📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 18.12.2025
EZB Zinsentscheidung – Die Europäische Zentralbank hat bei ihrer letzten Sitzung des Jahres 2025 die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Der Einlagensatz verharrt bei 2,0 Prozent. Präsidentin Christine Lagarde betonte in der Pressekonferenz, dass die Inflation nahe am Zielwert liege und die Wirtschaft trotz schwieriger Bedingungen widerstandsfähig sei. Alle Details zur Entscheidung und den neuen Prognosen.
EZB lässt Zinsen unverändert – vierte Zinspause in Folge
Die Europäische Zentralbank hat am 18. Dezember 2025 beschlossen, alle drei Leitzinsen unverändert zu belassen. Damit setzt die Notenbank ihren Kurs der „ruhigen Hand“ fort, den sie bereits im Juli, September und Oktober eingeschlagen hatte.
| Leitzins | Aktueller Satz | Bedeutung |
|---|---|---|
| Einlagensatz | 2,00 % | Zinsen für Bankeinlagen bei der EZB |
| Hauptrefinanzierungssatz | 2,15 % | Zinsen für kurzfristige Kredite |
| Spitzenrefinanzierungssatz | 2,40 % | Zinsen für Übernacht-Kredite |
Die Entscheidung war von Ökonomen und Marktteilnehmern einstimmig erwartet worden. Alle von Bloomberg befragten Volkswirte hatten mit unveränderten Zinsen gerechnet.
Was sagt die EZB zur aktuellen Lage?
In ihrer offiziellen Erklärung betonte die EZB mehrere zentrale Punkte:
Als Gründe für die Widerstandsfähigkeit der Eurozone nannte die Notenbank den robusten Arbeitsmarkt, solide Bilanzen im privaten Sektor und die Wirkung der vergangenen Leitzinssenkungen. Der Ausblick bleibe jedoch von Unsicherheit geprägt – insbesondere durch globale Handelskonflikte und geopolitische Spannungen.
Wie lauten die neuen EZB-Prognosen?
Die Dezember-Sitzung brachte aktualisierte makroökonomische Projektionen der EZB-Experten. Erstmals enthalten die Prognosen auch das Jahr 2028.
| Jahr | Inflation (HVPI) | BIP-Wachstum |
|---|---|---|
| 2025 | 2,1 % | 1,2 % |
| 2026 | 1,9 % | ca. 1,5 % |
| 2027 | 1,8 % | ca. 1,5 % |
| 2028 | ca. 2,0 % | ca. 1,5 % |
Die Inflation steuert damit laut EZB auf eine Phase der Stabilisierung zu. Die Gesamtteuerungsrate soll sich mittelfristig beim Zielwert von 2 Prozent einpendeln.
Was sagte Lagarde in der Pressekonferenz?
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erläuterte um 14:45 Uhr die Hintergründe der Entscheidung. Zentrale Aussagen:
• Die Handelsspannungen haben nachgelassen, aber ein volatiles Umfeld bleibt ein Risiko
• Der Inflationsausblick ist weiterhin unsicherer als gewöhnlich
• Ein stärkerer Euro könnte die Inflation senken
• Das Lohnwachstum wird in den kommenden Quartalen nachlassen
• Das globale Umfeld dürfte vorerst eine Belastung bleiben
Lagarde bekräftigte den datenabhängigen Ansatz der EZB: Die Festlegung des geldpolitischen Kurses erfolge von Sitzung zu Sitzung. Die Notenbank lege sich nicht im Voraus auf einen bestimmten Zinspfad fest.
Warum hält die EZB die Zinsen stabil?
Die EZB sieht mehrere Gründe für die anhaltende Zinspause:
Die Inflation lag im November 2025 bei 2,2 Prozent im Jahresvergleich – nahe am Zielwert von 2 Prozent. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel betrug 2,4 Prozent. Die Dienstleistungsinflation bleibt mit rund 4 Prozent allerdings erhöht.
