đ Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 12.12.2025
Berlin â GefĂ€lschte Tonerkartuschen haben Amazon und Brother ĂŒber Jahre MillionenschĂ€den verursacht. Jetzt schlĂ€gt die Justiz zurĂŒck: Das Landgericht Berlin verurteilte ein organisiertes FĂ€lschernetzwerk zu 500.000 Euro Schadenersatz. Der Fall zeigt, wie professionell Produktpiraten in Deutschland agieren â und wie Verbraucher sich vor gefĂ€lschtem Druckerzubehör schĂŒtzen können.
Das Wichtigste zum Prozess gegen die Kartuschen-Mafia
Der Fall auf einen Blick:
- Urteil: 500.000 Euro Schadenersatz an Brother
- Streitwert: 2,2 Millionen Euro
- Beklagte: 18 Personen und Firmen
- KlÀger: Amazon und Brother (Klage seit 2022)
- Gericht: Landgericht Berlin
- Urteilsdatum: 1. Juli 2025
- Umsatz der FĂ€lscher: Ca. 3,5 Millionen Euro pro Quartal
GefÀlschte Tonerkartuschen: So funktionierte das Betrugssystem
Das nun verurteilte FĂ€lschernetzwerk operierte mit erschreckender ProfessionalitĂ€t. Die TĂ€ter kauften systematisch leere Original-Tonerkartuschen von Brother auf und befĂŒllten diese mit minderwertigem Tonerpulver. AnschlieĂend verkauften sie die Produkte ĂŒber Amazon als vermeintliche Originale zu Premiumpreisen.
ZusĂ€tzlich brachten die FĂ€lscher komplett nachgemachte Kartuschen in Umlauf. Diese waren Ă€uĂerlich kaum von echten Brother-Produkten zu unterscheiden, enthielten jedoch minderwertige Materialien. Das Landgericht Berlin stellte fest, dass die VerkĂ€ufer âzumindest fahrlĂ€ssig gehandelt“ hĂ€tten.
Chronologie des Falls
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 2019 | Erste Durchsuchungen in Berlin, groĂe Mengen gefĂ€lschte Kartuschen beschlagnahmt |
| 2021 | Amazon und Brother starten Zusammenarbeit mit Counterfeit Crimes Unit |
| 2022 | Klage gegen 18 Personen und Firmen eingereicht |
| Februar 2024 | GroĂrazzia: 18 GeschĂ€ftsrĂ€ume, Callcenter und Wohnungen durchsucht |
| 1. Juli 2025 | Urteil: 500.000 Euro Schadenersatz |
| 11. Dezember 2025 | Urteil wird öffentlich bekannt |
Razzia 2024: Polizei zerschlÀgt organisiertes FÀlschernetzwerk
Im Februar 2024 gingen Polizei und Staatsanwaltschaft mit einer GroĂrazzia gegen das Netzwerk vor. Die Ermittler durchsuchten 18 GeschĂ€ftsrĂ€ume, Callcenter und Wohnungen in Berlin und im Umland. Bei der Aktion beschlagnahmten sie umfangreiches FĂ€lschungsmaterial, Produktionswerkzeuge und Bargeld in sechsstelliger Höhe.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erwirtschaftete das Netzwerk einen vierteljĂ€hrlichen Umsatz von rund 3,5 Millionen Euro mit gefĂ€lschten Druckerpatronen und Tonerkartuschen. Das Geld floss ĂŒber ungarische Strohleute und deutsche Konten an die Bande. Amazon sprach in einer Mitteilung von einem âorganisierten FĂ€lschernetzwerk in Deutschland“.
đĄ Gut zu wissen: Der Betrug wurde durch Anzeigen von Brother und Amazon aufgedeckt. TestkĂ€ufe bestĂ€tigten den Verdacht. Die Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Amazons Counterfeit Crimes Unit (CCU) lĂ€uft bereits seit 2021.
