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Das Mopedauto, offiziell Leichtkraftfahrzeug (LKFZ) genannt, ist auch im Jahr 2026 ein vieldiskutiertes Thema auf den Straßen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es verspricht Mobilität ab 15 Jahren und geringe Unterhaltskosten, wirft aber gleichzeitig wichtige Fragen zur Sicherheit auf. Dieser umfassende Ratgeber beleuchtet alle Aspekte, die Sie kennen müssen, bevor Sie oder Ihre Kinder hinter dem Steuer eines solchen Fahrzeugs Platz nehmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Führerschein: Zum Fahren eines Mopedautos wird die Führerscheinklasse AM benötigt.
- Mindestalter: In Deutschland und Österreich kann der AM-Führerschein bereits mit 15 Jahren erworben werden.
- Geschwindigkeit: Die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit ist auf 45 km/h begrenzt.
- Zulassung: In Deutschland sind Mopedautos zulassungs- und steuerfrei, ein Versicherungskennzeichen genügt.
- Kosten: Die Anschaffungspreise sind mit 8.000 bis über 20.000 Euro hoch, der Unterhalt ist jedoch günstig.
- Sicherheit: Experten wie der ADAC warnen vor erheblichen Sicherheitsmängeln im Vergleich zu herkömmlichen Pkw.
- Modelle: Bekannte Hersteller sind Aixam, Ligier und Microcar, aber auch etablierte Marken wie Opel, Citroën und Fiat bieten Modelle an.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Mopedauto genau?
- Führerschein und Alter: Die Regelungen im DACH-Raum
- Welche Kosten verursacht ein Mopedauto?
- Sicherheit von Leichtkraftfahrzeugen: Ein großes Risiko?
- Beliebte Mopedauto-Modelle 2026: Verbrenner vs. Elektro
- Wo darf man mit einem Mopedauto fahren?
- Fazit: Ist das Mopedauto eine sinnvolle Alternative?
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Mopedauto
Was ist ein Mopedauto genau?
Ein Mopedauto ist per Definition ein vierrädriges Leichtkraftfahrzeug der EU-Fahrzeugklasse L6e. Es stellt eine Mischung aus einem Motorroller und einem kleinen Pkw dar. Die wesentlichen Merkmale sind streng reguliert: Die maximale Leistung ist auf 6 kW (ca. 8 PS) begrenzt, das Leergewicht darf 425 Kilogramm nicht überschreiten und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 45 km/h gedrosselt. Deshalb sind sie besonders bei Jugendlichen beliebt, die eine wettergeschützte Alternative zum Zweirad suchen. Aber auch für Senioren oder Personen, die eine einfache Mobilitätslösung für die Stadt benötigen, kann ein Mopedauto interessant sein. Aufgrund der geringen Größe sind Parkplatzsorgen, wie sie unser Artikel zum Thema Homeoffice-Einrichtung vielleicht nicht kennt, hier selten ein Problem.
Führerschein und Alter: Die Regelungen im DACH-Raum
Die Voraussetzungen, um ein Mopedauto legal im Straßenverkehr zu bewegen, unterscheiden sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Allen gemein ist die Notwendigkeit einer Fahrerlaubnis, jedoch variieren die Details bei Alter und Führerscheinklasse. Deshalb ist es wichtig, die landesspezifischen Vorschriften genau zu kennen.
Regelungen für das Mopedauto in Deutschland
In Deutschland ist die Lage seit einer Gesetzesänderung bundesweit einheitlich: Jugendliche dürfen bereits ab 15 Jahren ein Mopedauto fahren. Voraussetzung hierfür ist der erfolgreiche Erwerb des Führerscheins der Klasse AM. Ein großer Vorteil in Deutschland ist, dass für diese Fahrzeuge keine Kfz-Steuer anfällt und sie nicht zur regelmäßigen Hauptuntersuchung (TÜV) müssen. Es wird lediglich ein Versicherungskennzeichen benötigt, ähnlich wie bei einem Mofa oder Roller.
Vorschriften in Österreich
Auch in Österreich liegt das Mindestalter für das Führen eines Mopedautos bei 15 Jahren, ebenfalls mit dem Führerschein der Klasse AM. Ein wesentlicher Unterschied zu Deutschland besteht jedoch darin, dass Mopedautos in Österreich der regelmäßigen §57a-Begutachtung („Pickerl“) unterliegen können, was eine technische Überprüfung vorschreibt. Sie sind von der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit, benötigen aber ein rotes Moped-Kennzeichen mit einem „45“-Aufkleber.
