„Wie wunderbar, eine richtige Nase!“, seufzt Meister Geppetto in Carlo Collodis unsterblicher Geschichte. Doch was geschah mit den zahlreichen Verfilmungen des hölzernen Bengels, der zum Leben erwachte? Der Pinocchio Film hat viele Gesichter, doch einige Adaptionen geraten in Vergessenheit, obwohl sie einst ein Millionenpublikum begeisterten.

| Titel | Pinocchio |
| Originaltitel | Le avventure di Pinocchio |
| Regie | Luigi Comencini |
| Drehbuch | Luigi Comencini, Suso Cecchi D’Amico |
| Besetzung | Andrea Balestri, Nino Manfredi, Gina Lollobrigida |
| Genre | Fantasy, Abenteuer, Kinderfilm |
| Laufzeit | 135 Minuten |
| Kinostart/Streaming-Start | 1972 |
| FSK | ohne Altersbeschränkung |
| Produktion | Italien, Frankreich, Deutschland |
Unser Eindruck: Eine liebevolle und detailreiche Verfilmung des Klassikers, die besonders durch ihre Starbesetzung und die malerischen Drehorte besticht.
Die vergessene Pinocchio-Verfilmung von 1972
Es gab eine Zeit, da war Luigi Comencinis „Pinocchio“-Verfilmung von 1972 in aller Munde. Mit einer Starbesetzung, darunter Nino Manfredi als Geppetto und Gina Lollobrigida als Fee, lockte dieser Pinocchio Film über eine Million Zuschauer in die deutschen Kinos. Doch während andere Adaptionen, wie der Disney-Klassiker oder Roberto Benignis Version, bis heute präsent sind, ist Comencinis Werk in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit geraten. Wie Filmstarts.de berichtet, ist dies ein überraschendes Schicksal für einen Film, der einst so erfolgreich war.
Dabei hatte Comencini alles richtig gemacht. Er inszenierte die Geschichte mit viel Liebe zum Detail, orientierte sich eng an Carlo Collodis Originalvorlage und besetzte die Rollen mit einigen der größten Stars des italienischen Kinos. Die Drehorte in Italien und Frankreich trugen zusätzlich zur märchenhaften Atmosphäre bei. Warum also die relative Unbekanntheit heute?
Was unterscheidet Comencinis Pinocchio-Film von anderen Adaptionen?
Im Gegensatz zu vielen anderen Pinocchio Film-Adaptionen, die sich stark auf den fantastischen Aspekt der Geschichte konzentrieren, legte Comencini Wert auf eine realistische Darstellung des italienischen Landlebens im 19. Jahrhundert. Geppettos Armut, die Not der einfachen Bevölkerung und die sozialen Ungerechtigkeiten werden in diesem Film deutlich thematisiert. Dies verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene und macht sie auch für ein erwachsenes Publikum interessant. (Lesen Sie auch: Disney Survival Film: Wahre Abenteuer in Atemberaubender…)
Ein weiterer Unterschied liegt in der Darstellung Pinocchios selbst. Andrea Balestri, der den hölzernen Jungen verkörperte, spielte ihn weniger als naive Marionette, sondern eher als rebellischen und eigensinnigen Jungen, der erst durch seine Erfahrungen lernt, was es bedeutet, ein guter Mensch zu sein. Diese Interpretation mag nicht jedermanns Geschmack treffen, verleiht der Figur aber eine gewisse Tiefe.
Serien-Fakten
- Die Miniserie wurde ursprünglich im italienischen Fernsehen ausgestrahlt und später zu einem Kinofilm zusammengeschnitten.
- Nino Manfredi erhielt für seine Darstellung des Geppetto viel Lob von Kritikern.
- Die Filmmusik stammt von Fiorenzo Carpi, der auch für Fellinis „La Strada“ komponierte.
- Die Dreharbeiten fanden an Originalschauplätzen in der Toskana und in Umbrien statt.
Die filmische Gestaltung: Kamera, Schnitt und Musik
Comencinis „Pinocchio“ besticht durch seine sorgfältige filmische Gestaltung. Die Kamera fängt die Schönheit der italienischen Landschaft ein und vermittelt gleichzeitig die Armut und Härte des Lebens. Der Schnitt ist ruhig und unaufgeregt, was dem Film eine gewisse epische Breite verleiht. Besonders hervorzuheben ist die Musik von Fiorenzo Carpi, die die Handlung auf subtile Weise unterstützt und die emotionalen Momente verstärkt. Carpi, der zuvor bereits mit Federico Fellini zusammengearbeitet hatte, schuf einen unvergesslichen Soundtrack, der bis heute begeistert.
Die Kostüme und das Bühnenbild sind ebenfalls sehr gelungen und tragen zur Authentizität des Films bei. Man spürt, dass hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde, um eine glaubwürdige Welt zu erschaffen. Im Vergleich zu den oft sehr bunten und überzeichneten Darstellungen in anderen Pinocchio Filmen wirkt Comencinis Version geradezu realistisch.