Urteil: Was die FĂ€lscher nun zahlen mĂŒssen
Das Landgericht Berlin verurteilte die Beklagten nicht nur zur Zahlung von 500.000 Euro Schadenersatz an Brother. Das Urteil enthĂ€lt weitere weitreichende Auflagen fĂŒr die verurteilten Personen und Firmen:
| Auflage | Details |
|---|---|
| Schadenersatz | 500.000 Euro an Brother |
| Weitere SchÀden | Ersatz weiterer SchÀden an Brother und Amazon |
| Vertriebsverbot | Untersagung des Vertriebs nachgefĂŒllter Kartuschen |
| Herausgabe | Abgabe aller noch vorhandenen gefÀlschten Produkte |
| Auskunftspflicht | Offenlegung von Herkunft und Vertriebswegen |
FĂŒr einen Teil der Beklagten ist das Urteil bereits rechtskrĂ€ftig, fĂŒr andere noch nicht. Das Gericht betonte in seiner BegrĂŒndung, dass gewerbliche EinkĂ€ufer angesichts der weiten Verbreitung von Piraterieware beim Einkauf von Markenwaren regelmĂ€Ăig deren Echtheit ĂŒberprĂŒfen mĂŒssten.
GefÀlschte Tonerkartuschen erkennen: 5 wichtige Tipps
Verbraucher können sich vor gefĂ€lschten Druckerkartuschen schĂŒtzen. Die Imaging Supplies Coalition (ISC) schĂ€tzt den weltweiten Schaden durch gefĂ€lschte Tintenpatronen und Tonerkartuschen auf ĂŒber 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Diese Merkmale helfen bei der Erkennung von FĂ€lschungen:
| Merkmal | Worauf achten? |
|---|---|
| 1. Hologramm prĂŒfen | Original-Kartuschen haben holografische Sicherheitsetiketten |
| 2. QR-Code scannen | FĂŒhrt zur Validierungsseite des Herstellers |
| 3. Verpackung kontrollieren | Rechtschreibfehler, minderwertige DruckqualitÀt, beschÀdigte Siegel |
| 4. Preis hinterfragen | Unrealistisch gĂŒnstige Angebote sind verdĂ€chtig |
| 5. Autorisierte HĂ€ndler nutzen | Kauf beim Hersteller oder zertifizierten Partnern |
Risiken gefĂ€lschter Druckerpatronen fĂŒr Verbraucher
GefĂ€lschte Tonerkartuschen sind nicht nur ein rechtliches Problem fĂŒr Hersteller. Verbraucher riskieren bei der Verwendung von FĂ€lschungen erhebliche Nachteile und SchĂ€den:
Die DruckqualitÀt leidet oft erheblich unter minderwertigem Tonerpulver. Schlieren, Streifen und verblasste Ausdrucke sind hÀufige Folgen. Tests von Buyers Lab zeigen, dass Original-Tintenpatronen im Vergleich zu FÀlschungen bis zu 50 Prozent mehr Seiten ausdrucken. Zudem versagten 40 Prozent der getesteten FÀlschungen bereits zu Beginn oder wÀhrend des Tests.
Besonders kritisch: GefĂ€lschte Kartuschen können den Drucker beschĂ€digen. Fehlen gerĂ€te- und herstellerspezifische Additive in der Tinte, leiden die Bauteile, die direkt mit der Kartusche in Kontakt kommen. Im schlimmsten Fall wird der Drucker irreparabel beschĂ€digt â und die Herstellergarantie greift bei FĂ€lschungsschĂ€den nicht.
Alternative Kartuschen: Legal oder FĂ€lschung?
Das Urteil betrifft ausdrĂŒcklich nur FĂ€lschungen, die als Brother-Originale verkauft wurden. GĂŒnstigere Alternativ-Kartuschen von Drittherstellern fĂŒr Brother-GerĂ€te sind weiterhin legal erhĂ€ltlich â auch ĂŒber Amazon. Der Unterschied liegt in der Kennzeichnung:
Legal: Kompatible Kartuschen, die als Fremdprodukt gekennzeichnet sind
Legal: WiederbefĂŒllte Originalpatronen mit transparenter Kennzeichnung
Illegal: GefÀlschte Produkte mit nachgemachtem Markenlogo
Illegal: NachfĂŒllungen, die als Originale verkauft werden
HĂ€ufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist beim Amazon Brother Prozess passiert?