Gesetzeslage in der Schweiz
Die Schweiz hat die komplexesten Regelungen. Hier wird in der Regel die Führerausweiskategorie F (für Motorfahrzeuge bis 45 km/h) benötigt. Alternativ kann auch die Kategorie A1 (ab 15 Jahren für 50ccm/4kW oder ab 16 Jahren für 125ccm) ausreichen. Die genauen Bestimmungen wurden in den letzten Jahren angepasst, um eine Annäherung an EU-Standards zu erreichen, was für Verwirrung sorgen kann. Eine genaue Abklärung bei den kantonalen Behörden ist daher unerlässlich.
Welche Kosten verursacht ein Mopedauto?
Obwohl ein Mopedauto im Unterhalt günstig ist, sind die Anschaffungskosten nicht zu unterschätzen. Die Preise für Neufahrzeuge beginnen bei etwa 8.000 Euro für einfache Modelle und können für gut ausgestattete Varianten schnell über 20.000 Euro steigen. Damit liegen sie auf dem Niveau von vollwertigen Kleinwagen. Die laufenden Kosten sind hingegen ein klarer Pluspunkt.
Die Versicherung ist der größte laufende Posten. Eine Haftpflichtversicherung, die gesetzlich vorgeschrieben ist, kostet je nach Anbieter und Alter des Fahrers ab etwa 60 Euro pro Jahr. Eine Teilkaskoversicherung ist ebenfalls empfehlenswert und deckt Schäden wie Diebstahl oder Hagel ab. Da keine Kfz-Steuer anfällt und der Verbrauch bei Verbrennermodellen oft nur bei rund 3 Litern pro 100 km liegt, bleiben die Betriebskosten überschaubar. Bei Elektromodellen sind die „Tankkosten“ sogar noch geringer. Eine mögliche Mehrwertsteuer-Erhöhung könnte die Anschaffungskosten zukünftig jedoch weiter beeinflussen.
Sicherheit von Leichtkraftfahrzeugen: Ein großes Risiko?
Der wohl kritischste Punkt beim Thema Mopedauto ist die Sicherheit. Experten und Automobilclubs wie der ADAC und ÖAMTC warnen seit Jahren vor den geringen Sicherheitsstandards dieser Fahrzeugklasse. Im Gegensatz zu Pkw müssen Leichtkraftfahrzeuge keine gesetzlich vorgeschriebenen Crashtests absolvieren. Sicherheitsausstattungen wie Airbags, ABS oder ESP sind oft nicht serienmäßig oder gar nicht erst verfügbar.
Crashtests, die von unabhängigen Organisationen durchgeführt wurden, zeigten teils erschreckende Ergebnisse mit einem hohen Verletzungsrisiko für die Insassen, selbst bei geringen Geschwindigkeiten. Die leichte Bauweise und die fehlenden Knautschzonen bieten bei einem Unfall mit einem normalen Auto kaum Schutz. Zusätzlich stellt die geringe Geschwindigkeit von 45 km/h auf Landstraßen eine Gefahr dar, da andere Verkehrsteilnehmer die Geschwindigkeit oft falsch einschätzen und es zu gefährlichen Überholmanövern kommen kann.
Beliebte Mopedauto-Modelle 2026: Verbrenner vs. Elektro
Der Markt für das Mopedauto wird zunehmend vielfältiger. Neben den etablierten Spezialisten wie Aixam, Ligier und Microcar haben auch große Automobilhersteller das Segment für sich entdeckt. Vor allem elektrische Modelle gewinnen an Popularität.
Video-Empfehlung: Um einen visuellen Eindruck von den Sicherheitsrisiken zu bekommen, empfehlen wir das YouTube-Video „MICROCARS – The underestimated danger on our roads?! | auto mobil“ vom VOX Automagazin. Es zeigt eindrücklich die Ergebnisse eines Crashtests.
Elektrische Mopedautos im Trend
Modelle wie der Opel Rocks Electric (baugleich mit Citroën Ami und Fiat Topolino) sind besonders bei jungen Leuten beliebt. Sie sind leise, emissionsfrei und können einfach an einer Haushaltssteckdose geladen werden. Die Reichweiten liegen je nach Modell und Akku zwischen 75 und über 100 Kilometern, was für den urbanen Raum meist ausreicht.
