„Für mich ist die ganze Welt ein großer Arsch. Die rechte Arschbacke sind die Amerikaner, die linke Arschbacke, das sind die Russen. Und wir hier in Europa, wir sind das Arschloch.“ Dieser markante Satz von Tatort-Kommissar Horst Schimanski, zitiert auf Instagram-Accounts wie „Westkult“, katapultiert viele zurück in eine Zeit, die scheinbar einfacher war. Doch was steckt hinter dieser Sehnsucht? Westalgie Definition: Es ist die nostalgische Verklärung der alten Bundesrepublik, eine Sehnsucht nach der Zeit vor der Wiedervereinigung, oft verbunden mit einer idealisierten Vorstellung von Sicherheit und Überschaubarkeit.

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| Event | Ergebnis | Datum | Ort | Schlüsselmomente |
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| Westalgie-Welle | Sehnsucht nach der Bonner Republik | Heute | Deutschland | Nostalgische Instagram-Accounts, Zitate aus alten TV-Sendungen, Idealisiertes Bild der Vergangenheit |
Westalgie: Mehr als nur eine Modeerscheinung?
Die Westalgie ist mehr als nur eine vorübergehende Modeerscheinung. Sie ist ein Ausdruck des Gefühls, dass in der heutigen komplexen Welt etwas verloren gegangen ist. Eine Zeit, in der die Welt scheinbar einfacher gestrickt war, die Rollen klarer verteilt und die Zukunft vorhersehbarer. Doch ist diese Sehnsucht berechtigt oder verklärt sie die Realität?
Die wichtigsten Fakten
- Westalgie ist die Sehnsucht nach der alten Bundesrepublik.
- Sie wird oft mit einem Gefühl von Sicherheit und Überschaubarkeit verbunden.
- Instagram-Accounts wie „Westkult“ befeuern die Nostalgie.
- Jakob Augstein sieht in der Westalgie eine Reaktion auf die veränderte politische Lage.
Die Bonner Republik: Ein Hort der Gemütlichkeit?
Die Bonner Republik, die 50 Jahre lang von der beschaulichen Stadt am Rhein aus regiert wurde, erscheint im Rückblick oft als Hort der Gemütlichkeit. Rosenhecken dufteten, Kieswege knirschten, und die Welt schien in Ordnung. Doch war das wirklich so? War die alte Bundesrepublik tatsächlich so idyllisch, wie sie heute oft dargestellt wird?
Die Antwort ist natürlich komplexer. Die 70er und 80er Jahre waren auch von Krisen, Konflikten und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Die Ölkrise, die Friedensbewegung, der RAF-Terror – all das gehörte ebenfalls zur Realität der alten Bundesrepublik. Trotzdem überwiegt in der Westalgie oft das positive Bild einer überschaubaren und sicheren Welt. (Lesen Sie auch: Wetter Wien: Schneechaos in: Aktuelle Wetterlage)
Was ist die Westalgie Definition im Detail?
Die Westalgie definition lässt sich als eine spezifische Form der Nostalgie beschreiben. Es geht um die Sehnsucht nach den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Eigenheiten der alten Bundesrepublik Deutschland. Diese Sehnsucht speist sich aus dem Gefühl, dass mit der Wiedervereinigung und der Globalisierung etwas verloren gegangen ist, das identitätsstiftend war. Es ist eine idealisierte Erinnerung an eine Zeit, die oft als „besser“ oder „einfacher“ wahrgenommen wird.
Jakob Augstein, Publizist und Kenner der deutschen Befindlichkeiten, erinnert sich: „Schon Mitte der 90er gab es aber auch das Wort Westalgie. Aber damals schien der Westen der Sieger zu sein, dem Begriff fehlte der Gegenstand. Jetzt aber ist die Situation eine völlig andere, und jetzt trifft das Wort so richtig.“ Stern berichtete zuerst über die Wiederentdeckung des Begriffs.
Die Westalgie ist eng mit der Ostalgie verbunden, der Sehnsucht nach der DDR. Beide Phänomene sind Ausdruck des Gefühls, dass mit dem Verschwinden eines Staates auch ein Stück Identität verloren gegangen ist.
