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Der AfD-Politiker Kevin Dorow ist nach der Verwendung einer umstrittenen Parole, die auch von der Hitlerjugend genutzt wurde, von all seinen Parteiämtern zurückgetreten. Diese Entscheidung, die am 24. März 2026 bekannt wurde, ist Teil eines Kompromisses mit dem AfD-Bundesvorstand, der im Gegenzug ein laufendes Parteiausschlussverfahren fallen lässt. Dorow erhält zudem eine zweijährige Ämtersperre.
Das Wichtigste in Kürze
- Rücktritt von allen Ämtern: Der AfD-Politiker Kevin Dorow (27) hat am 24. März 2026 alle Ämter in der Partei und der Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) niedergelegt.
- Kompromiss mit Parteispitze: Der Rücktritt ist Teil einer Vereinbarung mit dem AfD-Bundesvorstand unter Alice Weidel und Tino Chrupalla, der dafür ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow zurückzieht.
- Zweijährige Ämtersperre: Dorow darf für die Dauer von zwei Jahren kein neues Parteiamt übernehmen.
- Auslöser der Kontroverse: Anlass war Dorows Zitat der Parole „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ auf dem Gründungskongress der GD im November 2025, ein Leitsatz, der auch von der Hitlerjugend verwendet wurde.
- Ermittlungen eingeleitet: Wegen der Äußerung hatte die Staatsanwaltschaft Gießen bereits im Dezember 2025 Ermittlungen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen aufgenommen.
Der junge AfD-Politiker Kevin Dorow hat am 24. März 2026 die Konsequenzen aus einer monatelangen parteiinternen Auseinandersetzung gezogen. Sein Rücktritt von den Posten als Beisitzer im Vorstand der AfD Schleswig-Holstein und im Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD) ist das Ergebnis eines Deals mit der Bundesspitze, der einen drohenden Parteiausschluss abwendet.
Kompromiss verhindert Parteiausschluss von Kevin Dorow
Der AfD-Bundesvorstand hatte im Februar 2026 ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow auf den Weg gebracht. Der Vorwurf lautete, mehrere Äußerungen Dorows legten eine Nähe zum Nationalsozialismus nahe und hätten der Partei „schwer geschadet“. Die nun getroffene Vereinbarung sieht vor, dass die Parteispitze den Antrag auf Ausschluss zurückzieht. Stattdessen wird lediglich eine zweijährige Sperre für alle Parteiämter gegen Dorow beantragt. Dorow selbst erklärte in einer Mail an den Bundesvorstand seinen sofortigen Rücktritt und begrüßte die Entscheidung, das Ausschlussverfahren zu stoppen. „Um diesen Kompromiss zu ermöglichen, die aktuelle Personaldiskussion zu befrieden und den Fokus wieder auf die politische Sacharbeit zu richten, bin ich von allen Ämtern in Partei und Jugendorganisation zurückgetreten“, teilte er mit.
Die umstrittene Parole und ihr Hintergrund
Im Zentrum der Affäre um Kevin Dorow steht eine Rede auf dem Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ Ende November 2025 in Gießen. Dort zitierte Dorow den Satz: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“. Dieser Leitsatz war zwar bereits in der bündischen Jugend der Weimarer Republik verbreitet, wurde aber später prominent von der Hitlerjugend (HJ), der Jugendorganisation der NSDAP, übernommen und als zentrales Prinzip genutzt. Dorow verteidigte sich damit, dass der Ausspruch aus einer Zeit vor dem Nationalsozialismus stamme. Er habe sich bewusst auf diese Tradition der Jugendbewegung bezogen und sehe keinen Grund, sich zu distanzieren. Dennoch löste die Äußerung erhebliche Kritik und schließlich die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch die Staatsanwaltschaft Gießen aus.
