Collien Fernandes ist seit Jahren Opfer digitaler Gewalt. Die Moderatorin hat zuletzt offenbar vermehrt Morddrohungen erhalten.
Collien Fernandes, 44, hat einen geplanten Auftritt auf einer Demonstration in Hamburg abgesagt. Die Moderatorin wollte eigenen Angaben zufolge auf der Demo am 26. Februar sprechen, zuletzt haben sie aber offenbar vermehrt Morddrohungen erreicht.
„Ist das Eure Art, liebe Frauenhasser, damit umzugehen?“
„Morgen um 17:30 Uhr findet in Hamburg am Rathausmarkt eine Demo statt“, schreibt die 44-Jährige bei Instagram und erklärt, dass sie teilnehmen wollte, aufgrund der eingegangenen Drohungen aber nicht könne. „Eigentlich plante ich dort hinzugehen, dort zu sprechen“, schreibt Fernandes. „Mittlerweile gibt es aber ernsthafte Sicherheitsbedenken, aufgrund von Morddrohungen gegen mich.“
Sie fragt: „Ist das Eure Art, liebe Frauenhasser, damit umzugehen? Wie sollen denn Frauen künftig den Mut haben, aufzubegehren, wenn das Eure Antwort ist – man so mundtot gemacht wird?“ Fernandes bittet darum, bei der Demonstration für sie laut zu sein. Dazu teilt sie ein Foto mit viel Symbolkraft. Ihre Arme sind verschränkt, der Mund ist mit dickem Klebeband zugeklebt, eine Hälfte ihres Körpers steht im Licht, die andere im Dunkel.
Wie schon zuvor, kommt Fernandes auf eine Dunkelfeldstudie des BKA zu sprechen. Sie schreibt: „Wir müssen ganz dringend Licht in das Dunkelfeld bringen! Nur fünf Prozent der psychischen und physischen Partnerschaftsgewalt wird angezeigt! Nur 2,4 Prozent der digitalen Gewalt! […] Warum? Weil es Mut braucht, sich zu äußern, kundzutun, dass der liebe nette Onkel/Opa/Vater – vielleicht nicht nur der liebe nette Onkel/Opa/Vater ist!“
Bis zu 13.000 Menschen auf Berliner Demo
Fernandes hatte vor wenigen Tagen in einem Bericht des „Spiegel“ schwere Anschuldigungen gegen Christian Ulmen, 50, erhoben. Es wurde auch berichtet, dass sie im vergangenen Jahr gegen ihren Ex-Partner in Spanien Anzeige erstattet habe. Ob eine Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt werde, sei zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels offen. Ulmens Anwalt teilte mit, dass rechtliche Schritte eingeleitet würden, da die Berichterstattung „aus mehreren Gründen rechtswidrig“ sei. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Die Vorwürfe haben eine Welle an Bestürzung und Solidarität ausgelöst. Innerhalb kürzester Zeit wurde unter anderem für den vergangenen Sonntag eine Demonstration in Berlin organisiert. Medienberichten zufolge versammelten sich nach Angaben der Polizei gut 6.700 Menschen vor dem Brandenburger Tor, die Initiatorinnen, ein neu gegründetes Bündnis namens „Feminist Fight Club“, sprach von rund 13.000 Teilnehmenden.
Collien Fernandes war nicht vor Ort, ließ aber ein Statement verlesen. In diesem hieß es unter anderem: „Ich freue mich über jeden, der für dieses wichtige Thema auf die Straße geht, um so für eine politische und gesellschaftliche Veränderung zu sorgen.“ Die Inititative „Nur Ja heißt Ja!“ hat unter anderem zusammen mit dem „Feminist Fight Club“ und der Moderatorin das Statement bei Instagram geteilt. Dazu wurde geschrieben: „13.000 Menschen standen gestern in Solidarität mit allen Betroffenen sexualisierter und digitaler Gewalt vor dem Brandenburger Tor. Eine Bewegung ausgelöst von einer Frau, die mit unfassbarem Mut die schreckliche Gewalt, die ihr angetan wurde, öffentlich machte: Collien Fernandes.“
Quelle: Gala