Die Instagram-Nostalgie: Bunte Autos, graue Häuser
Die Instagram-Accounts, die die Westalgie befeuern, zeigen oft Straßenszenen aus der alten Bundesrepublik. Bunte Autos prägen das Bild, die Häuser sind oft grau. Dazu kommen Ausschnitte aus dem damaligen Fernsehprogramm: Comedy mit Harald Juhnke und Eddi Arent, „Tatort“-Kommissar Schimanski als Welterklärer, die „Biene Maja“ gesungen von Karel Gott. Eine Welt, die vor gar nicht allzu langer Zeit existierte, aber heute schon sehr fern wirkt. (Lesen Sie auch: Musik: Taylor Swift toppt erneut die internationalen…)
Diese Bilder wecken Erinnerungen und Gefühle. Sie erinnern an eine Zeit, in der das Leben scheinbar langsamer und beschaulicher war. Eine Zeit, in der man sich noch auf den „Tatort“ am Sonntagabend freute und die Welt noch nicht von einer Flut von Informationen und Reizen überrollt wurde.
Helmut Schmidt fand den Gewinn der Fußball-WM gar nicht gut
Es mag überraschen, aber selbst der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft wurde von einigen kritisch gesehen. Helmut Schmidt, der Altkanzler, soll den Triumph nicht uneingeschränkt begrüßt haben. Diese Anekdote zeigt, dass auch in der vermeintlich heilen Welt der alten Bundesrepublik nicht alles Gold war, was glänzte. Trotzdem bleibt die Sehnsucht nach dieser Zeit bestehen, gespeist von der Erinnerung an eine Ära des wirtschaftlichen Aufschwungs und der relativen Stabilität.
Die Westalgie ist somit ein komplexes Phänomen, das verschiedene Facetten hat. Sie ist eine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit, aber auch eine Reaktion auf die Herausforderungen der Gegenwart. Sie ist eine idealisierte Erinnerung, aber auch ein Ausdruck des Gefühls, dass etwas verloren gegangen ist, das identitätsstiftend war. Die Frage ist, wie man mit dieser Sehnsucht umgeht. Ist sie bloße Träumerei oder birgt sie auch eine Chance, aus der Vergangenheit für die Zukunft zu lernen? Laut dem Bundesamt für Statistik (destatis.de) waren die 1970er Jahre von einem starken Wirtschaftswachstum in der BRD geprägt, was zur positiven Wahrnehmung beiträgt.

Der Begriff „Westalgie“ ist eine Anlehnung an die „Ostalgie“, die Sehnsucht nach der DDR. Beide Begriffe beschreiben eine nostalgische Verklärung der Vergangenheit. (Lesen Sie auch: Lawinenunglück Tote: Acht nach Lawine in Kalifornien)
Was bedeutet die Westalgie für die Zukunft?
Die Westalgie ist nicht nur eine Rückwärtsgewandte Sehnsucht, sondern kann auch als Anstoß für eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Gegenwart dienen. Sie kann dazu anregen, darüber nachzudenken, welche Werte und Traditionen aus der Vergangenheit bewahrenswert sind und wie man sie in die Zukunft übertragen kann. Es geht darum, aus der Geschichte zu lernen und die positiven Aspekte der Vergangenheit in die Gestaltung der Zukunft einzubeziehen. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) bietet hierzu umfangreiches Informationsmaterial.
Die Westalgie mag für manche eine bloße Träumerei sein, für andere ist sie ein Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach einer Zeit, in der die Welt scheinbar einfacher und überschaubarer war. Ob sie nun als „gefährliche Gestrigkeit“ oder als wertvolle Erinnerung betrachtet wird, sie ist ein Phänomen, das uns etwas über die deutsche Befindlichkeit verrät. Es zeigt, dass die Vergangenheit auch in der Gegenwart noch eine wichtige Rolle spielt und dass die Auseinandersetzung mit ihr uns helfen kann, die Zukunft besser zu gestalten. Die Tagesschau (tagesschau.de) berichtete jüngst über eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Nostalgie und dem Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit untersucht.
Die Westalgie definition ist also vielschichtig: Sie ist eine Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit, eine Reaktion auf die Gegenwart und ein Anstoß für die Zukunft. Sie ist ein Spiegelbild der deutschen Seele, die zwischen Tradition und Fortschritt, zwischen Vergangenheit und Zukunft hin- und hergerissen ist.










