đ Lesezeit: 8 Minuten | Stand: 27.01.2026, 11:00 Uhr
Drohnenabwehr Deutschland: Die SicherheitskrĂ€fte stehen einer wachsenden Bedrohung nahezu hilflos gegenĂŒber. Im Herbst 2025 legten mysteriöse Drohnen den Flughafen MĂŒnchen mehrfach lahm, tausende Passagiere saĂen fest. Die Polizei konnte die FluggerĂ€te weder identifizieren noch neutralisieren. Erst jetzt reagiert die Bundesregierung â doch Experten warnen: Die Gefahr wird in Zukunft noch massiv zunehmen. Eine flĂ€chendeckende Drohnenabwehr ist kaum möglich.
Das Wichtigste in KĂŒrze
- Hilflosigkeit: SicherheitskrÀfte können Drohnen oft weder identifizieren noch abwehren
- MĂŒnchen: Flughafen im Oktober 2025 mehrfach fĂŒr Stunden gesperrt, 6.500 Passagiere betroffen
- Neue Einheit: Bundespolizei hat im Dezember 2025 Drohnenabwehreinheit in Dienst gestellt
- GesetzesĂ€nderung: Bundeswehr soll kĂŒnftig Drohnen in Amtshilfe abschieĂen dĂŒrfen
- Kosten: 25 Millionen Euro jĂ€hrlich fĂŒr Drohnenabwehr geplant
- Problem: FlÀchendeckende Abwehr gilt als technisch unmöglich
Drohnenabwehr in Deutschland â ein Thema, das lange unterschĂ€tzt wurde. Die Ereignisse im Herbst 2025 haben Europa schlagartig bewusst gemacht: Behörden haben keine Antwort auf die surrende Bedrohung aus der Luft. Sie können die FluggerĂ€te in der Dunkelheit weder identifizieren noch herunterholen, noch deren Piloten ausfindig machen. Die Forderung, man mĂŒsse die Drohnen einfach abschieĂen, klingt gut â ist in der RealitĂ€t aber naive Polemik.
Flughafen MĂŒnchen: Wie Drohnen Deutschland lahmlegten
Im Oktober 2025 wurde Deutschlands zweitgröĂter Flughafen zum Schauplatz einer beispiellosen Krise. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden musste der Flugbetrieb komplett eingestellt werden:
- 2. Oktober 2025: Erste Drohnensichtungen gegen 21:05 Uhr, Sperrung ab 22:18 Uhr
- 3. Oktober 2025: Erneute Sichtungen gegen 23:00 Uhr, beide Bahnen gesperrt
- Betroffene: Ăber 6.500 Passagiere saĂen fest, schliefen auf Feldbetten
- AusfÀlle: 46 gestrichene Starts, 23 Umleitungen, 12 FlugausfÀlle
Die Bundespolizei bestÀtigte, dass die Drohnen verschwanden, bevor sie identifiziert werden konnten. Trotz des Einsatzes von Hubschraubern und Detektionssystemen blieben die Ermittler ratlos.

â ïž Bundespolizei-Sprecher: âDie Drohnen entfernten sich sofort, noch bevor sie identifiziert werden konnten.“ Die Herkunft der FluggerĂ€te ist bis heute nicht abschlieĂend geklĂ€rt.
Warum die SicherheitskrÀfte hilflos sind
Die Drohnenabwehr steht vor fundamentalen Problemen, die nicht kurzfristig lösbar sind:
1. Detektion: Drohnen finden ist schwieriger als gedacht
Moderne Drohnen sind klein, leise und können autonom fliegen. Sie zu entdecken erfordert spezialisierte Sensorik â Radar, Funkpeilung, optische Systeme. Diese Technik ist teuer und nicht flĂ€chendeckend verfĂŒgbar. Niedersachsen etwa verfĂŒgte laut Innenministerium bis Ende 2025 ĂŒber keine eigene Detektionstechnik.
