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Die Spritpreisbremse gilt ab dem 1. April 2026 – der Bundestag hat das Paket am 26. März beschlossen, der Bundesrat stimmte am 27. März zu, die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt erfolgte am 31. März. Kern der Regelung: Tankstellen dürfen Benzin- und Dieselpreise künftig nur noch einmal täglich erhöhen – exakt um 12:00 Uhr. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Das ändert die bisherige Tankstrategie grundlegend: Der alte Abend-Tipp zwischen 18 und 22 Uhr gilt nicht mehr.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. April 2026: Tankstellen dürfen Preise nur noch einmal täglich erhöhen – um exakt 12:00 Uhr.
- Neue günstigste Tankzeit: Vor 12 Uhr – nicht mehr abends zwischen 18 und 22 Uhr wie bisher.
- Teuerste Zeit: Direkt nach 12 Uhr, wenn viele Anbieter gleichzeitig erhöhen.
- Hintergrund: Bisher änderten Tankstellen den Preis im Schnitt bis zu 22 Mal täglich.
- Bußgeld: Bis zu 100.000 Euro pro Verstoß gegen das Erhöhungsverbot.
- Gilt für: Benzin (Super E5, E10) und Diesel – nicht für Autogas oder Erdgas.
Was ist die Spritpreisbremse – und was ändert sich konkret?
Die Spritpreisbremse ist kein Preisdeckel. Das Gesetz – offiziell Kraftstoffpreisanpassungsgesetz – begrenzt nicht die Höhe der Preise, sondern nur Zeitpunkt und Anzahl von Erhöhungen. Konkret dürfen Tankstellen ab dem 1. April 2026 ihre Preise für Benzin und Diesel nur noch einmal täglich erhöhen, und zwar um 12:00 Uhr. Senken dürfen sie die Preise weiterhin jederzeit und beliebig oft. Das Bundeskartellamt überwacht die Einhaltung über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe – bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro.
Zusätzlich zur 12-Uhr-Regel wird das Kartellrecht verschärft: Das Bundeskartellamt erhält mehr Befugnisse gegen marktbeherrschende Mineralölkonzerne. Neu ist auch eine Umkehr der Beweislast – Unternehmen müssen künftig selbst nachweisen, dass ihre Preiserhöhungen sachlich gerechtfertigt sind. Das Gesetz ist zunächst befristet; nach einem Jahr berichtet die Bundesregierung über die Wirksamkeit.
Österreich betreibt ein vergleichbares Modell bereits seit 2011. Die deutsche Regelung orientiert sich daran. In Österreich gilt ebenfalls: eine Preiserhöhung pro Tag, Preissenkungen jederzeit möglich.
Wann jetzt tanken? Die neue Tagesregel ab 1. April
Die neue Spritpreisbremse dreht die bewährte Tankstrategie komplett um. Wer bisher auf die Abendstunden zwischen 18 und 22 Uhr gesetzt hat, muss ab April umdenken – dieser Tipp galt für das alte System mit bis zu 22 Preisänderungen täglich und ist mit der neuen Regelung überholt.
Der neue Tagesablauf sieht so aus: Da Erhöhungen erst ab 12:00 Uhr erlaubt sind, starten alle Tankstellen in den Vormittag mit dem Preis vom Vortag. Viele Anbieter werden den Erhöhungszeitpunkt um 12 Uhr bündelt nutzen – es entsteht ein konzentrierter Mittagsanstieg. Danach sind ausschließlich Senkungen möglich, die aber erfahrungsgemäß zögerlich ausfallen.
| Uhrzeit | Preisniveau | Empfehlung |
|---|---|---|
| Vor 12:00 Uhr | Niedrig (Vortags-Niveau) | ✅ Günstigste Zeit |
| 12:00–13:00 Uhr | Gebündelter Anstieg | ❌ Teuerste Zeit |
| Nachmittag | Leicht sinkend | 🟡 Akzeptabel |
| Abend 18–22 Uhr | Moderat (nicht mehr günstigste Zeit) | 🟡 Nicht mehr optimal |
Wer eine Spritpreis-App wie die des ADAC oder Apps wie clever-tanken.de nutzt, kann die günstigsten Preise in der Umgebung vor der Fahrt prüfen. Das Tanken an Autobahnen bleibt unabhängig von der neuen Regel deutlich teurer als an städtischen oder ländlichen Stationen.
