📖 Lesezeit: 5 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 3. Januar 2026
Einsamer Planet entdeckt: Erstmals Masse und Entfernung gemessen
Ein einsamer Planet von der Größe des Saturn treibt durch die Milchstraße – ohne Stern, ohne Heimat. Am 1. Januar 2026 veröffentlichten Astronomen im Fachjournal Science eine bahnbrechende Entdeckung: Erstmals konnten sie die Masse und Entfernung eines solchen „Rogue Planets“ präzise messen. Der Himmelskörper befindet sich rund 10.000 Lichtjahre entfernt und wirft ein neues Licht auf die Entstehung von Planetensystemen.
⚡ Einsamer Planet – Die wichtigsten Fakten:
• Masse: Ca. 22% der Jupiter-Masse (etwa 70 Erdmassen)
• Größe: Vergleichbar mit Saturn
• Entfernung: Rund 9.900 Lichtjahre von der Erde
• Bezeichnung: KMT-2024-BLG-0792 / OGLE-2024-BLG-0516
• Entdeckungsmethode: Mikrolinsen-Effekt
Was ist ein einsamer Planet?
Ein einsamer Planet – auch Rogue Planet, Einzelgänger-Planet oder vagabundierender Planet genannt – ist ein Himmelskörper, der keinen Stern umkreist. Stattdessen treibt er frei durch die Galaxie. Solche Planeten senden kaum eigenes Licht aus und machen sich nur durch ihre Schwerkraft bemerkbar. Das macht sie extrem schwer zu entdecken.
Dass es diese kosmischen Wanderer gibt, wissen Astronomen seit 2012. Damals wurden erstmals zehn einsame Himmelskörper von Jupiter-Größe im Zentrum der Milchstraße entdeckt. Seitdem gehen Forscher davon aus, dass es in unserer Galaxie mehr Rogue Planets als Sterne geben könnte – möglicherweise Hunderte Milliarden.
Wie wurde der einsame Planet entdeckt?
Die Entdeckung gelang durch ein sogenanntes Mikrolinsen-Ereignis. Wenn ein Planet vor einem weit entfernten Stern vorbeizieht, biegt seine Schwerkraft das Sternenlicht kurzzeitig wie ein Brennglas – der Stern erscheint für einen Moment heller. Albert Einstein hatte diesen Effekt in seiner Relativitätstheorie vorhergesagt.
Das Besondere an dieser Entdeckung: Das Forschungsteam um Subo Dong von der Peking University konnte das Ereignis gleichzeitig von der Erde und aus dem Weltraum beobachten. Die ESA-Raumsonde Gaia erfasste das Mikrolinsen-Ereignis zufällig aus einer anderen Perspektive. Durch diese Parallaxe-Messung konnten die Forscher erstmals sowohl Masse als auch Entfernung eines Rogue Planets präzise bestimmen.
| Eigenschaft | Wert | Vergleich |
|---|---|---|
| Masse | 0,219 Jupitermassen | Etwa so schwer wie Saturn |
| Masse in Erdmassen | Ca. 70 Erdmassen | Saturn: 95 Erdmassen |
| Entfernung | ~9.900 Lichtjahre | Richtung galaktisches Zentrum |
| Entfernung in Parsec | ~3.000 Parsec | Vom Milchstraßen-Zentrum |
Warum ist diese Entdeckung so bedeutsam?
Bisherige Messungen von Rogue Planets litten unter einem Problem: Die Astronomen konnten zwar erkennen, dass etwas vorbeizog – aber nicht sicher sagen, wie groß und wie weit entfernt das Objekt war. Dieses Dilemma nennen Forscher „Masse-Entfernungs-Degeneration“. Ohne präzise Entfernungsmessung blieb die Masse spekulativ.
Mit der neuen Messung ist erstmals eindeutig belegt: Der Himmelskörper ist tatsächlich ein Planet und kein Brauner Zwerg (ein „gescheiterter Stern“). Die Masse von etwa 22 Prozent der Jupiter-Masse entspricht ziemlich genau der unseres Saturn. Damit liegt der Planet in einem Bereich, den Astronomen als „Einstein-Wüste“ bezeichnen – einer Lücke in der Massenverteilung, in der bisher kaum Objekte gefunden wurden.
Woher kommt der einsame Planet?
Die Forscher gehen davon aus, dass der einsame Planet ursprünglich Teil eines Planetensystems war. Die relativ geringe Masse spricht dagegen, dass er wie ein Stern aus einer kollabierenden Gaswolke entstanden ist. Wahrscheinlicher ist, dass er durch gravitative Wechselwirkungen aus seiner ursprünglichen Umlaufbahn geschleudert wurde.
Solche Ereignisse können in jungen Planetensystemen auftreten, wenn mehrere große Planeten um günstige Bahnen konkurrieren. Enge Begegnungen mit massereichen Gasriesen oder vorbeiziehenden Sternen können einen Planeten aus dem System katapultieren. Einmal herausgeschleudert, treibt er für immer allein durch die Dunkelheit der Galaxie.
