Die telefonische Krankschreibung bleibt vorerst erhalten. Trotz Forderungen der CDU nach einer Abschaffung hält die SPD an dieser Möglichkeit fest. Die Sozialdemokraten berufen sich dabei auf den Koalitionsvertrag und betonen die Vorteile für Patienten und Ärzte, insbesondere in ländlichen Regionen und bei leichteren Erkrankungen.

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Auf einen Blick
- CDU fordert Abschaffung der telefonischen Krankschreibung.
- SPD will an der telefonischen Krankschreibung festhalten.
- Koalitionsvertrag als Grundlage für die Position der SPD.
- Erleichterung für Patienten und Ärzte, besonders in ländlichen Gebieten.
Telefonische Krankschreibung: Streitpunkt in der Koalition
Nach dem CDU-Parteitag ist ein Streit über die Zukunft der telefonischen Krankschreibung entbrannt. Während die CDU den Krankenstand in Deutschland für zu hoch hält und die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung abschaffen möchte, pocht die SPD auf die Beibehaltung. Laut Wiwo.de sieht die SPD keinen Grund, die Regelung zu ändern, und verweist auf den Koalitionsvertrag, in dem die Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Abbau von Bürokratie festgeschrieben sind.
Die CDU argumentiert, dass die telefonische Krankschreibung zu einem Missbrauch des Systems einlädt und den Anreiz erhöht, sich krankzumelden, ohne tatsächlich arbeitsunfähig zu sein. Zudem fehle bei einer rein telefonischen Diagnose die Möglichkeit einer gründlichen körperlichen Untersuchung, was zu Fehldiagnosen führen könne. Die SPD hält dem entgegen, dass die telefonische Krankschreibung gerade für Menschen in ländlichen Regionen, wo die ärztliche Versorgung oft schlechter ist, eine wichtige und zeitsparende Alternative darstellt. Auch für Patienten mit leichten Erkrankungen, die keine aufwendige Untersuchung benötigen, sei die telefonische Krankschreibung eine sinnvolle Option.
Die telefonische Krankschreibung wurde im Zuge der Corona-Pandemie eingeführt, um Arztpraxen zu entlasten und das Infektionsrisiko zu minimieren. Ursprünglich als temporäre Maßnahme gedacht, wurde sie aufgrund ihrer positiven Erfahrungen dauerhaft in das deutsche Gesundheitssystem integriert.
Was bedeutet das für Bürger?
Für Bürger bedeutet der Streit um die telefonische Krankschreibung zunächst einmal Unsicherheit. Sollte die CDU sich durchsetzen und die Regelung abschaffen, müssten Patienten wieder persönlich in die Arztpraxis gehen, um sich krankschreiben zu lassen. Dies könnte insbesondere für Berufstätige mit langen Arbeitszeiten oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eine zusätzliche Belastung darstellen. Andererseits argumentieren Kritiker, dass eine persönliche Untersuchung durch den Arzt die Qualität der Diagnose verbessert und somit die bestmögliche Behandlung gewährleistet. (Lesen Sie auch: Börse Asien Reaktion: Us-Zollpläne Sorgen für große…)
Die Beibehaltung der telefonischen Krankschreibung würde hingegen bedeuten, dass Bürger weiterhin die Möglichkeit haben, sich bei leichteren Erkrankungen telefonisch krankschreiben zu lassen. Dies spart Zeit und Aufwand und kann insbesondere in Grippezeiten dazu beitragen, die Ansteckungsgefahr in Arztpraxen zu reduzieren. Allerdings besteht auch das Risiko, dass die telefonische Krankschreibung missbraucht wird und zu einem Anstieg der Krankmeldungen führt.
Wie funktioniert die telefonische Krankschreibung aktuell?
Aktuell ist die telefonische Krankschreibung unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Patienten können sich bei ihrem Arzt telefonisch melden und ihre Beschwerden schildern. Der Arzt entscheidet dann, ob eine Krankschreibung ohne persönliche Untersuchung möglich ist. In der Regel ist dies bei leichteren Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekten der Fall. Die Krankschreibung wird dem Patienten dann per Post zugeschickt oder elektronisch übermittelt. Die genauen Regelungen können je nach Krankenkasse und Arzt variieren.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Richtlinien für die telefonische Krankschreibung herausgegeben, um sicherzustellen, dass die Qualität der ärztlichen Versorgung nicht unter der fehlenden persönlichen Untersuchung leidet. So sollen Ärzte beispielsweise gezielte Fragen stellen, um die Symptome des Patienten besser einschätzen zu können. Auch die Dauer der Krankschreibung ist in der Regel kürzer als bei einer persönlichen Untersuchung.
Die Position der CDU: Kampf gegen hohen Krankenstand?
Die CDU begründet ihre Forderung nach Abschaffung der telefonischen Krankschreibung mit dem hohen Krankenstand in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt lag der Krankenstand im Jahr 2023 bei durchschnittlich 5,5 Prozent. Das bedeutet, dass an jedem Tag des Jahres durchschnittlich 5,5 Prozent der Erwerbstätigen krankgeschrieben waren. Die CDU sieht in der telefonischen Krankschreibung einen Faktor, der zu diesem hohen Krankenstand beiträgt. Sie argumentiert, dass die Möglichkeit, sich ohne persönliche Untersuchung krankschreiben zu lassen, den Anreiz erhöht, sich auch bei leichteren Beschwerden krankzumelden.