2. Identifikation: Wer steuert die Drohne?
Selbst wenn eine Drohne entdeckt wird, ist unklar: Handelt es sich um einen harmlosen Hobbypiloten, einen Kriminellen oder einen staatlichen Akteur? Die Piloten können sich kilometerweit entfernt befinden â oder die Drohne fliegt vollstĂ€ndig autonom.
3. Neutralisierung: AbschieĂen ist gefĂ€hrlich
Eine abstĂŒrzende Drohne kann Menschen am Boden verletzen. In bewohnten Gebieten zu schieĂen ist riskant. Störsender (Jammer) können den Mobilfunk und andere elektronische GerĂ€te beeintrĂ€chtigen â und funktionieren nicht bei autonom fliegenden Drohnen.
| Abwehrmethode | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Störsender (Jammer) | Keine Zerstörung, relativ sicher | Stört Mobilfunk, unwirksam bei autonomen Drohnen |
| Abfangdrohnen | PrĂ€zise, forensische Sicherung möglich | Langsam, nur fĂŒr kleine Drohnen geeignet |
| Laser/Mikrowellen | Hohe Reichweite, prÀzise | Kann Herzschrittmacher stören, teuer |
| Kinetischer Abschuss | Sofortige Wirkung | GefÀhrlich in bewohnten Gebieten |
| Cyber-Ăbernahme | Kontrollierte Landung, sichere Bergung | Erfordert Kenntnis der Drohnensoftware |
Die Reaktion der Politik: Anti-Drohnen-Plan 2025/2026
Erst unter dem Druck der Ereignisse reagierte die Bundesregierung. Am 8. Oktober 2025 beschloss das Kabinett einen umfassenden Anti-Drohnen-Plan:
Neue Befugnisse fĂŒr die Bundespolizei
- Detektion und Abwehr gefÀhrlicher Drohnen wird gesetzlich verankert
- Einsatz eigener Drohnen als SensortrĂ€ger fĂŒr Lagebilder
- JĂ€hrliche Sachmittel von ca. 25 Millionen Euro vorgesehen

Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei
Am 2. Dezember 2025 stellte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei vor. Die Beamten werden zu SpezialkrÀften ausgebildet und mit modernster Technik ausgestattet.
BundespolizeiprĂ€sident Dr. Dieter Romann: âAllein die Bundespolizei hat im bisherigen Jahr 2025 in ihrem begrenzten ZustĂ€ndigkeitsbereich Drohnenfeststellungen im niedrigen dreistelligen Bereich getroffen, davon etwa zwei Drittel an den gröĂten deutschen VerkehrsflughĂ€fen.“
Bundeswehr darf kĂŒnftig Drohnen abschieĂen
Eine Ănderung des Luftsicherheitsgesetzes soll es der Bundeswehr ermöglichen, bei einem drohenden besonders schweren UnglĂŒcksfall illegal fliegende Drohnen abzuschieĂen â als letztes Mittel (Ultima Ratio) auf Anforderung der Polizei.
Die Bedrohung wÀchst: Ukraine-Krieg als Innovations-Treiber
Der Krieg in der Ukraine hat die Drohnentechnologie revolutioniert. Was dort an der Front erprobt wird, steht bald auch Kriminellen und Terroristen zur VerfĂŒgung:
- First-Person-View (FPV): Billige Kamikazedrohnen fĂŒr unter 500 Euro
- Schwarm-Intelligenz: Koordinierte Angriffe mehrerer Drohnen
- Autonome Navigation: GPS-unabhÀngig, nicht mehr störbar
- Erweiterte Reichweite: Hunderte Kilometer Flugdistanz
- Miniaturisierung: Immer kleinere, schwerer erkennbare Modelle
Experten warnen: Die Drohnenabwehr wird kaum je flĂ€chendeckend funktionieren können. Die KapazitĂ€ten der Abfangsysteme sind zu beschrĂ€nkt, um groĂflĂ€chigen Schutz zu bieten.
