Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder erreichen am heutigen 13. Februar 2026 in Potsdam ihren vorläufigen Höhepunkt. In der dritten und entscheidenden Runde ringen die Gewerkschaften Verdi und der Beamtenbund dbb mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) um einen Abschluss für über 900.000 Beschäftigte. Die Fronten sind verhärtet, doch ein Ergebnis wird noch an diesem Wochenende erwartet.
Die finalen Beratungen für die Angestellten von 15 Bundesländern (außer Hessen) laufen seit Mittwoch und könnten bei Bedarf bis Samstag andauern. Im Raum stehen die Forderungen der Gewerkschaften nach 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 300 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Demgegenüber steht ein Angebot der Arbeitgeber, das die Gewerkschaften als unzureichend kritisieren. Es sieht eine geringere Steigerung über einen deutlich längeren Zeitraum vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidende Phase: Die dritte Verhandlungsrunde in Potsdam (11.-13.02.2026) soll eine Einigung bringen; eine Verlängerung bis Samstag ist möglich.
- Gewerkschaftsforderung: Verdi und dbb fordern 7 % mehr Gehalt, mindestens 300 Euro, und 200 Euro mehr für Auszubildende bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
- Arbeitgeberangebot: Die TdL hat Eckpunkte für ein Lohnplus von rund 5 % vorgeschlagen, gestreckt auf eine lange Laufzeit von 29 Monaten.
- Hoher Druck: Bundesweite Warnstreiks in den letzten Wochen haben den Druck auf die Arbeitgeberseite erhöht.
- Keine Schlichtung: Anders als bei Bund und Kommunen gibt es im Länder-Tarifstreit keine vorgesehene Schlichtung, was den Einigungsdruck erhöht.
- Betroffene Gruppen: Der Abschluss betrifft direkt rund 925.000 Tarifbeschäftigte, darunter Personal an Unikliniken, Schulen, bei der Polizei und in Landesverwaltungen.
- Übertragung auf Beamte: Die Gewerkschaften fordern die zeit- und wirkungsgleiche Übertragung des Ergebnisses auf rund 1,3 Millionen Landesbeamte.
Was fordern die Gewerkschaften im Detail?
Die Gewerkschaften Verdi und der Deutsche Beamtenbund (dbb) sind mit klaren Forderungen in die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder gestartet. Kernpunkt ist eine lineare Entgelterhöhung von 7 Prozent, mindestens aber um einen sozialen Sockelbetrag von 300 Euro pro Monat. Diese soziale Komponente soll vor allem die unteren und mittleren Einkommensgruppen stärken. Für Auszubildende und dual Studierende wird eine Erhöhung der Vergütung um 200 Euro gefordert. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags soll bei lediglich 12 Monaten liegen, um schnell auf die wirtschaftliche Entwicklung reagieren zu können. Wie bereits in unserem Artikel zur Siemens Hauptversammlung thematisiert, spielt die wirtschaftliche Lage eine zentrale Rolle bei Lohnverhandlungen.
Die Kernforderungen im Überblick:
- 7 % mehr Entgelt, mindestens 300 Euro
- 200 Euro mehr für Nachwuchskräfte
- 12 Monate Laufzeit
- Erhöhung der Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte
- Zeit- und wirkungsgleiche Übertragung auf den Beamtenbereich
Wie lautet das Angebot der Arbeitgeber?
Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) unter der Führung des Hamburger Finanzsenators Andreas Dressel (SPD) hat die Forderungen der Gewerkschaften als „astronomisch“ und nicht leistbar zurückgewiesen. Ein konkretes, beziffertes Angebot legte die TdL erst spät vor. Diese Eckpunkte sehen eine Steigerung von insgesamt rund fünf Prozent vor, allerdings gestreckt auf eine Laufzeit von 29 Monaten. Das Angebot beinhaltet mehrere „Nullmonate“ zu Beginn und sieht keinen sozialen Mindestbetrag vor, was von den Gewerkschaften scharf kritisiert wird. Verbesserungen soll es bei Zulagen für Schichtdienste geben. Die Gewerkschaften sehen in diesem Vorschlag keine ausreichende Grundlage für einen Abschluss und bemängeln die fehlende soziale Komponente sowie die lange Laufzeit. Die öffentliche Hand steht, ähnlich wie bei der Debatte um die EU Wettbewerbsfähigkeit, vor der Herausforderung, attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen und gleichzeitig die Haushalte zu schonen.
Ein zentraler Streitpunkt ist die Orientierung am Abschluss für den öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aus dem Vorjahr, der als Referenzwert dient.

