor. Die Richtlinie erlaubt den Mitgliedstaaten, strengere Regelungen zu treffen – was Deutschland mit dem 8-Stunden-Tag bisher tut.
Fazit: Kampf um den 8-Stunden-Tag geht in entscheidende Phase
Der 8-Stunden-Tag steht vor seiner größten Bewährungsprobe seit über 100 Jahren. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz treibt die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes voran – die Gewerkschaften kündigen massiven Widerstand an. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die historisch erkämpfte Errungenschaft der Arbeiterbewegung einer neuen Flexibilisierung weichen muss oder ob die Gewerkschaften mit ihrem angekündigten Kampf „in den Betrieben und auf der Straße“ die Reform verhindern können.
Die Zahlen des DGB-Index sind eindeutig: Eine große Mehrheit der Beschäftigten will am 8-Stunden-Tag festhalten. Ob die Politik diese Stimmen hört, wird sich in der parlamentarischen Debatte zeigen.
Über den Autor: Dieser Artikel basiert auf aktuellen Pressemitteilungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Verdi, der IG BAU sowie Regierungsquellen. Stand: 29. Januar 2026.