Gina Lollobrigida, die die Fee verkörperte, war zu diesem Zeitpunkt bereits ein internationaler Star. Ihre Mitwirkung trug maßgeblich zum Erfolg des Films bei.
Warum geriet dieser Pinocchio Film in Vergessenheit?
Die Gründe für das Vergessen von Comencinis „Pinocchio“ sind vielfältig. Zum einen mag es daran liegen, dass der Film lange Zeit nicht auf DVD oder Blu-ray erhältlich war. Erst in den letzten Jahren wurde er wiederentdeckt und neu aufgelegt. Zum anderen konkurriert er mit zahlreichen anderen Adaptionen, darunter der Zeichentrickklassiker von Disney, der bis heute unangefochten an der Spitze steht. Und nicht zuletzt mag es auch daran liegen, dass Comencinis Version etwas weniger auf Spektakel und Effekte setzt als andere Pinocchio Filme. (Lesen Sie auch: Delta Force Film: Chuck Norris‘ Action-Kracher Heute…)
Trotzdem ist es schade, dass dieser Film so lange in Vergessenheit geraten ist. Er ist eine liebevolle und detailreiche Verfilmung des Klassikers, die auch heute noch sehenswert ist. Wer sich für die italienische Filmgeschichte interessiert oder einfach nur eine etwas andere Interpretation der Pinocchio-Geschichte erleben möchte, sollte sich Comencinis Werk unbedingt ansehen. Informationen zur Restaurierung und Wiederaufführung des Films finden sich beispielsweise auf der Seite der Cinecittà Studios, die sich um die Bewahrung des italienischen Filmerbes bemühen.
Für wen lohnt sich Pinocchio (1972)?
Comencinis „Pinocchio“ lohnt sich für alle, die eine anspruchsvolle und detailreiche Verfilmung des Klassikers suchen. Wer den Disney-Film oder Benignis Version zu bunt und oberflächlich findet, wird hier eine willkommene Alternative finden. Der Film ist besonders für Liebhaber des italienischen Kinos und für Eltern geeignet, die ihren Kindern eine etwas andere Interpretation der Pinocchio-Geschichte zeigen möchten. Wer Filme wie „Cinema Paradiso“ oder „Das Leben ist schön“ mag, wird auch an Comencinis „Pinocchio“ seine Freude haben.
Es ist eine Erinnerung daran, dass es neben den großen Blockbustern und den allgegenwärtigen Streaming-Angeboten auch immer wieder kleine, feine Filmperlen gibt, die es zu entdecken gilt. Und Luigi Comencinis „Pinocchio“ gehört zweifellos dazu. Die ARD bietet beispielsweise in ihrem Online-Angebot immer wieder Klassiker des europäischen Films zum Streamen an.

Häufig gestellte Fragen
Welche bekannten Schauspieler spielten in dem Pinocchio Film von 1972 mit?
Die Verfilmung von 1972 wartet mit einer beeindruckenden Besetzung auf. Nino Manfredi verkörperte den Geppetto, Gina Lollobrigida spielte die Fee und Franco Franchi sowie Ciccio Ingrassia traten als Katze und Fuchs auf.
Was macht die Pinocchio-Verfilmung von Luigi Comencini besonders?
Comencinis Version zeichnet sich durch ihre realistische Darstellung des italienischen Landlebens im 19. Jahrhundert aus. Die Armut und sozialen Ungerechtigkeiten werden thematisiert, was dem Film eine zusätzliche Tiefe verleiht.
Wo wurde der Pinocchio Film von 1972 gedreht?
Die Dreharbeiten fanden an Originalschauplätzen in der Toskana und in Umbrien statt. Diese authentischen Drehorte tragen maßgeblich zur märchenhaften Atmosphäre des Films bei.
Wer komponierte die Musik für den Pinocchio Film von 1972?
Die Filmmusik stammt von Fiorenzo Carpi, der auch für Federico Fellinis „La Strada“ komponierte. Sein Soundtrack unterstützt die Handlung auf subtile Weise und verstärkt die emotionalen Momente.
Warum ist der Pinocchio Film von 1972 heute weniger bekannt?
Ein Grund ist, dass der Film lange Zeit nicht auf DVD oder Blu-ray erhältlich war. Zudem konkurriert er mit anderen, bekannteren Adaptionen, wie dem Disney-Zeichentrickfilm. (Lesen Sie auch: Michael J Fox Unzufrieden: Welcher 80er-Jahre-Hit Ihn…)
Luigi Comencinis „Pinocchio“ ist ein Beweis dafür, dass ein Pinocchio Film mehr sein kann als nur ein Märchen für Kinder. Es ist ein Stück italienische Filmgeschichte, das es verdient, wiederentdeckt zu werden.










