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Im Kampf gegen die Vermüllung der Hauptstadt geht Berlin neue Wege. Das Konzept „BerlinPay“ sieht vor, dass Touristen ab Sommer 2026 aktiv Müll sammeln und dafür mit Gutscheinen belohnt werden. Diese Initiative ist Teil einer umfassenderen Strategie, die auch drastisch erhöhte Bußgelder und den Einsatz spezieller „Müll-Sheriffs“ beinhaltet.
- Neues Konzept: Unter dem Namen „BerlinPay“ sollen Touristen ab Sommer 2026 für das Sammeln von Müll, etwa aus der Spree, mit Gutscheinen belohnt werden.
- Höhere Strafen: Die Bußgelder für Müllsünder wurden bereits Ende 2025 drastisch erhöht. Ein weggeworfener Einwegbecher kann bis zu 250 Euro kosten.
- Spezialeinheit: In Neukölln ist bereits eine „Soko Müll“ im Einsatz, die an Hotspots gezielt nach Verursachern illegaler Müllablagerungen fahndet.
- Hohe Kosten: Die Berliner Stadtreinigung (BSR) musste allein 2025 rund 10,3 Millionen Euro für die Beseitigung illegal abgelagerter Abfälle aufwenden.
Die „Mission saubere Hauptstadt“ nimmt in Berlin am 14.04.2026 konkrete Formen an. Angesichts wachsender Müllberge und hoher Entsorgungskosten setzt der Senat auf eine Kombination aus Anreizen, strengeren Strafen und verstärkten Kontrollen. Eine zentrale und ungewöhnliche Maßnahme ist die geplante Einbindung von Touristen in die Stadtreinigung.
BerlinPay: Nach dänischem Vorbild gegen den Müll
Noch vor Pfingsten 2026 soll das neue Tourismuskonzept „BerlinPay“ vorgestellt werden. „Wir wollen uns ein Beispiel am sehr sauberen Kopenhagen nehmen“, erklärte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Nach dem Vorbild des dänischen „CopenPay“, bei dem umweltfreundliches Verhalten von Touristen mit Vergünstigungen belohnt wird, sollen auch in Berlin Gäste für ihren Einsatz belohnt werden. Der Plan sieht vor, dass Touristen Abfälle, beispielsweise aus Berliner Gewässern wie der Spree, fischen und dafür Gutscheine für touristische Angebote erhalten. Aktuell werden Kooperationspartner für dieses Projekt gesucht.
Drastisch erhöhte Bußgelder und „Soko Müll“
Als erste Reaktion auf das Müllproblem hat der CDU/SPD-Senat bereits Ende 2025 den Bußgeldkatalog verschärft. Das achtlose Wegwerfen eines Einwegbechers kostet nun bis zu 250 Euro statt der früheren 55 Euro. Nicht entsorgter Hundekot wird mit Bußgeldern ab 80 Euro geahndet. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) unterstützt die härtere Gangart und betonte bei einem Besuch einer Anti-Müll-Truppe in Neukölln die Wichtigkeit der Maßnahmen. In diesem Bezirk gibt es bereits eine zweiköpfige „Soko Müll“, die täglich 13 bekannte Müll-Hotspots kontrolliert und nach Hinweisen auf die Verursacher sucht. Diese Fahnder sind teils auch nachts mit Nachtsichtgeräten im Einsatz.
Potsdam macht es vor: Verpackungssteuer in der Diskussion
Zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen wird in Berlin über die Einführung einer Verpackungssteuer nach dem Vorbild von Potsdam diskutiert. Die brandenburgische Landeshauptstadt führt eine solche Steuer zum 1. Juli 2026 für rund 650 Gastronomiebetriebe ein. Dort werden dann beispielsweise 50 Cent pro To-Go-Becher und 20 Cent für Einwegbesteck fällig. Ob und wann ein solches Modell für die Hauptstadt kommt, ist noch offen. Parallel dazu plant Berlin einen „Einstellungs-Turbo“, um die Ordnungsämter personell zu verstärken und die Kontrollen auszuweiten. Die politische Debatte dazu läuft im Berliner Abgeordnetenhaus.
Millionenkosten durch illegale Abfallentsorgung
Die Dringlichkeit der Maßnahmen wird durch die hohen Kosten unterstrichen. Die Berliner Stadtreinigung (BSR) musste im Jahr 2025 allein 10,3 Millionen Euro für die Entsorgung von illegal abgelagertem Müll aufwenden. Dabei handelt es sich um Abfälle wie Bauabfälle, Matratzen oder Elektroschrott, die illegal auf Straßen und in Grünanlagen entsorgt werden. Wirtschaftssenatorin Giffey beklagte das Problem mit deutlichen Worten: „Wer seinen Müll einfach auf die Straße wirft, wirft auch ein Stück Respekt vor unserer Stadt weg.“ Die neuen Initiativen sollen hier eine Trendwende einleiten und das Stadtbild nachhaltig verbessern. Informationen zur korrekten Entsorgung stellt die Berliner Stadtreinigung auf ihrer Webseite bereit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel von „BerlinPay“?
„BerlinPay“ ist ein geplantes Anreizsystem, das ab Sommer 2026 Touristen für das Sammeln von Müll in Berlin mit Gutscheinen und Vergünstigungen belohnen soll. Es orientiert sich am Vorbild „CopenPay“ aus Kopenhagen und soll zur Sauberkeit der Stadt beitragen.
Wie hoch sind die neuen Bußgelder für Müllvergehen in Berlin?
Der Ende 2025 verschärfte Bußgeldkatalog sieht empfindliche Strafen vor. Beispielsweise kann das Wegwerfen eines Einwegbechers bis zu 250 Euro kosten, nicht beseitigter Hundekot ab 80 Euro und illegal entsorgter Sperrmüll je nach Menge mehrere tausend Euro.
Gibt es in Berlin bereits eine Verpackungssteuer?
Nein, per Stand April 2026 gibt es in Berlin noch keine Verpackungssteuer. Die Einführung wird jedoch diskutiert, wobei die Stadt Potsdam, die eine solche Steuer im Juli 2026 einführt, als mögliches Vorbild dient.
Fazit
Berlins Kampf gegen das Müllproblem, das 2025 Kosten von 10,3 Millionen Euro verursachte, wird mit dem Projekt „BerlinPay“ um eine innovative Komponente erweitert. Die Kombination aus Anreizen für Touristen, drastisch erhöhten Bußgeldern von bis zu 250 Euro für Kleinvergehen und dem Einsatz von Spezialeinheiten zeigt eine neue Entschlossenheit des Senats. Die Umsetzung des Tourismuskonzepts vor Pfingsten wird zeigen, ob dieser vielschichtige Ansatz die Hauptstadt tatsächlich sauberer machen kann.