Hintergrund: Warum das Gesetz jetzt kommt
Auslöser für das Spritpreispaket ist der deutlich gestiegene Ölpreis infolge des Iran-Nahost-Konflikts und der Sperrung der Straße von Hormus – einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, über die rund ein Fünftel des globalen Ölhandels läuft. Laut Bundesregierung ist der Weltmarktpreis für Öl infolge des Konflikts um rund 30 Prozent gestiegen.
Erschwerend kommt der sogenannte Rakete-und-Feder-Effekt hinzu: Das Bundeskartellamt beobachtet seit Jahren, dass Tankstellen Preissteigerungen bei steigendem Rohölpreis sehr schnell weitergeben – Preissenkungen bei fallendem Rohölpreis dagegen nur langsam und zögerlich. Bisher änderte sich der Spritpreis im Schnitt bis zu 22 Mal täglich. Genau dieses Muster soll die neue Regelung durchbrechen. Parallel hat die Bundesregierung bereits einen Teil der strategischen Ölreserven freigegeben.
Was Experten zur Wirkung sagen
Der Volkswirt Justus Haucap, der im Rahmen einer Anhörung im Bundestag als Sachverständiger gehört wurde, äußerte sich differenziert: Die neue Regel könne Verbrauchern helfen, Preise besser zu vergleichen – ob die Preise dadurch nachhaltig sinken, sei jedoch nicht klar. Kritiker aus der Industrie sehen in der Maßnahme einen tiefen Eingriff in den Wettbewerb und warnen vor unerwünschten Nebeneffekten.
Denkbar ist auch, dass Tankstellen den einzigen erlaubten Erhöhungszeitpunkt um 12 Uhr besonders stark ausnutzen: Ein gebündelter, großzügiger Mittagsaufschlag statt vieler kleiner Sprünge könnte für Verbraucher unterm Strich ähnlich teuer werden. Sicherer ist dagegen: Die neue Regel macht Preisbewegungen berechenbarer – und das Vergleichen von Preisen per App lohnenswerter denn je. Auch die Debatte über weitergehende Maßnahmen läuft weiter: Eine Steuersenkung um 35 Cent pro Liter wird ebenso diskutiert wie eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne.
Häufig gestellte Fragen
Wann gilt die Spritpreisbremse – ab dem 31. März oder 1. April?
Ab dem 1. April 2026. Die Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt erfolgte zwar am 31. März, rechtswirksam wird das Gesetz jedoch erst zum 1. April. Bundestag und Bundesrat hatten am 26. bzw. 27. März zugestimmt.
Darf eine Tankstelle den Preis auch vor 12 Uhr erhöhen?
Nein. Erhöhungen sind ausschließlich ab 12:00 Uhr erlaubt – und pro Tag nur ein einziges Mal. Senken darf eine Tankstelle den Preis jederzeit und so oft sie will.
Wird Tanken durch die Spritpreisbremse günstiger?
Das ist unter Experten umstritten. Wahrscheinlicher ist zunächst, dass Preise stabiler und besser vergleichbar werden. Tankstellen könnten den Erhöhungszeitpunkt um 12 Uhr aber auch für einen größeren Aufschlag nutzen als bisher gewohnt.
Gilt die Regelung auch für Autogas (LPG) und Erdgas (CNG)?
Nein. Das Gesetz gilt ausschließlich für Benzin (Super E5, E10) und Diesel. Preise für Autogas und Erdgas folgen anderen Marktmechanismen und sind von der Regelung nicht betroffen.
Was passiert, wenn eine Tankstelle gegen die Regel verstößt?
Das Bundeskartellamt überwacht die Einhaltung über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K). Bei Verstößen gegen das Verbot mehrfacher täglicher Preiserhöhungen drohen Bußgelder bis zu 100.000 Euro pro Verstoß.
Fazit
Die Spritpreisbremse ab dem 1. April 2026 ist ein echter Einschnitt in den Tankstellenmarkt – aber kein Preisdeckel. Wer die neue Regel kennt, tankt künftig schlauer: Vor 12 Uhr ist die günstigste Zeit, direkt nach dem Mittag die teuerste. Der bisher gültige Abend-Tipp zwischen 18 und 22 Uhr ist damit Geschichte. Ob die Preise im Schnitt tatsächlich sinken, wird sich nach dem ersten Jahr zeigen – die Bundesregierung hat eine Überprüfung zugesagt. Sicher ist: Eine gute Spritpreis-App ist ab April wichtiger denn je.






