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Anouschka Bernhard ist am 15. Januar 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von 55 Jahren verstorben. Die ehemalige Nationalspielerin wurde 1995 Europameisterin und Vizeweltmeisterin. Als DFB-Trainerin führte sie die U17-Juniorinnen zu vier EM-Titeln. Der Deutsche Fußball-Bund und der SHFV trauern um eine Pionierin des deutschen Frauenfußballs.
📌 Das Wichtigste in Kürze:
✓ Todestag: 15. Januar 2026 nach schwerer Krankheit
✓ Alter: 55 Jahre (geboren 5. Oktober 1970 in Waiblingen)
✓ Länderspiele: 47 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft
✓ Größte Erfolge: Europameisterin 1995, Vizeweltmeisterin 1995
✓ Vereinserfolge: 2x Deutsche Meisterin, 1x DFB-Pokal-Siegerin
✓ Trainererfolge: 4x U17-Europameisterin mit DFB-Juniorinnen
✓ Letzte Position: Verbandssportlehrerin beim SHFV seit 2020
Anouschka Bernhard ist tot. Die ehemalige deutsche Fußball-Nationalspielerin verstarb am 15. Januar 2026 nach schwerer Krankheit. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gab den Tod der 47-maligen Nationalspielerin am Freitag bekannt. Als Spielerin gehörte sie zur goldenen Generation des deutschen Frauenfußballs, als Trainerin formte sie den Nachwuchs über Jahre hinweg. Mit ihrem Tod verliert der deutsche Fußball eine seiner prägendsten Persönlichkeiten im Frauen- und Mädchenbereich.
Anouschka Bernhard: Europameisterin und Vizeweltmeisterin 1995
Das Jahr 1995 war das erfolgreichste in der Karriere von Anouschka Bernhard. Bei der Heim-Europameisterschaft in Deutschland gewann sie mit der Nationalmannschaft den Titel – ein historischer Erfolg für den deutschen Frauenfußball. Im selben Jahr erreichte sie als Verteidigerin das WM-Finale und wurde Vizeweltmeisterin. In beiden Endspielen stand Bernhard in der Startelf.
Ihr Länderspiel-Debüt hatte sie am 30. Juni 1991 gefeiert. Beim 2:0-Sieg gegen China wurde sie in der 52. Minute für Silvia Neid eingewechselt – eine Spielerin, die später als Bundestrainerin Geschichte schreiben sollte. Insgesamt absolvierte Bernhard 47 Länderspiele für Deutschland.

Erfolgreiche Vereinskarriere beim FSV Frankfurt
Auf Vereinsebene erlebte Anouschka Bernhard ihre größten Erfolge beim FSV Frankfurt. Von 1993 bis 1998 spielte sie für den hessischen Traditionsverein und gewann dort alle wichtigen nationalen Titel:
| Zeitraum | Verein | Erfolge |
|---|---|---|
| 1989–1992 | VfL Sindelfingen | Bundesliga Süd |
| 1992–1993 | Grün-Weiß Brauweiler | DFB-Pokal-Finale 1993 |
| 1993–1998 | FSV Frankfurt | 2x Deutsche Meisterin (1995, 1998), DFB-Pokal 1996 |
| 2000 (Jan–Juni) | FSV Frankfurt | Comeback-Saison |
Als Spielerin der Auswahlmannschaft des Hessischen Fußball-Verbandes gewann Bernhard zudem zweimal den Länderpokal. Im Juni 1993 erreichte sie mit Grün-Weiß Brauweiler das DFB-Pokal-Finale im Olympiastadion Berlin, das erst im Elfmeterschießen mit 5:6 gegen den TSV Siegen verloren ging.
Vom Spielfeld an die Seitenlinie: Bernhards Trainerkarriere
Nach ihrer aktiven Laufbahn blieb Anouschka Bernhard dem Fußball treu und startete eine beeindruckende Karriere als Trainerin. Die wichtigsten Stationen:
| Zeitraum | Position | Erfolge |
|---|---|---|
| 1997–2002 | Trainerin FSV Frankfurt | Bundesliga-Team |
| 2003–2011 | Jugendkoordinatorin Hertha BSC | U7 bis U13 |
| 2009 | Fußballlehrer-Ausbildung | Zweitbeste hinter Holger Stanislawski |
| 2011–2020 | U16/U17-Trainerin DFB | 4x U17-Europameisterin |
| 2020–2026 | Verbandssportlehrerin SHFV | Entwicklung Frauen-/Mädchenfußball |
2009 schloss Bernhard die Ausbildung zur Fußballlehrerin als Zweitbeste ab – nur Holger Stanislawski, später Trainer beim FC St. Pauli und Hamburger SV, war besser. Ihre Bilanz als Trainerin: 232 Spiele, davon 125 Siege, 47 Unentschieden und 60 Niederlagen.
Vier EM-Titel mit den U17-Juniorinnen
Als Trainerin der deutschen U16- und U17-Juniorinnen-Nationalmannschaft schrieb Anouschka Bernhard von 2011 bis 2020 Geschichte. Unter ihrer Leitung gewannen die deutschen Nachwuchsspielerinnen viermal die U17-Europameisterschaft:
🏆 U17-EM-Titel unter Anouschka Bernhard:
🥇 2012: Erster EM-Titel als U17-Trainerin
🥇 2013: Titelverteidigung
🥇 2016: Dritter Titel, 5. EM-Gewinn für Deutschland insgesamt
🥇 Vierter Titel: Weitere Europameisterschaft während ihrer Amtszeit
Viele ihrer Schützlinge schafften später den Sprung in die A-Nationalmannschaft. Bernhard galt als Entdeckerin von Talenten und legte großen Wert auf die persönliche Entwicklung ihrer Spielerinnen.
Letzte Jahre beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband
2020 verließ Anouschka Bernhard den DFB und wurde Verbandssportlehrerin beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV). Dort übernahm sie die sportliche Leitung im Frauen- und Mädchenbereich einschließlich aller Juniorinnen-Auswahlmannschaften.
Der SHFV würdigte ihre Arbeit in einer Trauerbekundung: „Anouschka war eine herzliche Person mit einer großen Leidenschaft für den Fußball. Ihre Expertise suchte und sucht ihresgleichen. Sie vermittelte klare Prinzipien und stand für einen respektvollen Umgang miteinander. Der Fußball war für sie mehr als Leistung und Ergebnis – es ging ihr stets um die Entwicklung der Persönlichkeiten und die Freude am Spiel.“
Auch beim DFB blieb Bernhard aktiv: Sie war Mitglied der DFB-Kommission Qualifizierung und beriet diese in sportfachlichen Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Trainern auf Landesverbandsebene.

