Rossmann Online-Apotheke: Nach dm kündigt nun auch die Drogeriekette Rossmann den Einstieg in das Online-Apothekengeschäft an. Das Projekt sei das „zentrale Vorhaben für 2026″, bestätigte Geschäftsführer Raoul Roßmann gegenüber der Lebensmittel Zeitung. Der Versand soll aus den Niederlanden erfolgen – die Rossmann-App mit 11 Millionen Nutzern wird zur zentralen Plattform.
Rossmann Online-Apotheke – Kurzfassung:
Rossmann bereitet den Aufbau einer eigenen Online-Apotheke für rezeptfreie Medikamente vor. Der Versand soll aus den Niederlanden erfolgen, wo bereits die Gesellschaft „Rossmann-Apotheke“ in Emmen gegründet wurde. Ein konkreter Starttermin steht noch nicht fest.
📋 Das Wichtigste in Kürze
• Ankündigung: Rossmann plant eigene Online-Apotheke für rezeptfreie Medikamente
• Zeitplan: „Zentrales Projekt für 2026″ – kein konkretes Startdatum genannt
• Standort: Versand aus den Niederlanden (Gesellschaft in Emmen gegründet)
• Sortiment: Rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel (ähnlich dm-med)
• Plattform: Rossmann-App mit 11 Millionen Nutzern wird zentrale Rolle spielen
• Hintergrund: dm startete im Dezember 2025 mit dm-med als Vorreiter
• Kritik: Apothekerverband warnt vor „Verwischung der Grenzen“
Rossmann bestätigt Online-Apotheke: „Sie wird kommen“
Die Drogeriekette Rossmann bereitet den Aufbau einer eigenen Online-Apotheke vor. „Wir beschäftigen uns so intensiv damit, dass ich Ihnen sagen kann: Die Online-Apotheke wird kommen“, kündigte Raoul Roßmann, Sprecher der Geschäftsführung, im Gespräch mit der Lebensmittel Zeitung an. Das Unternehmen aus Burgwedel bei Hannover bestätigte die Pläne auf Nachfrage.

Einen konkreten Starttermin nannte Roßmann nicht. Es handle sich jedoch um das „bestimmende Projekt“ für das Jahr 2026. Derzeit liege der Fokus auf dem Aufbau der notwendigen IT-Strukturen, „damit das Erlebnis aus Kundensicht so nahtlos wie möglich am Rossmann-Einkauf“ sei.
Versand aus den Niederlanden geplant
Anders als Wettbewerber dm, der seine Online-Apotheke dm-med aus Tschechien betreibt, setzt Rossmann auf einen Standort in den Niederlanden. In Emmen wurde bereits die neue Gesellschaft „Rossmann-Apotheke“ gegründet. Dieses grenzüberschreitende Modell ist im europäischen Online-Apothekengeschäft etabliert und wird auch von Marktführern wie Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) und DocMorris genutzt.
Der niederländische Standort bietet regulatorische Vorteile: Die Genehmigungsverfahren gelten als schneller, die Vorschriften als weniger komplex als in Deutschland. Rossmanns Mitgesellschafter AS Watson ist über seine Beteiligung an der niederländischen Kette Kruidvat bereits im Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten aktiv. Roßmann stellte jedoch klar, dass es sich um ein eigenständiges Rossmann-Projekt handle.
Rossmann-App als zentrale Plattform
Die bestehende Rossmann-App soll zur zentralen Plattform für den neuen Service werden. Mit rund 11 Millionen registrierten Nutzern verfügt Rossmann über eine starke Ausgangsbasis für das Online-Apothekengeschäft. Neben zusätzlichen Umsätzen erhofft sich das Unternehmen vor allem eine Stärkung des App-Angebots und eine tiefere Kundenbindung.
| Rossmann Online-Apotheke | Details |
|---|---|
| Ankündigung | 22. Januar 2026 |
| Starttermin | Noch offen (2026 geplant) |
| Standort | Niederlande (Emmen) |
| Sortiment | Rezeptfreie, apothekenpflichtige Arzneimittel |
| Plattform | Rossmann-App (11 Mio. Nutzer) |
| Vorbild | dm-med (seit Dezember 2025) |
dm als Vorbild: „Danke für die Inspiration“
Der Schritt wird als direkte Reaktion auf Konkurrent dm gewertet, der am 16. Dezember 2025 seine Online-Apotheke dm-med gestartet hatte. Raoul Roßmann kommentierte dies mit einem Augenzwinkern: Er danke dm „für die Inspiration“. Die Karlsruher Drogeriekette hatte mit dm-med nach anderthalb Jahren Vorbereitung den Anfang gemacht und bietet seitdem rund 2.500 rezeptfreie Arzneimittel sowie etwa 1.000 Dermokosmetik-Produkte an.
„dm hat die Erwartungshaltung erhöht. Rossmann kann sich diesem Trend kaum entziehen, wenn man relevant bleiben will“, analysiert Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Heilbronn. Er rechnet damit, dass auch Lebensmitteleinzelhändler wie Lidl und möglicherweise Amazon noch in den Markt einsteigen könnten.

