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Die nächtliche Schließung des Görlitzer Parks in Berlin-Kreuzberg hat das Drogenproblem nicht gelöst, sondern in die umliegenden Wohnhäuser verlagert. Seit dem 24.04.2026 ist die Situation so angespannt, dass verängstigte Anwohner sich im Stich gelassen fühlen und zur Selbsthilfe greifen. Sie haben eine Art private „Haus-Polizei“ gegründet, um sich gegen Dealer und Gewalt in ihren eigenen Hausfluren zu wehren.
- Problemverlagerung: Seit der Görlitzer Park nachts geschlossen ist, weichen Drogenhändler und -konsumenten in die umliegenden Wohnhäuser aus.
- Angst der Mieter: Anwohner berichten von Dealern in Hausfluren und Kellern, Gewaltandrohungen und sichern ihre Wohnungstüren mit zusätzlichen Riegeln und Kameras.
- Gründung „Haus-Polizei“: Aus Ohnmacht und Angst haben betroffene Mieter eine Art Bürgerwehr gegründet, um für mehr Sicherheit in ihren Wohnanlagen zu sorgen, wie die BILD berichtet.
Die von Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU) durchgesetzte nächtliche Schließung des als Drogen-Hotspot bekannten Görlitzer Parks sollte für mehr Sicherheit sorgen. Doch die Realität für die Anwohner in den angrenzenden Kreuzberger Kiezen sieht anders aus. Das Problem hat sich lediglich verlagert – von der öffentlichen Parkanlage in die privaten und halb-öffentlichen Räume der umliegenden Wohnkomplexe.
Nächtliche Schließung als Ursache der Verlagerung
Die Maßnahme, die Zugänge zum Görlitzer Park während der Nachtstunden zu sperren, war Teil eines größeren Sicherheitskonzepts des Berliner Senats. Ziel war es, den Drogenhandel und die damit verbundene Kriminalität einzudämmen. Kritiker, darunter die Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, Clara Herrmann (Grüne), warnten jedoch von Anfang an vor einer reinen Verdrängung der Probleme. Diese Befürchtungen scheinen sich nun auf dramatische Weise zu bewahrheiten. Anstatt das Drogenproblem an der Wurzel zu packen, wurde es lediglich aus dem öffentlichen Blickfeld in die Hausflure der Anwohner verschoben.
Anwohner in Angst: „Unser Hausflur ist der neue Görli“
Die Lebensqualität der Mieter rund um den Park hat sich drastisch verschlechtert. Laut einem Bericht der BILD-Zeitung haben viele ihre Wohnungstüren mit massiven Metallriegeln und zusätzlichen Schlössern gesichert. Überwachungskameras und Pfefferspray gehören für einige zum Alltag. Die Hausflure, Keller und Treppenhäuser werden von Dealern und Drogenabhängigen als Rückzugsorte genutzt. Anwohner berichten von offenem Drogenkonsum, Vermüllung, Lärm und Bedrohungen. Die Angst, abends das eigene Haus zu betreten oder den Müll in den Keller zu bringen, ist allgegenwärtig.
Die „Haus-Polizei“ als verzweifelte Reaktion
Weil sich die Bewohner von der offiziellen Politik und der Polizei im Stich gelassen fühlen, haben sie nun die Initiative ergriffen. Sie gründeten eine sogenannte „Haus-Polizei“. Dabei handelt es sich um eine Art organisierte Nachbarschaftswache. In Gruppen gehen sie durch die Häuser, um Präsenz zu zeigen und Dealer sowie Konsumenten aus den Fluren zu vertreiben. Es ist ein Akt der Verzweiflung, der die Ohnmacht der Menschen vor Ort verdeutlicht. Sie sehen keine andere Möglichkeit mehr, die Sicherheit für sich und ihre Familien zu gewährleisten. Dieser Schritt wirft jedoch auch kritische Fragen zur Rolle des Staates und dem Gewaltmonopol auf, das bei der Berliner Polizei liegt.
Politik in der Kritik: Fehlende Konzepte für Kreuzberg
Die Gründung einer Bürgerwehr im Herzen Berlins ist ein alarmierendes Signal für das Versagen der bisherigen Drogenpolitik. Während der Senat die Schließung des Parks als Erfolg für die öffentliche Sicherheit verbuchen mag, zahlen die direkten Anwohner den Preis. Die Situation verdeutlicht, dass repressive Maßnahmen wie Zäune und Schließungen allein keine Lösung sind. Experten und lokale Politiker fordern seit langem einen ganzheitlichen Ansatz, der soziale Arbeit, Suchthilfe und Präventionsangebote in den Vordergrund stellt. Der Fall zeigt, dass ohne flankierende soziale Maßnahmen das politische Ringen um Sicherheit in Berlin zu Lasten der Schwächsten geht.
Häufig gestellte Fragen
Warum wurde der Görlitzer Park nachts geschlossen?
Die Schließung wurde vom Berliner Senat am 24.04.2026 beschlossen, um den Drogenhandel und die hohe Zahl an Gewaltdelikten, die sich insbesondere nachts im Park ereigneten, einzudämmen und die öffentliche Sicherheit zu erhöhen.
Was genau macht die „Haus-Polizei“ der Anwohner?
Es handelt sich um eine Nachbarschaftsinitiative. Anwohner patrouillieren in den Gemeinschaftsbereichen ihrer Wohnhäuser, um durch Präsenz Dealer zu vertreiben und verdächtige Aktivitäten direkt der Polizei zu melden. Sie haben keine polizeilichen Befugnisse.
Ist die Gründung einer solchen Bürgerwehr legal?
Das Beobachten des eigenen Wohnumfelds und das Rufen der Polizei sind legal. Jedoch dürfen solche Gruppen keine polizeilichen Aufgaben übernehmen oder Gewalt anwenden. Das Gewaltmonopol liegt ausschließlich beim Staat. Das Überschreiten dieser Grenzen kann strafrechtliche Konsequenzen haben, wie das Strafgesetzbuch (StGB) regelt.
Fazit
Die Gründung einer „Haus-Polizei“ durch Anwohner belegt, dass das Görlitzer Park Drogenproblem durch die nächtliche Schließung nicht gelöst, sondern nur verlagert wurde. Die Situation in den Kreuzberger Wohnhäusern zeigt, dass die Sicherheitspolitik des Senats direkt in den privaten Lebensraum der Bürger eingreift. Eine nachhaltige Lösung erfordert dringend sozialpolitische und gesundheitliche Strategien anstelle von reinen Verdrängungsmaßnahmen.