Die Wirtschaft der Eurozone zeigt trotz Gegenwinds Widerstandsfähigkeit. Das BIP-Wachstum im dritten Quartal 2025 fiel stärker aus als erwartet. Die Stimmungsindikatoren deuten auf eine anhaltende Stabilität hin.
Die Geldpolitik befindet sich nach Einschätzung der EZB-Ratsmitglieder an einem „guten Punkt“. Mit acht Zinssenkungen von Juni 2024 bis Juni 2025 wurde der Einlagensatz von 4,0 auf 2,0 Prozent halbiert – das als neutral geltende Niveau.
Kommt 2026 eine Zinserhöhung?
Die Aussichten für die Zinspolitik 2026 haben sich verschoben. Während viele Analysten noch vor Wochen weitere Zinssenkungen erwarteten, preisen die Geldmärkte inzwischen höhere Zinsen für Ende 2026 ein.
Die als geldpolitische Hardlinerin bekannte Schnabel hatte zuletzt eine Zinserhöhung als möglichen nächsten Schritt ins Spiel gebracht. Der Anteil der Analysten, die 2026 mit einer Zinserhöhung rechnen, ist laut Umfragen von 30 auf 60 Prozent gestiegen.
Die Gründe für den Stimmungsumschwung: Die Inflation im Dienstleistungssektor und das Lohnwachstum fielen stärker aus als erwartet. Zudem wird die Wirtschaft expansiver – fiskalische Impulse, etwa aus Deutschland, könnten das Wachstum ankurbeln.
Wie reagierten die Märkte?
Die Finanzmärkte nahmen die erwartete Zinspause gelassen auf. Der DAX notierte vor der Entscheidung leicht im Plus. Der Euro zeigte sich gegenüber dem US-Dollar stabil mit positiver Tendenz.
An den Anleihemärkten waren die Renditen zuletzt gestiegen – ein Zeichen dafür, dass Investoren weniger Zinssenkungen und möglicherweise sogar Zinserhöhungen einpreisen.
Wann tagt die EZB als nächstes?
Die nächste geldpolitische Sitzung des EZB-Rats findet am 5. Februar 2026 statt. Auch dort wird eine Zinspause erwartet. Die weiteren Termine im Jahr 2026:
| Datum 2026 | Anmerkung |
|---|---|
| 5. Februar | Erste Sitzung des Jahres |
| 19. März | Mit neuen Projektionen |
| 30. April | – |
| 11. Juni | Mit neuen Projektionen |
Was bedeutet das für Sparer und Kreditnehmer?
Die Zinspause hat unterschiedliche Auswirkungen:
Sparer können weiterhin von attraktiven Tages- und Festgeldzinsen profitieren. Die Zinsen für Spareinlagen dürften vorerst stabil bleiben. Wer längerfristig anlegen möchte, sollte bedenken, dass Zinserhöhungen 2026 möglich sind.
Kreditnehmer profitieren davon, dass die Kreditzinsen nicht weiter sinken, aber auch nicht steigen. Die durchschnittlichen Zinsen für Unternehmenskredite liegen aktuell bei etwa 3,5 Prozent, für Immobilienkredite bei rund 3,3 Prozent. Die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen zieht laut EZB-Daten bereits an.
Häufig gestellte Fragen zur EZB-Zinsentscheidung
Fazit: EZB in Wartestellung – Zinswende 2026 möglich
Die EZB Zinsentscheidung vom 18. Dezember 2025 bestätigt den Status quo: Mit einem Einlagensatz von 2,0 Prozent befindet sich die Geldpolitik nach Einschätzung der Notenbank an einem „guten Punkt“. Die Inflation nähert sich dem Zielwert, die Wirtschaft zeigt Widerstandsfähigkeit. Für 2026 verschiebt sich der Fokus von möglichen Zinssenkungen hin zu potenziellen Zinserhöhungen – abhängig von der weiteren Entwicklung bei Inflation und Wachstum.
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Redaktion Rathausnachrichten | Wirtschaft & Finanzen
Die Redaktion berichtet über aktuelle Entwicklungen in der Geldpolitik und deren Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft.






