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Seit dem 1. April 2026 ist das Tanken in Polen für deutsche Autofahrer extrem attraktiv geworden. Eine neue staatliche Preisbremse deckelt den Preis für einen Liter Superbenzin auf umgerechnet rund 1,43 Euro. Diese Maßnahme der polnischen Regierung, eine Reaktion auf die gestiegenen Ölpreise infolge des Iran-Konflikts, hat einen massiven Tank-Tourismus ausgelöst, insbesondere in der Grenzregion um Frankfurt (Oder) und Słubice.
- Preisdeckel: Polens Regierung hat den Preis für Super (95 Oktan) auf 6,16 Złoty (ca. 1,43 Euro) pro Liter begrenzt.
- Ansturm: An den Tankstellen in Grenznähe, wie in Słubice, bilden sich lange Schlangen, die fast ausschließlich aus deutschen Fahrzeugen bestehen.
- Ursache: Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die weltweit gestiegenen Rohölpreise, die durch den Konflikt im Nahen Osten und Spannungen in der Straße von Hormus befeuert werden.
- Ersparnis: Im Vergleich zu deutschen Preisen von über 2,10 Euro pro Liter sparen Autofahrer bis zu 80 Cent pro Liter.
Der massive Preisunterschied beim Tanken in Polen führt seit dem Stichtag am 1. April 2026 zu einem regelrechten Ansturm. Während deutsche Tankstellenbetreiber über die Konkurrenz klagen, freuen sich Autofahrer aus Brandenburg und Berlin über die erhebliche finanzielle Entlastung an der Zapfsäule.
Hintergründe der polnischen Spritpreisbremse
Die Entscheidung der polnischen Regierung unter Premierminister Donald Tusk ist eine direkte Reaktion auf die Verwerfungen am globalen Energiemarkt. Der Konflikt im Nahen Osten, oft als „Iran-Krieg“ bezeichnet, hat die Rohölpreise auf über 100 US-Dollar pro Barrel getrieben. Insbesondere die angespannte Lage in der Straße von Hormus, einer kritischen Route für den Öltransport, verschärft die Situation. Um die eigene Bevölkerung vor diesem Preisschock zu schützen, hat die Regierung das Maßnahmenpaket „Ceny Paliwa Niżej“ (Niedrigere Kraftstoffpreise) verabschiedet. Es umfasst neben dem Preisdeckel auch eine drastische Senkung der Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe von 23 auf 8 Prozent sowie eine Reduzierung der Energiesteuer.
Der Tank-Tourismus in Słubice boomt
Die Auswirkungen der Preisbremse sind in der Grenzstadt Słubice, direkt gegenüber von Frankfurt (Oder), deutlich sichtbar. Berichten zufolge sind seit Inkrafttreten der Regelung die Zapfsäulen permanent von deutschen Kunden belagert. Autofahrer aus dem direkten Umland, aber auch aus Berlin, nehmen die Fahrt auf sich, um ihre Tanks und oft auch Reservekanister zu füllen. Die Ersparnis ist erheblich: Bei einer 50-Liter-Tankfüllung beträgt der Preisunterschied rund 40 Euro im Vergleich zu den Preisen in Brandenburg. Dieser Ansturm führt zu langen Wartezeiten und erhöhtem Verkehrsaufkommen an den Grenzübergängen. Die polnische Regierung beobachtet diese Entwicklung genau, hat aber zunächst keine Einschränkungen für ausländische Kunden angekündigt.
Preisdetails und weitere Maßnahmen der Regierung
Die Preisobergrenzen werden vom polnischen Energieministerium täglich festgelegt und veröffentlicht. Für den 1. April 2026 gelten folgende Höchstpreise:
- Super (95 Pb): 6,16 Złoty (ca. 1,43 – 1,44 Euro)
- SuperPlus (98 Pb): 6,76 Złoty (ca. 1,58 Euro)
- Diesel (ON): 7,60 Złoty (ca. 1,77 Euro)
Diese Preise sind landesweit gültig. Tankstellen, die gegen die Preisobergrenze verstoßen, müssen mit hohen Geldstrafen von bis zu einer Million Złoty rechnen. Die Regelung soll vorerst bis zum 30. April 2026 in Kraft bleiben. Die rechtliche Grundlage wurde durch eine kurzfristige Änderung des Gesetzes über Rohölreserven und des Verbrauchsteuergesetzes geschaffen, wie das polnische Radio berichtet.
Reaktionen und neue Regeln in Deutschland
Während deutsche Autofahrer die günstigen Preise nutzen, sehen sich Tankstellenpächter in Grenznähe mit einer existenzbedrohenden Situation konfrontiert. Der massive Kundenabfluss nach Polen verschärft den Wettbewerb. Zufälligerweise tritt auch in Deutschland zum 1. April 2026 eine neue Regelung in Kraft: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal täglich, um 12 Uhr mittags, erhöhen. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Diese Maßnahme, die für mehr Transparenz sorgen soll, dürfte jedoch kaum etwas gegen den Preisunterschied von bis zu 80 Cent pro Liter ausrichten können. In Frankfurt (Oder) lagen die Preise für Super E10 zuletzt bei durchschnittlich 2,12 Euro, wie Daten von Vergleichsportalen zeigen. Für eine konkrete Entlastung der deutschen Autofahrer gibt es derzeit keine Pläne, was die Debatte über eine mögliche Senkung der Energiesteuer neu entfachen könnte. Ebenso rückt die Frage nach den hohen Heizkosten wieder in den Fokus.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange gilt die Spritpreisbremse in Polen?
Die aktuellen Maßnahmen, einschließlich des Preisdeckels und der reduzierten Mehrwertsteuer, sind nach offiziellen Angaben zunächst bis zum 30. April 2026 befristet. Eine Verlängerung ist jedoch abhängig von der Entwicklung auf dem globalen Ölmarkt.
Wie viel Benzin darf ich im Kanister aus Polen mitbringen?
Zusätzlich zum vollen Fahrzeugtank dürfen pro Fahrzeug bis zu 20 Liter Kraftstoff in einem Reservekanister zollfrei nach Deutschland eingeführt werden. Diese Menge ist für den Privatgebrauch bestimmt. Eine Überschreitung kann zu Steuernachzahlungen führen.
Warum ist der Diesel in Polen teurer als Benzin?
Der höhere Preis für Diesel (ca. 1,77 Euro) im Vergleich zu Superbenzin (ca. 1,43 Euro) im Rahmen der polnischen Preisbremse ist auf unterschiedliche Berechnungsformeln und Steuersätze im Großhandel zurückzuführen. Traditionell sind die Produktions- und Logistikkosten für Diesel in Europa oft höher, was sich auch in den staatlich gedeckelten Preisen widerspiegelt.
Fazit
Der staatliche Preisdeckel für das Tanken in Polen senkt den Literpreis für Super auf 1,43 Euro und damit um bis zu 80 Cent unter das deutsche Niveau. Diese Maßnahme führt zu einem massiven Tank-Tourismus in der Grenzregion, der die dortigen Tankstellen an ihre Kapazitätsgrenzen bringt. Solange die Preisdifferenz so eklatant bleibt, wird der Ansturm aus Deutschland anhalten und die wirtschaftliche Lage für deutsche Tankstellenbetreiber schwierig bleiben.




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