Der FIFA-Präsident Gianni Infantino hat nun auch einen libanesischen Pass erhalten. Diese Nachricht kommt überraschend, da der Schweizer bereits die Staatsbürgerschaft seines Geburtslandes besitzt. Der Schritt erfolgte inmitten von Kontroversen und wirft Fragen nach den Motiven des mächtigen Fussballfunktionärs auf, besonders im Hinblick auf das krisengebeutelte Land.

+
Infantino Libanesischer Pass: Ein Geschenk mit Beigeschmack?
Die Verleihung des libanesischen Passes an Gianni Infantino ist mehr als nur eine Formalität. Sie ist ein symbolischer Akt, der im Libanon unterschiedliche Reaktionen hervorruft. Während der libanesische Fussballverband vor Freude kaum an sich halten kann, sehen Kritiker – vor allem Frauenrechtsorganisationen – die Vergabe der Staatsbürgerschaft an den FIFA-Präsidenten kritisch. Sie argumentieren, dass es im Libanon viele Menschen gibt, die seit Generationen im Land leben, aber aufgrund diskriminierender Gesetze keinen Anspruch auf die Staatsbürgerschaft haben. Die Bevorzugung eines ohnehin schon privilegierten Funktionärs stösst hier auf Unverständnis.
Die wichtigsten Fakten
- Gianni Infantino, FIFA-Präsident, erhält libanesischen Pass.
- Der libanesische Fussballverband begrüsst die Entscheidung.
- Kritik kommt von libanesischen Frauenrechtsorganisationen wegen Ungleichbehandlung bei Staatsbürgerschaftsgesetzen.
- Infantino plant, dem Libanon ein neues Stadion zu schenken.
Was steckt hinter Infantinos Engagement im Libanon?
Infantinos Engagement im Libanon geht über die Verleihung der Staatsbürgerschaft hinaus. Der FIFA-Präsident hat angekündigt, dem Land ein neues Fussballstadion schenken zu wollen. Dies wird von vielen als Versuch gewertet, seine Popularität im Libanon zu steigern und gleichzeitig sein Image als Förderer des Fussballs in Krisenregionen zu festigen. Allerdings stellt sich die Frage, ob ein Stadion wirklich die dringendsten Probleme des Libanon lösen kann. Das Land leidet unter einer schweren Wirtschaftskrise, politischer Instabilität und einer grassierenden Korruption. Kritiker bemängeln, dass ein Stadion zwar ein schönes Geschenk sei, aber nicht die strukturellen Probleme des Landes angeht. Wie die Neue Zürcher Zeitung berichtet, ist die Vergabe der Staatsbürgerschaft und das geplante Stadionprojekt daher nicht unumstritten. (Lesen Sie auch: Ukraine Krieg Russland: Neue Friedensgespräche in Genf)
Warum erhält Infantino den libanesischen Pass?
Die offizielle Begründung für die Verleihung des libanesischen Passes an Infantino ist sein Engagement für den Fussball im Libanon. Der libanesische Fussballverband erhofft sich durch die Verbindung zum FIFA-Präsidenten eine Stärkung des Fussballs im Land. Es wird argumentiert, dass Infantino durch seine Position und sein Netzwerk in der Lage ist, dem Libanon zu mehr internationaler Aufmerksamkeit und finanzieller Unterstützung zu verhelfen. Ob diese Hoffnungen sich tatsächlich erfüllen, bleibt abzuwarten. Kritiker sehen in der Verleihung des Passes eher einen symbolischen Akt, der wenig konkrete Auswirkungen auf die Entwicklung des Fussballs im Libanon haben wird.
Der Libanon befindet sich seit Jahren in einer schweren Krise. Die Wirtschaft ist zusammengebrochen, die politische Lage ist instabil und die Korruption ist weit verbreitet. Viele Menschen im Libanon kämpfen ums Überleben und sehen wenig Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Kritik an der Staatsbürgerschaftsvergabe
Die Kritik an der Vergabe des libanesischen Passes an Infantino richtet sich vor allem gegen die Ungleichbehandlung bei der Staatsbürgerschaftsvergabe im Libanon. Nach libanesischem Recht können Frauen ihre Staatsbürgerschaft nicht an ihre Kinder weitergeben, wenn der Vater Ausländer ist. Dies führt dazu, dass viele Kinder von libanesischen Müttern und ausländischen Vätern staatenlos sind und keinen Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen grundlegenden Rechten haben. Frauenrechtsorganisationen fordern seit Jahren eine Reform des Staatsbürgerschaftsrechts, um diese Diskriminierung zu beenden. Die Vergabe der Staatsbürgerschaft an einen ausländischen Funktionär, während gleichzeitig vielen im Land geborenen Kindern die Staatsbürgerschaft verweigert wird, wird daher als Affront empfunden. Organisationen wie Human Rights Watch setzen sich für eine Gleichstellung der Geschlechter in Bezug auf die Staatsbürgerschaft ein. Human Rights Watch dokumentiert weltweit Fälle von Diskriminierung und setzt sich für Gesetzesänderungen ein. (Lesen Sie auch: Fico Slowakei: Droht Energieerpressung Ungarns)
Infantinos Rolle als FIFA-Präsident
Gianni Infantino ist seit 2016 Präsident der FIFA und steht seitdem immer wieder in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die FIFA nicht ausreichend zu reformieren und sich zu wenig für die Bekämpfung von Korruption im Fussball einzusetzen. Auch seine Nähe zu autoritären Regimen und seine umstrittenen Entscheidungen, wie die Vergabe der Fussball-Weltmeisterschaft 2022 an Katar, haben ihm viel Kritik eingebracht. Die Verleihung des libanesischen Passes und das geplante Stadionprojekt werfen daher auch ein Schlaglicht auf Infantinos Rolle als FIFA-Präsident und seine persönlichen Interessen.
Die FIFA ist der Dachverband von 211 Fussballverbänden weltweit. Sie organisiert unter anderem die Fussball-Weltmeisterschaft und andere internationale Turniere. Die FIFA hat ihren Sitz in Zürich und verfügt über ein Milliardenbudget.

Die Auswirkungen auf den libanesischen Fussball
Die Vergabe des libanesischen Passes an Gianni Infantino ist ein komplexes Thema, das viele Fragen aufwirft. Es zeigt, wie politische und wirtschaftliche Interessen mit dem Fussball verknüpft sind und wie umstrittene Entscheidungen die Gemüter erhitzen können. Ob Infantinos Engagement im Libanon tatsächlich zu einer positiven Entwicklung des Fussballs im Land beitragen wird, bleibt abzuwarten. Die FIFA selbst hat sich zu den Details der Staatsbürgerschaft bisher nicht geäussert. (Lesen Sie auch: Ukraine Krieg Verhandlungen: Gibt es Hoffnung in…)











