Elf Jahre lang jagten internationale Ermittler den meistgesuchten Rocker Deutschlands. Jetzt kehrte Erkan Akyol im Sarg an den Flughafen Köln/Bonn zurück – das bestätigten die Behörden am Mittwoch nach der Landung einer Frachtmaschine aus dem Iran. Die Fahnder beschlagnahmten den Leichnam des ehemaligen Kölner Hells-Angels-Bosses sofort noch auf dem Rollfeld, um die rätselhaften Todesumstände und seine Identität zweifelsfrei in der Rechtsmedizin zu klären.
| Steckbrief | Details |
|---|---|
| Name | Erkan Akyol (Erkan A.) |
| Bekannt als | Boss der Hells-Angels-Ortsgruppe „C-Town“ |
| Status | Verstorben im Iran (Todesursache wird untersucht) |
| Vorwürfe | Mordverdacht, internationaler Haftbefehl (Interpol) |
- 11 Jahre lang befand sich Erkan A. auf der Flucht vor der deutschen Justiz.
- Der 1983 geborene Rocker-Boss verstarb laut iranischen Akten vor rund 2 Wochen nach einem Arztbesuch.
- Die Obduktion und toxikologischen Tests in der Kölner Rechtsmedizin dauern voraussichtlich 14 bis 21 Tage.
Die Kriminalakte über den meistgesuchten Rocker Deutschlands
Die Geschichte von Erkan Akyol liest sich wie das Drehbuch eines Kriminalfilms. Als Präsident der Kölner Hells-Angels-Ortsgruppe „C-Town“ kontrollierte er jahrelang weite Teile des Rotlicht- und Türstehermilieus in Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2013 eskalierte ein Konflikt im Milieu, der in einem tödlichen Schusswechsel endete. Kurz nach der Tat tauchte Erkan A. unter.
Die Kriminalpolizei stufte ihn schnell als extrem gefährlich ein. Interpol suchte den meistgesuchten Rocker Deutschlands weltweit per „Red Notice“ – der höchsten Stufe des internationalen Haftbefehls. Seine Flucht führte ihn zunächst in die Türkei, wo er sich jahrelang dem Zugriff der deutschen Behörden entziehen konnte, da die Türkei eigene Staatsbürger in der Regel nicht ausliefert. Später verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt in den Iran, um noch sicherer vor einer Auslieferung zu sein.
Herzinfarkt oder Vergiftung im Iran?
Vor wenigen Wochen überschlugen sich die Ereignisse. Laut Berichten von t-online und anderen Medien verstarb Erkan A. nach einem Arztbesuch im Iran. Die offiziellen iranischen Sterbeurkunden, die der Leiche beigelegt wurden, bescheinigen ein multiples Organversagen infolge eines massiven Herzinfarkts.
In der Rockerszene kursieren jedoch völlig andere Versionen. Vertraute aus seinem engsten Umfeld streuen hartnäckig das Gerücht, dass der Tod für den meistgesuchten Rocker Deutschlands kein natürlicher war. Es wird von einer gezielten Vergiftung durch rivalisierende Banden oder verfeindete Hintermänner gesprochen. Als wir die verschiedenen Stellungnahmen und Berichte aus dem Milieu für unsere lokalen Nachrichten verglichen, fiel uns auf, wie extrem die Versionen der iranischen Behörden und der Kölner Unterwelt voneinander abweichen. Ein natürlicher Tod eines gesuchten Mordverdächtigen im Exil weckt bei Kriminalisten grundsätzlich Misstrauen.
Obduktion in Köln: Identität und Toxikologie
Um alle Spekulationen zu beenden, handelte die Kölner Staatsanwaltschaft sofort. Als die Frachtmaschine mit dem Sarg am Flughafen Köln/Bonn landete, standen die Ermittler bereits auf dem Rollfeld. Der Leichnam wurde formell beschlagnahmt und direkt in das Institut für Rechtsmedizin überführt. Die Ermittler müssen nun zwei zentrale Fragen klären, bevor die Akte geschlossen werden kann.
| Aspekt der Ermittlung | Offizielle Version (Iran) | Ermittlungsziel der Rechtsmedizin Köln |
|---|---|---|
| Identität | Durch iranische Papiere bestätigt | Zweifelsfreier DNA- und Zahnabgleich |
| Todesursache | Herzinfarkt nach Arztbesuch | Suche nach Einstichstellen und Gewalteinwirkung |
| Toxikologie | Keine toxikologische Untersuchung vermerkt | Screening auf Schwermetalle, Medikamente und Gifte |
Erstens: Liegt wirklich Erkan A. in dem Sarg? In der Vergangenheit gab es Fälle, in denen Kriminelle ihren eigenen Tod vortäuschten, um eine Fahndung zu beenden. Ein DNA-Abgleich mit gespeicherten Proben aus der Polizeidatenbank wird hier in wenigen Tagen Gewissheit bringen. Zweitens: Gibt es Spuren von Fremdeinwirkung? Ein umfassendes toxikologisches Gutachten soll klären, wer den meistgesuchten Rocker Deutschlands möglicherweise auf dem Gewissen haben könnte. Solche Laboranalysen auf seltene Gifte können bis zu drei Wochen in Anspruch nehmen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum suchte Interpol den meistgesuchten Rocker Deutschlands?
Erkan Akyol, ehemaliger Chef der Kölner Hells-Angels-Ortsgruppe „C-Town“, war seit 2013 auf der Flucht. Die deutschen Behörden suchten den meistgesuchten Rocker Deutschlands wegen dringendem Mordverdacht im Zusammenhang mit tödlichen Auseinandersetzungen im Rotlichtmilieu. Interpol hatte eine weltweite Fahndung (Red Notice) gegen ihn erlassen.
Welcher ist der größte Rockerclub in Deutschland?
In Deutschland werden zu den größten Gruppierungen in erster Linie der Hells Angels Motorcycle Club (HAMC), der Bandidos MC (BMC), der Outlaws MC (OMC) und der Gremium MC (GMC) sowie ihre jeweiligen Unterstützergruppierungen gezählt. Sie dominieren die Szene und stehen häufig im Fokus polizeilicher Ermittlungen.
Welche Rockerclubs haben Kuttenverbot?
Wer Kutten der Rockerclubs Bandidos, Hells Angels und MC Gremium trägt, macht sich in der Bundesrepublik strafbar. Das Bundesverfassungsgericht billigte das weitgefasste gesetzliche Kuttenverbot, um die öffentliche Präsenz und Einschüchterungswirkung dieser Gruppierungen im Straßenbild massiv einzuschränken.
Was passiert bei der Obduktion des Kölner Rockers?
Die Rechtsmedizin führt zunächst eine äußere Leichenschau auf Verletzungen durch. Danach folgt die innere Obduktion zur Bestimmung der Todesursache. Parallel wird ein DNA-Profil erstellt, um die Identität zweifelsfrei zu bestätigen. Blut- und Gewebeproben werden toxikologisch auf Gifte, Medikamente und Drogen untersucht.
Wer bezahlt die Überführung des Leichnams aus dem Iran?
Die Kosten für eine internationale Leichenüberführung, die schnell mehrere tausend Euro betragen kann, werden nicht vom deutschen Staat getragen. In der Regel kommen die Hinterbliebenen, die Familie oder in diesem Fall möglicherweise Mitglieder aus dem früheren Rocker-Umfeld für die Transport- und Überführungskosten auf.





