In welchem Alter ist es angemessen, dass Kinder und Jugendliche in der Welt der Internet Social Medien aktiv werden, posten, teilen und liken? Diese Frage steht im Zentrum der Arbeit einer neu gegründeten EU-Expertengruppe. Ihr Ziel ist es, Antworten zu finden und möglicherweise die Social-Media-Regeln für ganz Europa grundlegend zu verändern. Die Kommission möchte die Sicherheit von Kindern im digitalen Raum erhöhen.

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Das Wichtigste in Kürze
- EU-Expertengruppe berät über mögliches Social-Media-Verbot für Kinder.
- Vorschläge für Schutzmaßnahmen sollen bis Sommer vorliegen.
- Deutscher Forscher Jörg Fegert leitet die Gruppe mit.
- EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen befürwortet ein Mindestalter für Social Media.
| PRODUKT: | Social-Media-Plattformen, diverse Anbieter, Preis: Abhängig von Nutzung, Verfügbarkeit: Weltweit, Plattform: Web, iOS, Android, Besonderheiten: Algorithmus-basierte Inhaltsanzeige, personalisierte Werbung |
|---|---|
| SICHERHEIT: | Betroffene Systeme: Kinder und Jugendliche, Schweregrad: Hoch (Cybermobbing, Sucht, Datenschutz), Patch verfügbar?: Nein, Handlungsempfehlung: Altersbeschränkungen, elterliche Kontrolle, Aufklärung |
| APP: | Meta Kids Apps, Plattform: iOS, Android, Preis: Kostenlos, Entwickler: Meta Platforms Inc., Sicherheitshinweis: Datensammlung, elterliche Aufsicht erforderlich |
Welche Risiken birgt die Social-Media-Nutzung für Kinder und Jugendliche?
Die Nutzung sozialer Medien durch Kinder und Jugendliche birgt eine Vielzahl von Risiken. Dazu gehören Cybermobbing, der Kontakt mit ungeeigneten Inhalten, die Entwicklung von Suchtverhalten und die Gefährdung der Privatsphäre durch die Preisgabe persönlicher Daten. Ebenso können unrealistische Schönheitsideale und der ständige Vergleich mit anderen zu psychischen Problemen wie Angstzuständen und Depressionen führen.
Im Auftrag der EU-Kommission berät eine Expertengruppe über ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Die Brüsseler Behörde teilte mit, dass die Fachleute aus verschiedenen Disziplinen – darunter Kinderrechte, Gesundheit und IT – spätestens im Sommer Vorschläge für Schutzmaßnahmen vorlegen sollen. Die Empfehlungen könnten auch für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder entscheidend sein.
Denn wer digitale Altersgrenzen auch technisch durchsetzen will, kommt um die Online-Plattformen kaum herum. Diesen Regeln vorzuschreiben und sie durchzusetzen, ist aber die alleinige Zuständigkeit der EU-Kommission. Deutschland und andere Mitgliedsländer dürfen den großen Plattformen allein also gar keine zusätzlichen Pflichten, etwa zur Alterskontrolle, auferlegen.
Einrichtungen wie jugendschutz.net jugendschutz.net bieten Informationen und Beratung zum Thema Jugendschutz im Internet. Die Organisation setzt sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor schädlichen Inhalten und Verhaltensweisen im Netz ein.
Eltern sollten sich aktiv mit den Social-Media-Aktivitäten ihrer Kinder auseinandersetzen, offene Gespräche führen und gemeinsam Regeln für eine sichere und verantwortungsvolle Nutzung festlegen. (Lesen Sie auch: Social Media Prozess: Zuckerberg Verteidigt Meta-Strategie)
Wer leitet die EU-Expertengruppe?
Jörg Fegert, ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, leitet die Gruppe gemeinsam mit der französischen Forscherin Maria Melchior. Fegert ist ein ausgewiesener Experte im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie und hat sich intensiv mit den Auswirkungen der digitalen Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen auseinandergesetzt.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eröffnete die erste Arbeitssitzung. Sie teilte dazu mit, man müsse mehr tun, um junge Menschen im Internet zu schützen und zu stärken. „Aus diesem Grund habe ich dieses Gremium einberufen: um einen starken, realistischen europäischen Ansatz zu entwickeln, der die Sicherheit unserer Kinder im digitalen Zeitalter gewährleistet“, sagte die deutsche Politikerin.
Von der Leyen hatte die Debatte um die Einführung eines Mindestalters für soziale Medien im September 2025 befeuert und sich dafür ausgesprochen. Sie verglich die Maßnahme damals mit Altersbeschränkungen beim Konsum von Alkohol und Tabak. Dies unterstreicht die Ernsthaftigkeit, mit der die EU-Kommission das Thema angeht und den Schutz junger Menschen im digitalen Raum priorisiert.
Wie Stern berichtet, soll die Expertengruppe bis zum Sommer konkrete Vorschläge erarbeiten.
So funktioniert es in der Praxis
In der Praxis bedeutet ein mögliches Social-Media-Verbot für Kinder, dass Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat technische Maßnahmen ergreifen müssten, um Nutzer unter einem bestimmten Alter (beispielsweise 13 oder 16 Jahre) von der Nutzung auszuschließen. Dies könnte durch eine verpflichtende Altersverifikation bei der Registrierung geschehen, beispielsweise durch den Upload eines Ausweisdokuments oder die Nutzung von Gesichtserkennungstechnologien. Allerdings sind solche Maßnahmen datenschutzrechtlich bedenklich und technisch schwer umzusetzen.