Klassische Verbrenner
Diesel- oder Benzinmotoren sind weiterhin verfügbar und punkten mit einer größeren Reichweite und schnellerer „Betankung“. Hersteller wie Aixam und Ligier bieten eine breite Palette an Modellen, die oft einem Kleinwagen ähneln und über Ausstattungsmerkmale wie Klimaanlage oder Multimediasysteme verfügen.
| Merkmal | Elektrische Modelle (z.B. Opel Rocks) | Verbrenner-Modelle (z.B. Aixam City) |
|---|---|---|
| Antrieb | Elektromotor (6 kW) | Diesel-/Benzinmotor (ca. 6 kW) |
| Reichweite | ca. 75 – 110 km | Über 300 km |
| Laden/Tanken | Haushaltssteckdose (mehrere Stunden) | Tankstelle (wenige Minuten) |
| Unterhaltskosten | Sehr gering (Strom, wenig Wartung) | Gering (Versicherung, geringer Verbrauch) |
| Anschaffungspreis | Ab ca. 8.300 Euro | Ab ca. 11.000 Euro |
| Umwelt | Lokal emissionsfrei | Geringe CO2-Emissionen |
Wo darf man mit einem Mopedauto fahren?
Ein Mopedauto darf grundsätzlich auf allen Straßen gefahren werden, auf denen auch normale Pkw erlaubt sind. Es gibt jedoch eine entscheidende Ausnahme: Autobahnen und Kraftfahrstraßen (Schnellstraßen) sind tabu. Der Grund dafür ist die bauartbedingte Mindestgeschwindigkeit auf diesen Straßen, die in der Regel über 60 km/h liegt. Ein Mopedauto mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h würde hier ein gefährliches Verkehrshindernis darstellen.
Fazit: Ist das Mopedauto eine sinnvolle Alternative?
Das Mopedauto bleibt im Jahr 2026 ein Kompromiss. Es bietet unbestreitbare Vorteile in Form von früher Mobilität für Jugendliche und geringen Unterhaltskosten. Insbesondere in ländlichen Gebieten ohne gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr kann es die Unabhängigkeit deutlich erhöhen. Allerdings dürfen die erheblichen Sicherheitsdefizite nicht ignoriert werden. Die hohen Anschaffungskosten stehen zudem in einem schwierigen Verhältnis zur gebotenen Leistung und Sicherheit. Eltern sollten sich dieser Risiken bewusst sein und eine Kaufentscheidung sehr sorgfältig abwägen. Eine umfassende Einweisung und ein Fahrsicherheitstraining sind für junge Fahrer unerlässlich.
Über den Autor:
Jonas Wagner ist seit über 10 Jahren als Fachredakteur für Mobilität und Verkehr bei RathausNachrichten.de tätig. Er ist spezialisiert auf Fahrzeugsicherheit und neue Mobilitätskonzepte und hat zahlreiche Artikel zu den Themen Führerscheinrecht und Verkehrssicherheit veröffentlicht. Seine Analysen basieren auf aktuellen Daten von Prüforganisationen wie dem ADAC und offiziellen Veröffentlichungen von Behörden wie dem österreichischen Regierungsportal.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Mopedauto
Ab wie viel Jahren darf man ein Mopedauto fahren?
In Deutschland und Österreich darf man ein Mopedauto bereits ab 15 Jahren fahren, vorausgesetzt man besitzt den Führerschein der Klasse AM. In der Schweiz liegt das Mindestalter je nach Fahrzeug und Führerausweiskategorie bei 15 oder 16 Jahren.
Braucht ein Mopedauto TÜV?
Nein, in Deutschland benötigt ein Mopedauto keine regelmäßige Hauptuntersuchung (TÜV) und ist von der Kfz-Steuer befreit. In Österreich ist hingegen eine regelmäßige technische Überprüfung („Pickerl“) für das Mopedauto vorgeschrieben.
Wie viel kostet ein Mopedauto im Jahr?
Die jährlichen Kosten sind gering. Die Haftpflichtversicherung beginnt bei ca. 60 Euro. Hinzu kommen die Kosten für Kraftstoff oder Strom. Bei einem Diesel mit 3l/100km und 10.000 km/Jahr wären das bei einem Preis von 1,70€/l etwa 510 Euro. Die Gesamtkosten ohne Wertverlust liegen also oft unter 600 Euro pro Jahr.
Darf man ein Mopedauto tunen?
Nein, das illegale Tuning eines Mopedautos, um es schneller als 45 km/h zu machen, ist verboten. Dadurch erlischt die Betriebserlaubnis und der Versicherungsschutz. Man macht sich zudem des Fahrens ohne gültige Fahrerlaubnis strafbar, wenn man nicht den passenden Führerschein für ein schnelleres Fahrzeug besitzt.
Sind Mopedautos wirklich so unsicher?
Ja, im Vergleich zu einem normalen Pkw ist das Sicherheitsniveau deutlich geringer. Tests von Automobilclubs wie dem ADAC haben wiederholt gezeigt, dass die Insassen bei Unfällen einem sehr hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt sind. Es fehlen wichtige Sicherheitselemente wie eine stabile Fahrgastzelle, Airbags und Assistenzsysteme.