Das Landgericht Berlin verurteilte 18 Personen und Firmen wegen des Verkaufs gefĂ€lschter Brother-Tonerkartuschen ĂŒber Amazon. Die Beklagten mĂŒssen 500.000 Euro Schadenersatz an Brother zahlen und dĂŒrfen keine nachgefĂŒllten Kartuschen mehr vertreiben. Der Streitwert lag bei 2,2 Millionen Euro. Das Urteil erging am 1. Juli 2025.
Wie erkenne ich gefÀlschte Tonerkartuschen?
Achten Sie auf holografische Sicherheitsetiketten und scannen Sie den QR-Code auf der Verpackung. Dieser fĂŒhrt zur Validierungsseite des Herstellers. Rechtschreibfehler auf der Verpackung, minderwertige DruckqualitĂ€t und unrealistisch gĂŒnstige Preise sind Warnsignale. Kaufen Sie im Zweifel beim Hersteller oder autorisierten HĂ€ndlern.
Sind gĂŒnstige Alternativ-Kartuschen auch gefĂ€lscht?
Nicht unbedingt. GĂŒnstige kompatible Kartuschen von Drittherstellern sind legal, solange sie nicht als Originalprodukte gekennzeichnet werden. Das Urteil betrifft nur FĂ€lschungen, die als Brother-Originale verkauft wurden. Achten Sie auf eine transparente Kennzeichnung des Herstellers.
Welche SchÀden können gefÀlschte Kartuschen verursachen?
GefÀlschte Tonerkartuschen können minderwertige DruckqualitÀt liefern, weniger Seiten ausdrucken und im schlimmsten Fall den Drucker beschÀdigen. Fehlen spezielle Additive im Toner, leiden die Bauteile des Druckers. Bei SchÀden durch FÀlschungen greift die Herstellergarantie nicht.
Was kann ich tun, wenn ich gefÀlschte Kartuschen gekauft habe?
Reklamieren Sie das Produkt beim VerkĂ€ufer und informieren Sie den Hersteller. Brother bietet eine Produktverifizierungsseite, auf der Sie die Echtheit prĂŒfen können. Melden Sie verdĂ€chtige Angebote auch an Amazon oder den jeweiligen Marktplatz. Bei Verdacht auf Betrug können Sie Strafanzeige erstatten.
Wie groĂ ist der Markt fĂŒr gefĂ€lschte Druckerpatronen?
Die Imaging Supplies Coalition (ISC) schĂ€tzt den weltweiten Schaden durch gefĂ€lschte Tintenpatronen und Tonerkartuschen auf ĂŒber 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Der gesamte Markt fĂŒr ProduktfĂ€lschungen belĂ€uft sich laut OECD auf 158 Milliarden Euro jĂ€hrlich.
Fazit: Erfolg fĂŒr den Kampf gegen Produktpiraterie
Das Urteil des Landgerichts Berlin ist ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen gefĂ€lschte Tonerkartuschen und Produktpiraterie in Deutschland. Die enge Zusammenarbeit von Amazon, Brother und den Ermittlungsbehörden hat zur Zerschlagung eines organisierten FĂ€lschernetzwerks gefĂŒhrt, das ĂŒber Jahre hinweg MillionenumsĂ€tze mit gefĂ€lschten Druckerprodukten erwirtschaftete.
FĂŒr Verbraucher bleibt die Botschaft klar: Wer beim Druckerzubehör auf SchnĂ€ppchen aus ist, sollte genau hinschauen. Hologramme, QR-Codes und der Kauf bei autorisierten HĂ€ndlern schĂŒtzen vor FĂ€lschungen â und vor möglichen SchĂ€den am eigenen Drucker.
Dieser Artikel wird aktualisiert, sobald neue Informationen vorliegen.
Ăber den Autor
Redaktion Rathausnachrichten | Verbraucherschutz & Recht
Unser Redaktionsteam berichtet ĂŒber aktuelle Urteile, Verbraucherwarnungen und Entwicklungen im Bereich Produktpiraterie und Verbraucherschutz.
Quellen: heise online, Tagesspiegel, Brother Deutschland