Reaktionen aus Partei und Jugendorganisation
Der Umgang mit dem Fall Dorow hatte innerhalb der AfD für Spannungen gesorgt. Nachdem das Ausschlussverfahren bekannt geworden war, übten zahlreiche Funktionäre Kritik am Bundesvorstand. Der Kompromiss wird daher auch als Versuch gesehen, den innerparteilichen Frieden wiederherzustellen. Der Bundesvorsitzende der „Generation Deutschland“, Jean-Pascal Hohm, äußerte sich zwiegespalten. Einerseits kritisierte er die Maßnahme als „sachlich überzogen“ und hätte sich eine vollständige Rücknahme gewünscht. Andererseits zeige der gefundene Kompromiss, „dass AfD und Generation Deutschland bereit sind, aufeinander zuzugehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden.“
| Datum | Ereignis | Quelle |
|---|---|---|
| November 2025 | Kevin Dorow zitiert auf dem Gründungskongress der „Generation Deutschland“ die Parole „Jugend muss durch Jugend geführt werden“. | Tagesspiegel |
| Dezember 2025 | Die Staatsanwaltschaft Gießen leitet Ermittlungen gegen Dorow ein. | Frankfurter Allgemeine Zeitung |
| Februar 2026 | Der AfD-Bundesvorstand beschließt, ein Parteiausschlussverfahren gegen Dorow zu beantragen. | ZEIT Online |
| 23. März 2026 | Der AfD-Bundesvorstand einigt sich mit Dorow auf einen Kompromiss: Ämterniederlegung gegen Einstellung des Verfahrens. | FOCUS online |
| 24. März 2026 | Kevin Dorow tritt offiziell von allen Ämtern zurück. | Die Welt (via dts) |
Häufig gestellte Fragen
Warum musste Kevin Dorow seine Ämter niederlegen?
Kevin Dorow musste am 24. März 2026 alle Parteiämter niederlegen, weil er auf einer Veranstaltung die Parole „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ verwendete. Dieser Satz wurde auch von der Hitlerjugend genutzt, was zu einem parteiinternen Verfahren und öffentlichen Ermittlungen führte. Sein Rücktritt war Teil eines Kompromisses, um ein Parteiausschlussverfahren zu beenden.
Welche Ämter hatte Kevin Dorow inne?
Kevin Dorow war Beisitzer im Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ und Beisitzer im Landesvorstand der AfD Schleswig-Holstein.
Was beinhaltet der Kompromiss zwischen Dorow und der AfD-Spitze?
Der Kompromiss beinhaltet, dass Kevin Dorow von all seinen Ämtern zurücktritt und für zwei Jahre keine neuen annehmen darf. Im Gegenzug zieht der AfD-Bundesvorstand den Antrag auf ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn zurück.
Ist die Parole „Jugend muss durch Jugend geführt werden“ verboten?
Die Verwendung der Parole kann strafrechtlich relevant sein. Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt gegen Dorow wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen gemäß § 86a StGB. Der Satz selbst stammt aus der Zeit vor dem Nationalsozialismus, wurde aber von der Hitlerjugend adaptiert und ist daher historisch stark belastet.
Fazit
Der Fall Kevin Dorow zeigt die inneren Konflikte der AfD im Umgang mit historisch belasteten Aussagen und radikalen Strömungen in den eigenen Reihen. Der nun gefundene Kompromiss – Rücktritt und Ämtersperre statt Ausschluss – kann als Versuch der Parteiführung gewertet werden, einen öffentlichen Machtkampf mit der eigenen Jugendorganisation zu vermeiden und die angespannte Personaldebatte zu befrieden. Gleichzeitig verdeutlicht der Vorgang, wie schmal der Grat für die Partei im Umgang mit nationalsozialistischen Bezügen ist. Während Dorow zunächst aus der Partei entfernt werden sollte, ermöglichte der interne Druck eine Lösung, die ihn als Mitglied hält, aber temporär aus der ersten Reihe entfernt. Es bleibt zu beobachten, wie die Partei und ihre Jugendorganisation sich zukünftig positionieren werden.