dm-med im Vergleich: Was der Wettbewerber bietet
Die dm-Versandapotheke dm-med ist seit dem 16. Dezember 2025 online und gibt einen Vorgeschmack darauf, was auch bei Rossmann zu erwarten sein dürfte. Das Sortiment umfasst bekannte Marken wie Aspirin, Voltaren, Ibuprofen, Grippostad und GeloMyrtol sowie apothekenexklusive Dermokosmetik-Marken wie Bioderma, Cetaphil und Eubos.
| Merkmal | dm-med | Rossmann (geplant) |
|---|---|---|
| Start | 16. Dezember 2025 | 2026 (Termin offen) |
| Standort | Tschechien (Bor) | Niederlande (Emmen) |
| OTC-Sortiment | ~2.500 Produkte | Ähnlich erwartet |
| Kosmetik | ~1.000 Produkte | Noch nicht bekannt |
| App-Nutzer | Millionen (dm-App) | 11 Mio. (Rossmann-App) |
| Versandkosten | 4,95 € pro Paket | Noch nicht bekannt |
Boomender Markt für Online-Apotheken
Der Einstieg der großen Drogerieketten erfolgt in einem stark wachsenden Markt. Laut dem Verband der europäischen Online-Apotheken stieg der Umsatz der Branche in Deutschland 2024 um 16 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Bei rezeptfreien Medikamenten beträgt der Marktanteil der Online-Apotheken bereits rund ein Viertel.
Marktführer Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) erzielte 2025 einen Konzernumsatz von 2,9 Milliarden Euro – ein Plus von 24 Prozent. Der Umsatz mit verschreibungspflichtigen Medikamenten in Deutschland hat sich dank des E-Rezepts nahezu verdoppelt. Konkurrent DocMorris kam auf einen Außenumsatz von 1,28 Milliarden Euro (+9,3 Prozent).
📊 Der Online-Apothekenmarkt in Zahlen:
• Marktvolumen Deutschland 2024: 4,2 Mrd. € (+16 % zum Vorjahr)
• Online-Anteil bei OTC: ca. 25 %
• Redcare Pharmacy 2025: 2,9 Mrd. € Umsatz
• DocMorris 2025: 1,28 Mrd. € Außenumsatz
Kritik vom Apothekerverband
Der Deutsche Apothekerverband sieht die Expansion der Drogerieketten in das Apothekengeschäft kritisch. Verbandsvorsitzender Hans-Peter Hubmann warnt vor „verschwimmenden Grenzen zwischen Drogerie und Apotheke“. Hochwirksame Arzneimittel dürften nur fachgerecht durch Apotheken abgegeben werden und nicht „marketinggesteuert rausgehauen“ werden.
Die Apothekerschaft befürchtet Umsatzeinbußen und eine Verschlechterung der individuellen Beratung. Während die Zahl der stationären Apotheken in Deutschland seit Jahren zurückgeht – Ende 2025 waren es nur noch 16.601 Betriebe, der niedrigste Stand seit knapp 50 Jahren – wächst der Online-Handel mit Medikamenten kräftig.
Rossmann: Die Drogeriekette im Überblick

Die Dirk Rossmann GmbH ist nach dm die zweitgrößte Drogeriemarktkette in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Rekordumsatz von 16,6 Milliarden Euro (+8,5 Prozent). In Deutschland erwirtschafteten 2.342 Filialen mit 41.300 Mitarbeitern einen Umsatz von 10,5 Milliarden Euro. Die Geschichte des Unternehmens begann 1972, als Firmengründer Dirk Roßmann den ersten Drogeriemarkt mit Selbstbedienung in Hannover eröffnete.
| Rossmann 2025 | Kennzahl |
|---|---|
| Konzernumsatz | 16,6 Mrd. € (+8,5 %) |
| Umsatz Deutschland | 10,5 Mrd. € (+6,1 %) |
| Filialen Europa | 5.209 |
| Filialen Deutschland | 2.342 |
| Mitarbeiter Europa | 67.700 |
| Mitarbeiter Deutschland | 41.300 |
| Länder | 10 (inkl. Online Dänemark) |
Auswirkungen auf den Markt
Der Markteintritt der großen Drogerieketten dürfte den Online-Markt für rezeptfreie Medikamente erheblich verändern. Die etablierten Versandapotheken wie Redcare Pharmacy und DocMorris geraten unter zusätzlichen Druck. Als die Pläne von dm, Rossmann und Lidl im Oktober 2025 bekannt wurden, reagierten die Börsenkurse der Online-Apotheken mit deutlichen Verlusten.
Experten sehen jedoch auch Chancen für klassische Apotheken: Diese könnten sich durch persönliche Beratung und Fachkompetenz als „Risikofilter“ positionieren – ein Service, den Online-Anbieter nicht in gleicher Qualität liefern können.
Häufige Fragen zur Rossmann Online-Apotheke
Fazit: Drogeriekrieg um den Apothekenmarkt
Mit der Ankündigung von Rossmann, eine eigene Online-Apotheke zu starten, verschärft sich der Wettbewerb im deutschen Gesundheitsmarkt weiter. Nach dm-med wird 2026 voraussichtlich die zweite große Drogeriekette in das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten einsteigen. Für Verbraucher könnte das mehr Auswahl und günstigere Preise bedeuten – für traditionelle Apotheken und etablierte Online-Versender wird der Konkurrenzdruck weiter steigen.
Über diesen Artikel
Dieser Artikel basiert auf Berichten der Lebensmittel Zeitung, der Börsen-Zeitung und offiziellen Unternehmensangaben. Letzte Aktualisierung: 23. Januar 2026.