Wie viele einsame Planeten gibt es in der Milchstraße?
Theoretische Studien legen nahe, dass es in der Milchstraße mehr Rogue Planets als Sterne geben könnte. Bei geschätzt 100 bis 300 Milliarden Sternen wären das Hunderte Milliarden einsame Planeten. „Unsere Entdeckung liefert weitere Belege dafür, dass die Galaxie möglicherweise von Rogue Planets wimmelt“, sagte Forschungsleiter Subo Dong gegenüber Space.com.
Die meisten bisher entdeckten Rogue Planets sind entweder schwerer als Jupiter oder leichter als Neptun. Die „Einstein-Wüste“ dazwischen galt lange als leer. Der neu entdeckte Planet zeigt nun, dass auch Saturn-große Objekte frei durch die Galaxie treiben – sie sind nur besonders schwer zu finden.
Zukunft der Rogue-Planet-Forschung
Mit dem für 2027 geplanten Nancy Grace Roman Space Telescope der NASA erwarten Forscher einen Durchbruch bei der Entdeckung einsamer Planeten. Das Weltraumteleskop wird große Himmelsbereiche im Infrarotlicht überwachen und soll deutlich mehr Mikrolinsen-Ereignisse erfassen als bisherige Instrumente.
Auch Chinas Earth 2.0 Satellit, geplant für 2028, wird nach frei schwebenden Planeten suchen. Die Kombination aus Weltraum- und Erdbeobachtungen hat sich bei der aktuellen Entdeckung als entscheidend erwiesen. Astronomen hoffen, dass künftige Missionen ein klareres Bild davon liefern, wie häufig Planeten aus ihren Heimatsystemen geschleudert werden – und was das über die Stabilität junger Planetensysteme aussagt.
💡 Gut zu wissen: Rogue Planets könnten theoretisch sogar Monde besitzen. Eine Studie aus dem Jahr 2013 zeigte, dass manche dieser einsamen Wanderer von Begleitern umkreist werden – kleine Welten, die gemeinsam durch die Dunkelheit treiben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist ein einsamer Planet oder Rogue Planet?
Ein einsamer Planet (englisch: Rogue Planet) ist ein Himmelskörper mit planetenähnlicher Masse, der keinen Stern umkreist. Er treibt frei durch die Galaxie und wurde entweder aus seinem ursprünglichen Sternsystem herausgeschleudert oder ist ohne Stern entstanden.
Wie groß ist der neu entdeckte einsame Planet?
Der neu entdeckte Rogue Planet hat etwa 22 Prozent der Masse Jupiters, was rund 70 Erdmassen entspricht. Damit ist er ungefähr so groß wie unser Saturn. Er befindet sich etwa 9.900 Lichtjahre von der Erde entfernt in Richtung des galaktischen Zentrums.
Wie werden Rogue Planets entdeckt?
Rogue Planets werden durch den Mikrolinsen-Effekt entdeckt. Wenn ein solcher Planet vor einem weit entfernten Stern vorbeizieht, biegt seine Schwerkraft das Sternenlicht kurzzeitig und lässt den Stern heller erscheinen. Durch simultane Beobachtung von Erde und Weltraum lassen sich Masse und Entfernung bestimmen.
Wie viele einsame Planeten gibt es in der Milchstraße?
Theoretische Studien schätzen, dass es in der Milchstraße mehr Rogue Planets als Sterne geben könnte – möglicherweise Hunderte Milliarden. Die genaue Anzahl ist noch unbekannt, da diese Planeten extrem schwer zu entdecken sind.
Kann auf einem einsamen Planeten Leben existieren?
Das ist unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen. Ohne Stern ist ein Rogue Planet extrem kalt. Theoretisch könnte jedoch innere Wärme aus radioaktivem Zerfall unter einer dicken Eiskruste flüssiges Wasser ermöglichen – besonders wenn der Planet einen Mond mit Gezeitenheizung besitzt.
Fazit: Einsamer Planet eröffnet neue Forschungsperspektiven
Die Entdeckung des einsamen Planeten von Saturn-Größe markiert einen Meilenstein in der Astronomie. Erstmals konnten Forscher Masse und Entfernung eines solchen „Rogue Planets“ präzise messen und damit belegen, dass es sich tatsächlich um einen Planeten handelt. Der Himmelskörper treibt etwa 10.000 Lichtjahre entfernt durch die Milchstraße – vermutlich aus seinem ursprünglichen Sternsystem herausgeschleudert. Mit künftigen Weltraumteleskopen wie dem Nancy Grace Roman Space Telescope hoffen Astronomen, noch viele weitere dieser kosmischen Wanderer zu finden.
Über den Autor
Redaktion Rathausnachrichten | Wissenschaft & Astronomie
Die Redaktion berichtet über aktuelle Entdeckungen aus Wissenschaft und Forschung. Dieser Artikel basiert auf der am 1. Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlichten Studie von Subo Dong et al.






