📖 Lesezeit: 5 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 5. Januar 2026
Robert Crumbach verlässt BSW: Brandenburgs Koalition vor dem Aus
Robert Crumbach, Brandenburgs Vize-Ministerpräsident und Finanzminister, ist am 5. Januar 2026 aus dem BSW und der Landtagsfraktion ausgetreten. Der frühere BSW-Landeschef bittet um Aufnahme in die SPD-Fraktion. Damit steht die einzige SPD/BSW-Koalition Deutschlands vor dem Aus – und der Weg für eine neue Regierung aus SPD und CDU ist frei.
⚡ Crumbach-Austritt – Auf einen Blick:
• Wer: Robert Crumbach (63), Vize-Ministerpräsident und Finanzminister Brandenburg
• Was: Austritt aus BSW und Landtagsfraktion, bittet um Aufnahme in SPD-Fraktion
• Warum: Interne Konflikte, „Das ist nicht mehr meine Partei“
• Folge: SPD + CDU hätten jetzt eine Mehrheit (45 von 88 Sitzen)
• Ausblick: Koalitionsgespräche SPD-CDU erwartet
„Das ist nicht mehr meine Partei“ – Crumbachs Abrechnung mit dem BSW
Am Montagnachmittag trat Robert Crumbach in Potsdam vor die Presse und erklärte seinen sofortigen Austritt aus dem Bündnis Sahra Wagenknecht. „Der Schritt ist unausweichlich, um weiteren Schaden für das Land Brandenburg abzuwenden“, sagte der 63-Jährige.
Crumbach übte scharfe Kritik an seiner bisherigen Partei und Fraktion: „Seit mehreren Monaten stehen anhaltende interne Auseinandersetzungen über Kurs, Ausrichtung und Selbstverständnis im Vordergrund. Diese Konflikte konnten nicht gelöst werden.“
Besonders schwer wiege, so der Minister, „dass Teile der Partei und der Fraktion nicht bereit oder nicht in der Lage sind, gestaltende Regierungsverantwortung zu übernehmen“. Statt konstruktiver Sacharbeit werde versucht, „Oppositionspolitik aus der Regierung heraus zu betreiben – durch Blockade, öffentliche Distanzierung und Kritik ohne eigenen Gestaltungsanspruch“.
💬 Crumbach im O-Ton:
„Eine weitere Mitgliedschaft in einer Partei, die demokratische Institutionen pauschal herabwürdigt, interne Konflikte eskaliert und politische Ausgrenzung fordert, ist mit meinem Amtsverständnis, meinem Amtseid als Minister sowie meinem zuvor geleisteten Amtseid als Richter nicht vereinbar.“
Streitpunkt Rundfunkreform: BSW-Fraktion gegen den eigenen Minister
Der Konflikt zwischen Crumbach und der BSW-Fraktion eskalierte im November 2025 endgültig. Damals stimmte Crumbach im Landtag für die Rundfunkreform und den Reformstaatsvertrag der öffentlich-rechtlichen Sender – die Mehrheit der BSW-Fraktion lehnte das Gesetz ab.
Mit den Stimmen von SPD, CDU und Crumbach wurde der Reformstaatsvertrag trotzdem verabschiedet. Die BSW-Fraktion kritisierte ihren eigenen Finanzminister daraufhin öffentlich scharf. Crumbach warnte seine Partei, „nicht zur Linke 2.0 zu werden“.

Der Streit verschärfte sich in den Wochen danach weiter. Eine Mehrheit der BSW-Fraktion forderte laut Crumbach, „Unordnung aufzuräumen“ – was er als Versuch einer „Parteisäuberung“ interpretierte.
Was bedeutet der Austritt für Brandenburgs Regierung?
Der Schritt verändert die politischen Verhältnisse im Landtag Brandenburg grundlegend:
| Fraktion | Sitze vorher | Sitze nachher |
|---|---|---|
| SPD | 32 | 33 (mit Crumbach) |
| AfD | 30 | 30 |
| BSW | 14 | 13 (ohne Crumbach) |
| CDU | 12 | 12 |
Neue Mehrheitsverhältnisse:
- Bisherige Koalition (SPD + BSW): 46 Sitze → jetzt nur noch 45 (weiter wackelig)
- Neue Option (SPD + CDU + Crumbach): 45 Sitze → erstmals eine Mehrheit!
- Für Mehrheit benötigt: 45 von 88 Sitzen
„Ich gehe davon aus, dass die SPD mit der CDU Koalitionsgespräche führen wird“, sagte Crumbach. „Die Geschäftsgrundlage für die bisherige Koalition ist heute weggefallen.“
Weitere BSW-Austritte am Dienstag möglich
Der Schritt könnte weitere Abgeordnete nach sich ziehen. Bereits im November 2024 waren vier BSW-Abgeordnete aus der Partei ausgetreten und hatten „autoritäre Tendenzen“ im BSW beklagt:
- Melanie Matzies und Reinhard Simon kehrten später wieder ein
- Jouleen Gruhn (Landtagsvizepräsidentin) und André von Ossowski blieben ausgetreten, sind aber noch in der BSW-Fraktion
Am Dienstag könnten Gruhn und Ossowski ebenfalls die BSW-Fraktion verlassen. Beide unterstützen die Koalition mit der SPD und könnten in die SPD-Fraktion oder zur CDU wechseln. Damit hätte eine SPD/CDU-Koalition eine stabilere Mehrheit von bis zu 47 Sitzen.
