Eine SLAPP-Klage ist eine strategische Klage gegen öffentliche Beteiligung, die darauf abzielt, Kritiker zum Schweigen zu bringen, indem sie mit teuren und langwierigen Gerichtsverfahren überzogen werden. Obwohl diese Klagen oft wenig Aussicht auf Erfolg haben, können sie eine abschreckende Wirkung entfalten und Einzelpersonen oder Organisationen davon abhalten, sich weiterhin kritisch zu äußern. Slapp Klage steht dabei im Mittelpunkt.

+
Zusammenfassung
- SLAPP-Klagen zielen darauf ab, Kritiker durch teure Gerichtsverfahren einzuschüchtern.
- Oft haben SLAPP-Klagen geringe Erfolgsaussichten, aber eine abschreckende Wirkung.
- Betroffene sind häufig NGOs, Journalisten oder Aktivisten.
- Gesetze gegen SLAPP-Klagen sollen die Meinungsfreiheit schützen.
SLAPP-Klage als Taktik zur Einschüchterung
SLAPP-Klagen (Strategic Lawsuit Against Public Participation) sind ein zunehmendes Problem für Organisationen und Einzelpersonen, die sich öffentlich zu Themen von öffentlichem Interesse äußern. Diese Klagen werden oft von mächtigen Unternehmen oder Einzelpersonen eingesetzt, um Kritiker mundtot zu machen und Debatten zu unterdrücken. Wie SRF berichtet, sind insbesondere NGOs, Journalisten und Aktivisten von dieser Taktik betroffen. SRF beleuchtet die Problematik und die Auswirkungen auf die Meinungsfreiheit.
Die juristischen Auseinandersetzungen können sich über Jahre hinziehen und erhebliche finanzielle und emotionale Belastungen verursachen. Selbst wenn die Klage letztendlich abgewiesen wird, bleibt der Schaden oft bestehen.
Der Begriff SLAPP wurde in den 1980er Jahren von den US-amerikanischen Professoren Penelope Canan und George Pring geprägt, die diese Art von Klagen erstmals systematisch untersuchten.
Ein Beispiel für eine solche Klage ist der Fall des Umweltaktivisten, der sich gegen ein Bauprojekt aussprach und daraufhin von dem beteiligten Unternehmen verklagt wurde. Obwohl der Aktivist letztendlich Recht bekam, musste er jahrelang um seine Existenz kämpfen.
Die Europäische Kommission hat im April 2022 einen Vorschlag für eine Richtlinie vorgelegt, die Journalisten und Menschenrechtsaktivisten vor missbräuchlichen Gerichtsverfahren schützen soll. Die Richtlinie zielt darauf ab, SLAPP-Klagen innerhalb der EU zu verhindern und Opfern von SLAPP-Klagen zu helfen. Der Europarat setzt sich ebenfalls für Maßnahmen gegen SLAPP-Klagen ein. (Lesen Sie auch: Urs Schwarz am Unispital Zürich: Zürcher Arzt…)
Was ist das Ziel einer SLAPP-Klage?
Das Hauptziel einer SLAPP-Klage ist nicht unbedingt, den Rechtsstreit zu gewinnen. Vielmehr geht es darum, den Beklagten einzuschüchtern, zu belästigen und finanziell auszubluten, sodass sie ihre kritischen Äußerungen einstellen oder gar nicht erst tätigen. Die Klage soll eine abschreckende Wirkung auf andere potenzielle Kritiker haben.
Die Einschüchterungstaktik zielt darauf ab, Kritik an Unternehmen oder Einzelpersonen zu unterdrücken, indem die Betroffenen mit hohen Anwaltskosten und einem langwierigen Gerichtsverfahren konfrontiert werden. Viele Betroffene können sich die Kosten für eine juristische Verteidigung nicht leisten und geben daher ihre Kritik auf.
Die Auswirkungen solcher Klagen gehen über den einzelnen Fall hinaus. Sie können eine abschreckende Wirkung auf die gesamte Zivilgesellschaft haben, da sich andere potenzielle Kritiker aus Angst vor ähnlichen Konsequenzen zurückhalten.
Organisationen wie Reporter ohne Grenzen setzen sich aktiv gegen SLAPP-Klagen ein und fordern Gesetze, die Journalisten und andere Medienschaffende vor solchen Angriffen schützen. Reporter ohne Grenzen bietet Informationen und Unterstützung für Journalisten, die von SLAPP-Klagen betroffen sind.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jede Klage gegen eine öffentliche Äußerung eine SLAPP-Klage ist. Eine legitime Klage zielt darauf ab, tatsächliche Schäden zu kompensieren, während eine SLAPP-Klage primär darauf abzielt, Kritik zu unterdrücken.
Wie funktionieren Gesetze gegen SLAPP-Klagen?