Zudem kritisiert die CDU, dass die telefonische Diagnose nicht so zuverlässig sei wie eine persönliche Untersuchung. Bei einer rein telefonischen Anamnese könnten wichtige Symptome übersehen werden, was zu Fehldiagnosen und einer falschen Behandlung führen könne. Die CDU fordert daher, dass Patienten grundsätzlich persönlich in die Arztpraxis kommen müssen, um sich krankschreiben zu lassen. Ausnahmen sollten nur in begründeten Fällen, etwa bei bettlägerigen Patienten oder in Notfällen, möglich sein. (Lesen Sie auch: Deutz Aktie im Aufwind: Globaler Maschinenbau-Boom treibt)
Der Krankenstand in Deutschland lag 2023 bei 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2019, also vor der Einführung der telefonischen Krankschreibung, lag der Krankenstand bei 4,3 Prozent. Ob die telefonische Krankschreibung tatsächlich zu einem Anstieg des Krankenstandes geführt hat, ist jedoch umstritten.
SPD kontert: Bürokratieabbau und Digitalisierung
Die SPD hält an der telefonischen Krankschreibung fest und verweist auf den Koalitionsvertrag. Darin haben sich die Regierungsparteien auf eine Digitalisierung des Gesundheitswesens und den Abbau von Bürokratie geeinigt. Die telefonische Krankschreibung sei ein wichtiger Schritt in diese Richtung, so die SPD. Sie argumentiert, dass die Regelung Patienten und Ärzte entlastet und dazu beiträgt, die Gesundheitsversorgung effizienter zu gestalten.
Zudem betont die SPD, dass die telefonische Krankschreibung gerade für Menschen in ländlichen Regionen eine wichtige Alternative darstellt. Dort ist die ärztliche Versorgung oft schlechter als in den Städten, und lange Anfahrtswege zur Arztpraxis können für Patienten eine zusätzliche Belastung darstellen. Die telefonische Krankschreibung ermöglicht es diesen Menschen, sich schnell und unkompliziert krankschreiben zu lassen, ohne lange Wege in Kauf nehmen zu müssen. Die SPD weist auch darauf hin, dass die Ärzte selbst entscheiden, ob eine Krankschreibung ohne persönliche Untersuchung möglich ist. Sie würden dies nur in Fällen tun, in denen sie die Situation des Patienten gut einschätzen können und keine Zweifel an der Diagnose haben.
Wie geht es weiter?
Der Streit um die telefonische Krankschreibung wird voraussichtlich in den kommenden Wochen und Monaten weitergehen. Es ist davon auszugehen, dass die CDU und die SPD intensive Gespräche führen werden, um eine einvernehmliche Lösung zu finden. Ob die telefonische Krankschreibung letztendlich abgeschafft, beibehalten oder in veränderter Form fortgeführt wird, ist derzeit noch offen. Die Entscheidung wird maßgeblich davon abhängen, ob die beiden Regierungsparteien einen Kompromiss finden können, der sowohl den Interessen der Patienten als auch den Bedenken der Ärzte und Krankenkassen gerecht wird. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) wird die Entwicklungen weiterhin verfolgen.

Das Bundesgesundheitsministerium hat sich bisher nicht öffentlich zu dem Thema geäußert.
Häufig gestellte Fragen
Welche Vorteile bietet die telefonische Krankschreibung für Patienten?
Die telefonische Krankschreibung spart Zeit und Aufwand, insbesondere für Patienten in ländlichen Gebieten oder mit eingeschränkter Mobilität. Sie reduziert auch das Ansteckungsrisiko in Arztpraxen bei leichten Erkrankungen.
Welche Bedenken gibt es hinsichtlich der telefonischen Krankschreibung?
Kritiker befürchten einen Missbrauch des Systems und eine Zunahme von unberechtigten Krankmeldungen. Zudem wird die Qualität der Diagnose aufgrund der fehlenden persönlichen Untersuchung in Frage gestellt.
Welche Rolle spielt der Koalitionsvertrag in der Debatte um die telefonische Krankschreibung?
Die SPD beruft sich auf den Koalitionsvertrag, in dem die Digitalisierung des Gesundheitswesens und der Abbau von Bürokratie festgeschrieben sind. Die telefonische Krankschreibung wird als ein wichtiger Schritt in diese Richtung gesehen.
Wie hoch war der durchschnittliche Krankenstand in Deutschland im Jahr 2023?
Laut Statistischem Bundesamt lag der Krankenstand in Deutschland im Jahr 2023 bei durchschnittlich 5,5 Prozent. Ob die telefonische Krankschreibung diesen Wert beeinflusst hat, ist Gegenstand der aktuellen Debatte. (Lesen Sie auch: Starcar Insolvenz: Letzte Filialen Schließen für Immer)
Wie entscheiden Ärzte, ob eine telefonische Krankschreibung möglich ist?
Ärzte entscheiden anhand der geschilderten Symptome und ihrer Einschätzung der Situation, ob eine Krankschreibung ohne persönliche Untersuchung vertretbar ist. Bei Unsicherheiten ist eine persönliche Untersuchung erforderlich.
Die Frage der telefonischen Krankschreibung bleibt ein politisches Minenfeld. Während die CDU eine Rückkehr zur Präsenzpflicht beim Arzt fordert, um den Krankenstand zu senken, argumentiert die SPD mit den Vorteilen für Patienten und dem Bürokratieabbau. Die Zukunft der telefonischen Krankschreibung wird maßgeblich von den Kompromissbereitschaft der Koalitionspartner abhängen. Für viele Bürger ist diese Regelung jedoch ein wichtiger Bestandteil einer modernen und zugänglichen Gesundheitsversorgung.