Vergleich der Positionen
| Position | Gewerkschaften (Verdi/dbb) | Arbeitgeber (TdL) |
|---|---|---|
| Entgelterhöhung | 7 %, mind. 300 Euro | ca. 5 % in Stufen |
| Laufzeit | 12 Monate | 29 Monate |
| Soziale Komponente | Mindestbetrag von 300 Euro | Kein Mindestbetrag vorgesehen |
| Auszubildende | + 200 Euro | Verbesserungen im „Azubi-Paket“ (ca. +120 Euro in Stufen) |
Welche Folgen hat ein Scheitern der Verhandlungen?
Ein Scheitern der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder hätte weitreichende Konsequenzen. Da es in diesem Tarifkonflikt keine formale Schlichtungsprozedur gibt, wie sie bei Bund und Kommunen üblich ist, würde ein Scheitern direkt in eine neue Eskalationsstufe münden. Die Gewerkschaften würden dann voraussichtlich eine Urabstimmung über unbefristete Streiks einleiten. Dies könnte zu massiven Beeinträchtigungen in vielen öffentlichen Bereichen führen, darunter:
- Universitätskliniken
- Schulen und Kitas (in Stadtstaaten)
- Polizei und Justizvollzug
- Landesverwaltungen und Finanzämter
- Straßenmeistereien und Winterdienste
Beide Seiten sind sich des hohen Drucks bewusst, eine Einigung zu erzielen, um einen solchen flächendeckenden Arbeitskampf zu vermeiden. Die Verhandlungen in Potsdam werden daher mit äußerster Intensität geführt. Weitere Informationen zu den Abläufen bei Tarifkonflikten bietet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf seiner Webseite.
Video-Empfehlung
Um einen besseren Einblick in die Dynamik von Tarifverhandlungen zu bekommen, empfehlen wir folgendes Video, das den Ablauf und die Hintergründe solcher Verhandlungen erklärt:
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wer verhandelt bei den Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder?
Auf der Arbeitnehmerseite verhandeln die Gewerkschaften, hauptsächlich Verdi und der dbb beamtenbund und tarifunion. Ihnen gegenüber sitzt die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), der Arbeitgeberverband, der die Interessen der Bundesländer (außer Hessen) vertritt.
Wie viele Beschäftigte sind von den TV-L Verhandlungen betroffen?
Direkt betroffen sind rund 925.000 Tarifbeschäftigte der Länder. Das Ergebnis wird aber üblicherweise auf die rund 1,3 Millionen Landes- und Kommunalbeamten sowie Versorgungsempfänger übertragen, sodass insgesamt über 2,2 Millionen Menschen von dem Abschluss profitieren.
Was passiert, wenn es in Potsdam keine Einigung gibt?
Da es im Länder-Tarifrecht kein formales Schlichtungsverfahren gibt, könnten die Gewerkschaften bei einem Scheitern der Verhandlungen eine Urabstimmung über unbefristete Streiks einleiten. Dies würde zu einer erheblichen Ausweitung der Arbeitskämpfe führen.
Warum verhandelt Hessen separat?
Hessen ist als einziges Bundesland nicht Mitglied in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) und führt daher eigene, separate Tarifverhandlungen für seine Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Ergebnisse können sich von denen des TV-L unterscheiden.
Wann ist mit einem Ergebnis der Tarifverhandlungen zu rechnen?
Ein Ergebnis wird für das Ende der dritten Verhandlungsrunde am 13. Februar 2026 oder im Laufe des darauffolgenden Samstags erwartet. Die Verhandlungen gelten als äußerst zäh, aber beide Seiten haben den Willen zu einer Einigung signalisiert.
Fazit
Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder stehen an einem entscheidenden Punkt. Die Positionen von Gewerkschaften und Arbeitgebern liegen noch weit auseinander, insbesondere bei der Höhe der Entgeltsteigerung und der Laufzeit des Vertrags. Die kommenden Stunden in Potsdam werden zeigen, ob ein Kompromiss möglich ist oder ob eine weitere Eskalation mit flächendeckenden Streiks droht. Ein Abschluss hätte Signalwirkung für den gesamten öffentlichen Sektor und würde die Einkommenssituation von über zwei Millionen Menschen für die nächsten Jahre maßgeblich beeinflussen. Die hohe Streikbeteiligung im Vorfeld hat die Entschlossenheit der Beschäftigten untermauert, Reallohnverluste nicht hinzunehmen. Ein verlässlicher Überblick über die Strukturen des öffentlichen Dienstes wird auf der Seite des Bundesinnenministeriums geboten.
Informationen zum Autor
Maik ist seit über 10 Jahren als Online-Redakteur für die Rathaus Nachrichten tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf den Themen Politik, Verwaltung und öffentlicher Dienst. Er hat zahlreiche Tarifrunden journalistisch begleitet und analysiert die Entwicklungen im öffentlichen Sektor mit kritischem Blick.