Kritische Infrastruktur im Visier
Drohnen werden zunehmend zur Spionage und potenziellen Sabotage kritischer Infrastruktur eingesetzt:
| Ziel | GefÀhrdung | VorfÀlle 2025 |
|---|---|---|
| FlughĂ€fen | Kollision mit Flugzeugen, Betriebsstörung | MĂŒnchen, Kopenhagen, Erfurt, Bremen |
| MilitÀranlagen | Spionage, AufklÀrung | Bundeswehr-Standorte in mehreren LÀndern |
| Energieanlagen | Sabotage, Ausfall | Industrieanlagen in Skandinavien |
| HĂ€fen/Schiffe | Ăberwachung von Lieferketten | Nord- und Ostsee |
Der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) warnt: Illegale Drohnen sind keine Zukunftsbedrohung mehr â sie sind real. Jeder Tag ohne wirksame Schutzsysteme ist ein unnötiges Risiko.
Was BĂŒrger wissen sollten: Rechtslage und PrĂ€vention
FĂŒr Privatpersonen gilt: Aktive Drohnenabwehr ist verboten. Nur in extremen AusnahmefĂ€llen â bei unmittelbarer Gefahr fĂŒr Menschen â kann eine Abwehr ĂŒber Notwehr (§ 32 StGB) oder Notstand (§ 228 BGB) gerechtfertigt sein.
Erlaubt fĂŒr Privatpersonen:
- Passive Detektion und Dokumentation
- Meldung an die Polizei
- Beobachten und Filmen
Verboten fĂŒr Privatpersonen:
- Störsender (Jamming)
- AbschieĂen oder BeschĂ€digen
- SignalĂŒbernahme (Spoofing)
- Netzfang oder physische Abwehr

EuropÀische Dimension: Nicht nur Deutschland betroffen
Die Drohnen-Problematik betrifft ganz Europa. Im September 2025 tauchten ĂŒber mehreren skandinavischen FlughĂ€fen Drohnen auf und legten den Betrieb lahm. Auch Belgien, Lettland und Schweden meldeten VorfĂ€lle. Hinter den Aktionen wird teilweise Russland vermutet â der Kreml weist jede Beteiligung zurĂŒck.
Ăsterreich hat bereits im Oktober 2025 die Entwicklung einer ressortĂŒbergreifenden Drohnenabwehrstrategie beschlossen. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner betonte, dass Drohnen zu den gröĂten Bedrohungen der Gegenwart zĂ€hlen.
HĂ€ufige Fragen zur Drohnenabwehr in Deutschland
Fazit: Ein Wettlauf, der kaum zu gewinnen ist
Die Drohnenabwehr in Deutschland steht vor einer gewaltigen Herausforderung. Die SicherheitskrĂ€fte sind technisch und rechtlich nicht ausreichend gerĂŒstet, um der wachsenden Bedrohung zu begegnen. Die Bundesregierung hat mit dem Anti-Drohnen-Plan 2025 und der neuen Drohnenabwehreinheit reagiert â doch Experten warnen: Es ist ein Wettlauf zwischen Drohnen-Bedrohung und Drohnen-Abwehr, der kaum zu gewinnen ist.
Die VorfĂ€lle am Flughafen MĂŒnchen haben gezeigt, wie verwundbar kritische Infrastruktur ist. Die TĂ€ter wurden nie identifiziert, die Drohnen nie gefasst. FĂŒr die Zukunft bedeutet das: Drohnen werden verstĂ€rkt fĂŒr Verbrechen, Spionage oder AnschlĂ€ge zum Einsatz kommen. Die Behörden stehen vor der Aufgabe, den böswilligen Einsatz einzudĂ€mmen â mit ungewissem Ausgang.
Ăber den Autor
Die Redaktion von Rathausnachrichten berichtet ĂŒber Sicherheitspolitik und technologische Entwicklungen in Deutschland. Dieser Artikel wird bei neuen Entwicklungen aktualisiert.