Gesetze gegen SLAPP-Klagen zielen darauf ab, den Beklagten in solchen Fällen einen schnellen und kostengünstigen Rechtsschutz zu bieten. Sie ermöglichen es Gerichten, SLAPP-Klagen frühzeitig abzuweisen, bevor hohe Kosten entstehen. Oft beinhalten sie auch Regelungen, die es dem Beklagten ermöglichen, Schadensersatz für die durch die SLAPP-Klage entstandenen Kosten zu fordern. (Lesen Sie auch: Zulässige Mietrendite: Bundesrat plant neue Regeln für…)
Einige dieser Gesetze sehen vor, dass der Kläger nachweisen muss, dass seine Klage eine begründete Grundlage hat und nicht primär dazu dient, die Meinungsfreiheit des Beklagten einzuschränken. Andernfalls kann die Klage abgewiesen und der Kläger zur Übernahme der Anwaltskosten des Beklagten verpflichtet werden.
Die Gesetze variieren von Land zu Land und von Bundesstaat zu Bundesstaat. Einige bieten einen umfassenden Schutz, während andere nur bestimmte Arten von Äußerungen oder Beklagten abdecken.
Beispiele für SLAPP-Klagen
Ein bekanntes Beispiel ist der Fall von Carole Cadwalladr, einer Journalistin, die über die Rolle von Cambridge Analytica bei der Beeinflussung von Wahlen berichtete. Sie wurde von dem Geschäftsmann Arron Banks wegen Verleumdung verklagt, verlor den Prozess jedoch letztendlich. Der Fall zog sich über mehrere Jahre hin und verursachte erhebliche Kosten und Stress für Cadwalladr.
In den USA wurden mehrere Umweltorganisationen von Unternehmen verklagt, nachdem sie sich gegen deren Geschäftspraktiken ausgesprochen hatten. Diese Klagen zielten oft darauf ab, die Organisationen finanziell zu belasten und sie von weiteren Protesten abzuhalten.

Die Rolle der Zivilgesellschaft im Kampf gegen SLAPP-Klagen
Zivilgesellschaftliche Organisationen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bekämpfung von SLAPP-Klagen. Sie bieten rechtliche Unterstützung für Betroffene, sensibilisieren die Öffentlichkeit für das Problem und setzen sich für Gesetze ein, die die Meinungsfreiheit schützen.
Diese Organisationen arbeiten oft mit Journalisten, Aktivisten und anderen Interessengruppen zusammen, um eine breite Koalition gegen SLAPP-Klagen zu bilden. Durch die Bündelung ihrer Kräfte können sie eine stärkere Stimme erheben und die notwendigen Veränderungen bewirken. (Lesen Sie auch: Trinkwasserqualität Stettfurt Wieder Gut – Gemeinde Gibt…)
Häufig gestellte Fragen
Was sind die typischen Merkmale einer SLAPP-Klage?
Typische Merkmale einer SLAPP-Klage sind ein Kläger mit erheblicher finanzieller oder politischer Macht, ein Beklagter, der sich öffentlich zu einem Thema von öffentlichem Interesse geäußert hat, und eine Klage, die wenig Aussicht auf Erfolg hat, aber darauf abzielt, den Beklagten einzuschüchtern.
Welche Auswirkungen haben SLAPP-Klagen auf die Meinungsfreiheit?
SLAPP-Klagen können eine erhebliche abschreckende Wirkung auf die Meinungsfreiheit haben, da sie Einzelpersonen und Organisationen davon abhalten, sich öffentlich zu äußern, aus Angst vor rechtlichen Konsequenzen. Dies kann zu einer Einschränkung der öffentlichen Debatte und der freien Meinungsbildung führen.
Wie können sich Betroffene gegen eine SLAPP-Klage wehren?
Betroffene können sich gegen eine SLAPP-Klage wehren, indem sie sich rechtlichen Beistand suchen, die Klage öffentlich machen und sich mit anderen Betroffenen und Organisationen vernetzen, um Unterstützung zu erhalten. Gesetze gegen SLAPP-Klagen können ebenfalls einen wichtigen Schutz bieten.
Welche Rolle spielen Gesetze gegen SLAPP-Klagen?
Gesetze gegen SLAPP-Klagen spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz der Meinungsfreiheit, indem sie es Gerichten ermöglichen, missbräuchliche Klagen frühzeitig abzuweisen und Betroffenen einen schnellen und kostengünstigen Rechtsschutz zu bieten. (Lesen Sie auch: Verlängerung Auszeit: Was Bedeutet Meyers Rückzug für…)
Wie können Journalisten und NGOs vor SLAPP-Klagen geschützt werden?
Journalisten und NGOs können durch Gesetze gegen SLAPP-Klagen, rechtliche Unterstützung und eine starke Zivilgesellschaft geschützt werden, die sich für die Meinungsfreiheit einsetzt. Internationale Organisationen wie Reporter ohne Grenzen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
SLAPP-Klagen stellen eine ernsthafte Bedrohung für die Meinungsfreiheit und die öffentliche Debatte dar. Es ist wichtig, dass sich die Zivilgesellschaft, die Politik und die Justiz gemeinsam gegen diese missbräuchliche Taktik einsetzen, um die Rechte von Kritikern und die freie Meinungsäußerung zu schützen.









