Die Erinnerung an Ehrenmord, speziell an Hatun Sürücü, wird durch ihren Sohn Can wachgehalten. Über zwei Jahrzehnte nach dem tragischen Ereignis setzt er sich dafür ein, dass das Andenken an seine Mutter nicht verblasst und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Form von Gewalt nicht abreißt. Sein Engagement dient als Mahnung und Appell, die Ursachen und Folgen von Ehrenmorden zu verstehen und zu bekämpfen. Erinnerung Ehrenmord steht dabei im Mittelpunkt.

Die wichtigsten Fakten
- Hatun Sürücü wurde 2005 in Berlin Opfer eines Ehrenmordes.
- Ihr Sohn Can war zum Zeitpunkt des Mordes fünf Jahre alt.
- Die Tat löste eine breite gesellschaftliche Debatte über Integration und Gewalt aus.
- Can Sürücü setzt sich heute aktiv für das Gedenken an seine Mutter ein.
Ein Leben ausgelöscht: Der Fall Hatun Sürücü
Der Mord an Hatun Sürücü im Jahr 2005 erschütterte Deutschland. Die junge Frau türkischer Abstammung wurde von ihrem jüngsten Bruder auf offener Straße in Berlin erschossen. Hintergrund der Tat war ein sogenannter Ehrenmord, da die Familie ihren westlichen Lebensstil und ihre Trennung von einem Cousin in der Türkei nicht akzeptierte. Hatun Sürücü hatte sich von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt und lebte mit ihrem Sohn Can ein selbstbestimmtes Leben.
Der Fall löste eine heftige Debatte über Integration, Parallelgesellschaften und die Rolle der Frau in traditionell geprägten Familien aus. Viele Menschen waren entsetzt über die Brutalität der Tat und die archaischen Wertvorstellungen, die dahinterstanden. Der Mord an Hatun Sürücü wurde zu einem Symbol für die Schwierigkeiten, mit denen junge Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschland konfrontiert sind, wenn sie sich von den Vorstellungen ihrer Familien emanzipieren wollen. Wie Bild berichtet, kämpft ihr Sohn bis heute gegen das Vergessen.
Ein Ehrenmord ist eine Tötung, bei der die Täter (meist Familienangehörige) die Ehre der Familie wiederherstellen wollen. Als Grund gelten meist Verstöße gegen traditionelle Moralvorstellungen, wie z.B. unehelicher Geschlechtsverkehr, Ehebruch oder die Ablehnung einer Zwangsheirat.
Cans Kampf für das Andenken seiner Mutter
Can Sürücü war erst fünf Jahre alt, als seine Mutter ermordet wurde. Er wuchs bei Pflegeeltern auf und erfuhr erst später die ganze Wahrheit über den Tod seiner Mutter. Heute setzt er sich aktiv für das Gedenken an Hatun Sürücü ein und engagiert sich gegen Gewalt im Namen der Ehre. Er gibt Interviews, hält Vorträge und unterstützt Initiativen, die sich für die Rechte von Frauen mit Migrationshintergrund einsetzen.
Sein Engagement ist ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung über Ehrenmorde und die damit verbundenen Probleme. Er möchte erreichen, dass die Gesellschaft sensibler für die Situation von jungen Frauen wird, die unter dem Druck ihrer Familien stehen und ein selbstbestimmtes Leben führen wollen. Can Sürücü ist ein Vorbild für viele Menschen, die sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzen. (Lesen Sie auch: Union Berlin Frauen: Warum stagniert der Erfolg?)
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Was sind die Ursachen von Ehrenmorden?
Ehrenmorde sind komplexe Phänomene, die auf einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren beruhen. Dazu gehören patriarchalische Strukturen, traditionelle Wertvorstellungen, religiöser Fundamentalismus und soziale Kontrolle. In vielen Gesellschaften, in denen Ehrenmorde vorkommen, haben Männer eine dominante Rolle und Frauen sind ihnen untergeordnet. Die Ehre der Familie wird oft an das Verhalten der Frauen geknüpft, insbesondere an ihre sexuelle Reinheit.
Wenn eine Frau gegen diese Normen verstößt, kann dies als Schande für die Familie angesehen werden. Um die Ehre wiederherzustellen, greifen einige Familien zu extremer Gewalt, bis hin zum Mord. Ehrenmorde sind jedoch keine religiös begründeten Taten, sondern Ausdruck von patriarchalischen Machtstrukturen und traditionellen Wertvorstellungen. Amnesty International setzt sich weltweit gegen diese Form der Gewalt ein.
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Die gesellschaftliche Debatte und ihre Folgen
Der Mord an Hatun Sürücü hat in Deutschland eine breite gesellschaftliche Debatte über Integration, Parallelgesellschaften und die Rolle der Frau ausgelöst. Viele Menschen forderten eine stärkere Auseinandersetzung mit den Ursachen von Ehrenmorden und eine bessere Unterstützung von jungen Frauen mit Migrationshintergrund. Die Politik reagierte mit verschiedenen Maßnahmen, wie z.B. der Einführung von Beratungsstellen und Schutzprogrammen für gefährdete Frauen.
Die Debatte hat jedoch auch zu einer Zunahme von Vorurteilen und Diskriminierung gegenüber Muslimen und Menschen mit Migrationshintergrund geführt. Einige Politiker und Medien instrumentalisierten den Fall, um Stimmung gegen Zuwanderer zu machen und eine restriktivere Einwanderungspolitik zu fordern. Es ist wichtig, zwischen der Verurteilung von Ehrenmorden und der Stigmatisierung ganzer Bevölkerungsgruppen zu unterscheiden. (Lesen Sie auch: Michael Preetz Skiunfall: Rippenbrüche und Lungenverletzung!)
Was können wir tun, um Ehrenmorde zu verhindern?
Die Verhinderung von Ehrenmorden erfordert ein umfassendes Maßnahmenpaket, das auf verschiedenen Ebenen ansetzt. Dazu gehören die Stärkung der Rechte von Frauen, die Förderung von Bildung und Aufklärung, die Bekämpfung von patriarchalischen Strukturen und traditionellen Wertvorstellungen sowie die konsequente Strafverfolgung von Tätern. Es ist wichtig, dass die Gesellschaft ein Klima schafft, in dem Gewalt gegen Frauen nicht toleriert wird und in dem junge Frauen die Möglichkeit haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Organisationen wie Terre des Femmes engagieren sich aktiv gegen Gewalt im Namen der Ehre und bieten Beratung und Unterstützung für gefährdete Frauen. Terre des Femmes setzt sich für die Rechte von Mädchen und Frauen ein, die von Zwangsheirat, Genitalverstümmelung oder anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt bedroht sind.
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Wenn Sie von Gewalt bedroht sind oder jemanden kennen, der Hilfe benötigt, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle oder die Polizei. Es gibt zahlreiche Organisationen, die Ihnen Unterstützung und Schutz bieten können.