DFB trauert: „Wir werden sie nie vergessen“
DFB-Vizepräsidentin Heike Ullrich, zuständig für Frauen- und Mädchenfußball, würdigte die Verstorbene mit bewegenden Worten:
„Wir erinnern uns an Anouschka Bernhard als außergewöhnliche Fußballerin, großartige und erfolgreiche Trainerin, aber insbesondere als liebenswerten Menschen und tolle Persönlichkeit. Anouschka hinterlässt viele Spuren – auf den Fußballplätzen in der ganzen Welt und in den Herzen zahlreicher Menschen. Wir werden sie nie vergessen.“
Häufige Fragen zu Anouschka Bernhard
Wann ist Anouschka Bernhard gestorben?
Anouschka Bernhard ist am 15. Januar 2026 nach schwerer Krankheit im Alter von 55 Jahren verstorben. Der DFB gab ihren Tod am 16. Januar 2026 bekannt.
Was waren die größten Erfolge von Anouschka Bernhard?
Als Spielerin wurde sie 1995 Europameisterin und Vizeweltmeisterin mit der deutschen Nationalmannschaft. Mit dem FSV Frankfurt gewann sie zweimal die Deutsche Meisterschaft (1995, 1998) und einmal den DFB-Pokal (1996). Als Trainerin führte sie die U17-Juniorinnen des DFB zu vier Europameistertiteln.
Wie viele Länderspiele hat Anouschka Bernhard absolviert?
Anouschka Bernhard absolvierte 47 Länderspiele für die deutsche Nationalmannschaft. Ihr Debüt gab sie am 30. Juni 1991 beim 2:0-Sieg gegen China, als sie für Silvia Neid eingewechselt wurde.
Wo hat Anouschka Bernhard zuletzt gearbeitet?
Seit 2020 war Anouschka Bernhard als Verbandssportlehrerin beim Schleswig-Holsteinischen Fußballverband (SHFV) tätig. Dort leitete sie den sportlichen Bereich für Frauen- und Mädchenfußball. Zusätzlich war sie Mitglied der DFB-Kommission Qualifizierung.
Wann und wo wurde Anouschka Bernhard geboren?
Anouschka Bernhard wurde am 5. Oktober 1970 in Waiblingen (Baden-Württemberg) geboren. Sie wuchs in Süddeutschland auf und begann ihre Karriere 1989 beim VfL Sindelfingen in der Bundesliga.
Welche Trainerlizenzen hatte Anouschka Bernhard?
Anouschka Bernhard besaß die höchste Trainerlizenz: die Fußballlehrer-Lizenz. Sie schloss die Ausbildung 2009 als Zweitbeste ihres Jahrgangs ab – nur Holger Stanislawski war besser. Ihre Trainerkarriere umfasste 232 Spiele mit einer Siegquote von über 50 Prozent.
Fazit: Abschied von einer Pionierin des Frauenfußballs
Mit Anouschka Bernhard verliert der deutsche Fußball eine seiner prägendsten Persönlichkeiten im Frauen- und Mädchenbereich. Als Spielerin gehörte sie zur goldenen Generation um Silvia Neid, die den deutschen Frauenfußball international etablierte. Als Trainerin formte sie über Jahrzehnte den Nachwuchs und führte die U17-Juniorinnen zu vier Europameistertiteln. Ihre Leidenschaft, Fachkompetenz und Menschlichkeit machten sie zu einer Respektsperson – auf und neben dem Platz. Der deutsche Fußball wird Anouschka Bernhard nicht vergessen.







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