Jouleen Gruhn reagierte positiv auf Crumbachs Austritt: „Er hat Verantwortung übernommen und das Land vor persönliche und Parteiinteressen gestellt.“
Wer ist Robert Crumbach?
Robert Crumbach wurde am 3. November 1962 im niederländischen Heerlen geboren und wuchs in Rheinland-Pfalz bei Trier auf. Der Jurist war 33 Jahre lang Arbeitsrichter in Brandenburg, bevor er 2024 in die Politik wechselte.
| Lebenslauf Robert Crumbach | |
|---|---|
| Geboren | 3. November 1962, Heerlen (Niederlande) |
| Familienstand | Verwitwet (Ehefrau starb 2018), 2 Kinder |
| Beruf | Arbeitsrichter (1991–2024) |
| SPD-Mitgliedschaft | Rund 40 Jahre (bis 2024) |
| BSW-Landesvorsitz | Mai 2024 – Juli 2025 |
| Minister seit | 11. Dezember 2024 |
Crumbach war rund 40 Jahre Mitglied der SPD, führte einen Ortsverein in Potsdam und arbeitete für die SPD-Landtagsfraktion. 2024 wechselte er zum neu gegründeten BSW – aus Unzufriedenheit mit der SPD-Position zum Ukraine-Krieg und der Abkehr von Arbeitnehmerinteressen, wie er sagte.
Innerhalb weniger Monate wurde Crumbach zum BSW-Landesvorsitzenden, Spitzenkandidaten und nach der Landtagswahl im September 2024 zum Fraktionschef gewählt. Mit der Regierungsbildung im Dezember 2024 wurde er Finanzminister und Vize-Ministerpräsident.
Wie geht es jetzt weiter?
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hatte vor dem Jahreswechsel ein Ultimatum an das BSW gestellt: Alle 14 Abgeordneten sollten sich zur Koalition bekennen. Das BSW lehnte ein solches Treuebekenntnis ab.
Jetzt liegt der Ball bei Woidke:
- Option 1: Koalitionsgespräche mit der CDU aufnehmen
- Option 2: Versuchen, die SPD/BSW-Koalition mit Überläufern zu retten
- Option 3: Minderheitsregierung mit wechselnden Mehrheiten
Crumbach selbst erklärte, er werde nicht Teil einer „Parlamentsgruppe ehemaliger BSW-Abgeordneter“ sein. Die Entscheidung, ob er sein Ministeramt weiter ausübe, liege „allein in der Hand des Ministerpräsidenten“.
SPD-Fraktionschef Björn Lüttmann und SPD-Generalsekretär Kurt Fischer wollten sich am Nachmittag zur Lage äußern.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist Robert Crumbach aus dem BSW ausgetreten?
Crumbach nennt unüberbrückbare interne Konflikte als Grund. Er kritisiert, dass Teile der BSW-Fraktion „Oppositionspolitik aus der Regierung heraus“ betreiben würden. Der Streit eskalierte im November 2025, als Crumbach für die Rundfunkreform stimmte – gegen die Mehrheit seiner Fraktion.
Was bedeutet der Austritt für Brandenburgs Regierung?
Die SPD/BSW-Koalition verliert ihre sichere Mehrheit. Erstmals hätte eine Koalition aus SPD und CDU mit Crumbachs Stimme eine eigene Mehrheit von 45 Sitzen im Landtag. Crumbach geht davon aus, dass SPD und CDU Koalitionsgespräche aufnehmen werden.
Bleibt Crumbach Finanzminister?
Das ist noch offen. Crumbach sagte, die Entscheidung über sein Ministeramt liege allein beim Ministerpräsidenten Dietmar Woidke. Er will als parteiloser Abgeordneter in die SPD-Fraktion aufgenommen werden, plant aber vorerst keinen SPD-Eintritt.
Wer ist Robert Crumbach?
Robert Crumbach (63) ist Jurist und war 33 Jahre Arbeitsrichter in Brandenburg. Er war 40 Jahre SPD-Mitglied, wechselte 2024 zum BSW und wurde sofort Landesvorsitzender. Nach der Landtagswahl 2024 wurde er Finanzminister und Vize-Ministerpräsident in der SPD/BSW-Koalition.
Drohen weitere BSW-Austritte?
Ja, am Dienstag könnten die parteilosen Abgeordneten Jouleen Gruhn und André von Ossowski auch die BSW-Fraktion verlassen. Beide waren im November 2024 aus dem BSW ausgetreten, blieben aber bisher in der Fraktion. Sie könnten zur SPD oder CDU wechseln.
Fazit: BSW-Krise erreicht neuen Höhepunkt
Der Austritt von Robert Crumbach aus dem BSW ist ein Paukenschlag für die Brandenburger Landespolitik. Der frühere Landesvorsitzende und wichtigste BSW-Politiker des Bundeslandes wirft seiner eigenen Partei vor, nicht regierungsfähig zu sein. Die einzige SPD/BSW-Koalition Deutschlands steht vor dem Aus – und für Ministerpräsident Woidke öffnet sich erstmals die Option einer Koalition mit der CDU.
Dieser Artikel wird bei neuen Entwicklungen aktualisiert.
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Redaktion Rathausnachrichten | Politik
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