Die Rolle der Justiz und der Medien
Die Justiz spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung und Verurteilung von Ehrenmorden. Es ist wichtig, dass die Täter mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden und dass die Gerichte die Hintergründe der Tat sorgfältig prüfen. Die Medien haben ebenfalls eine wichtige Verantwortung bei der Berichterstattung über Ehrenmorde. Sie sollten die Taten nicht sensationalisieren oder verharmlosen, sondern die Ursachen und Folgen kritisch beleuchten.
Eine verantwortungsvolle Berichterstattung kann dazu beitragen, das Bewusstsein für das Problem zu schärfen und Vorurteile abzubauen. Es ist wichtig, dass die Medien die Opfer von Ehrenmorden nicht zu Tätern machen, sondern ihre Geschichten respektvoll erzählen. (Lesen Sie auch: Meningokokken Baby: Was Eltern Jetzt über die…)
Häufig gestellte Fragen
Was genau versteht man unter einem Ehrenmord?
Ein Ehrenmord ist eine Tötung, die begangen wird, um die vermeintliche Ehre der Familie wiederherzustellen. Die Opfer sind meist Frauen, die gegen traditionelle Moralvorstellungen verstoßen haben. Die Täter sind in der Regel Familienangehörige, die sich durch das Verhalten des Opfers in ihrer Ehre verletzt fühlen.
Welche Rolle spielt die Integration bei der Verhinderung von Ehrenmorden?
Integration spielt eine wichtige Rolle, da sie dazu beitragen kann, traditionelle Wertvorstellungen und patriarchalische Strukturen aufzubrechen. Durch Bildung, Aufklärung und den Kontakt mit anderen Kulturen können Menschen ein offeneres und toleranteres Weltbild entwickeln. Eine gelungene Integration kann dazu beitragen, dass Gewalt im Namen der Ehre nicht mehr toleriert wird.
Wie können Betroffene von Gewalt im Namen der Ehre geschützt werden?
Betroffene können durch Beratungsstellen, Schutzprogramme und die Polizei geschützt werden. Es ist wichtig, dass gefährdete Frauen und Mädchen frühzeitig Hilfe erhalten und die Möglichkeit haben, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Behörden müssen konsequent gegen Täter vorgehen und sicherstellen, dass die Opfer vor weiteren Übergriffen geschützt sind.
In welchen Ländern kommen Ehrenmorde besonders häufig vor?
Ehrenmorde kommen in verschiedenen Ländern vor, insbesondere in Regionen mit patriarchalischen Strukturen und traditionellen Wertvorstellungen. Dazu gehören einige Länder im Nahen Osten, in Südasien und in Afrika. Auch in Europa gibt es Fälle von Ehrenmorden, vor allem in Familien mit Migrationshintergrund. (Lesen Sie auch: Bandenkriminalität Berlin: Polizei warnt vor neuer Gewalt)
Welche rechtlichen Konsequenzen haben Täter bei einem Ehrenmord in Deutschland?
Täter, die einen Ehrenmord begehen, werden in Deutschland wegen Mordes oder Totschlags angeklagt und mit einer Freiheitsstrafe von mehreren Jahren bis lebenslänglich bestraft. Die Gerichte berücksichtigen bei der Strafzumessung die besonderen Umstände der Tat, wie z.B. die Hintergründe und die Motive der Täter.
Fazit
Der Fall Hatun Sürücü ist ein trauriges Beispiel für die Gewalt, die im Namen der Ehre verübt wird. Ihr Sohn Can setzt sich unermüdlich dafür ein, dass die Erinnerung an Ehrenmord und das Schicksal seiner Mutter nicht in Vergessenheit geraten. Sein Engagement ist ein wichtiger Beitrag zur Aufklärung und Prävention von Gewalt gegen Frauen und ein Appell an die Gesellschaft, sich aktiv für eine offene und tolerante Zukunft einzusetzen. Nur durch eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen von Ehrenmorden kann es gelingen, diese grausamen Taten zu verhindern und die Rechte von Frauen zu schützen.






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