Eine weitere Möglichkeit wäre die Einführung von Whitelists, bei denen nur bestimmte, von Experten geprüfte und als sicher eingestufte Apps und Webseiten für Kinder zugänglich sind. Eltern könnten dann über spezielle Apps oder Programme die Online-Aktivitäten ihrer Kinder überwachen und kontrollieren. Hierbei ist jedoch wichtig, dass die Privatsphäre der Kinder gewahrt bleibt und die Überwachung nicht zu einem Kontrollinstrument verkommt. (Lesen Sie auch: Affe Punch: Wie der kleine zum Internet-Meme…)
Alternativ könnten Plattformen dazu verpflichtet werden, verstärkt auf altersgerechte Inhalte zu achten und Mechanismen zu implementieren, die Kinder vor schädlichen Inhalten schützen. Dies könnte beispielsweise durch den Einsatz von Algorithmen geschehen, die potenziell gefährdende Inhalte erkennen und filtern. Auch die Förderung von Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Baustein, um sie für die Risiken der Social-Media-Nutzung zu sensibilisieren und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit den Plattformen zu ermöglichen.
Die Deutsche Telekom bietet mit „Family Wall“ „Family Wall“ eine Plattform für Familien an, die Funktionen wie Standortfreigabe und Notfallkontakte bietet.
Vorteile und Nachteile
Ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche hätte zweifellos Vorteile. Es könnte dazu beitragen, die psychische Gesundheit junger Menschen zu schützen, Cybermobbing einzudämmen und die Entwicklung von Suchtverhalten zu verhindern. Zudem könnten Kinder und Jugendliche mehr Zeit für andere Aktivitäten wie Sport, Hobbys oder soziale Kontakte im realen Leben gewinnen.
Allerdings gibt es auch Nachteile. Ein Verbot könnte dazu führen, dass Kinder und Jugendliche von wichtigen sozialen Interaktionen und Lernmöglichkeiten ausgeschlossen werden. Soziale Medien können auch dazu dienen, sich zu informieren, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und kreative Inhalte zu erstellen. Zudem ist fraglich, ob ein Verbot technisch überhaupt durchsetzbar wäre, da Kinder und Jugendliche möglicherweise Wege finden würden, die Altersbeschränkungen zu umgehen.

Eine Alternative zum Verbot wäre die Förderung von Medienkompetenz und die Stärkung der elterlichen Aufsicht. Kinder und Jugendliche sollten lernen, wie sie soziale Medien sicher und verantwortungsvoll nutzen können. Eltern sollten sich aktiv mit den Online-Aktivitäten ihrer Kinder auseinandersetzen und ihnen bei Fragen und Problemen zur Seite stehen.
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) der Europäischen Union legt fest, dass die Verarbeitung personenbezogener Daten von Kindern unter 16 Jahren nur mit Zustimmung der Eltern oder Erziehungsberechtigten rechtmäßig ist. Dies gilt auch für die Nutzung sozialer Medien. (Lesen Sie auch: Kölner Dom Eintritt Bald Pflicht? das Müssen…)
Alternativen und Konkurrenzprodukte
Neben den großen Social-Media-Plattformen gibt es auch alternative Angebote, die speziell auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten sind. Dazu gehören beispielsweise „Blubbr“, eine Plattform für Kinder, auf der sie eigene Videos erstellen und teilen können, oder „KizWorld“, eine virtuelle Welt, in der Kinder spielerisch lernen und interagieren können. Diese Plattformen legen in der Regel großen Wert auf den Schutz der Privatsphäre und die Sicherheit der Nutzer.
Im Vergleich zu den großen Social-Media-Plattformen bieten diese Alternativen oft eine geringere Reichweite und weniger Funktionen. Allerdings sind sie in der Regel sicherer und besser auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten. Eltern sollten sich daher gut informieren und gemeinsam mit ihren Kindern entscheiden, welche Plattformen für sie am besten geeignet sind.
Welches Mindestalter wird für die Nutzung von Social Media empfohlen?
Viele Social-Media-Plattformen haben ein Mindestalter von 13 Jahren. Experten empfehlen, dass Kinder unter diesem Alter nur unter Aufsicht von Erwachsenen soziale Medien nutzen sollten, um Risiken zu minimieren.
Welche Rolle spielen Eltern bei der Social-Media-Nutzung ihrer Kinder?
Eltern spielen eine entscheidende Rolle. Sie sollten sich mit den Plattformen auseinandersetzen, offene Gespräche mit ihren Kindern führen und gemeinsam Regeln für eine sichere und verantwortungsvolle Nutzung festlegen. (Lesen Sie auch: Mentale Gesundheit Ausstellung: Wie Geht’s in Dresden?)
Welche technischen Möglichkeiten gibt es, um Kinder vor schädlichen Inhalten zu schützen?
Es gibt verschiedene technische Möglichkeiten, wie beispielsweise die Nutzung von Kindersicherungs-Apps, die Filterung von Inhalten und die Aktivierung von Datenschutzeinstellungen auf den Geräten und Plattformen.
Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gibt es für den Datenschutz von Kindern in sozialen Medien?
Wie können Kinder und Jugendliche lernen, mit Cybermobbing umzugehen?
Es ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche wissen, dass sie nicht allein sind und sich an Vertrauenspersonen wenden können. Zudem sollten sie lernen, Cybermobbing zu erkennen, sich zu schützen und gegebenenfalls Hilfe zu suchen.
Die Debatte um die Auswirkungen von Internet Social Medien auf Kinder und Jugendliche ist komplex und vielschichtig. Ein pauschales Verbot ist möglicherweise nicht die beste Lösung. Stattdessen ist ein umfassender Ansatz erforderlich, der die Förderung von Medienkompetenz, die Stärkung der elterlichen Aufsicht und die Entwicklung altersgerechter Angebote umfasst. Die EU-Expertengruppe steht vor der schwierigen Aufgabe, einen solchen Ansatz zu entwickeln und umzusetzen.










