📖 Lesezeit: 8 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 18.12.2025
Mars – unser roter Nachbarplanet fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden. Im Jahr 2025 haben Wissenschaftler bahnbrechende Entdeckungen gemacht: Blitze in Staubteufeln, Hinweise auf ein einst tropisches Klima und die erste exakte Berechnung der Zeitdifferenz zwischen Erde und Mars. Gleichzeitig kämpft die NASA mit dem Kontaktverlust zur MAVEN-Sonde. Ein Überblick über den aktuellen Stand der Marsforschung.
Was ist der Mars?
Der Mars ist der vierte Planet unseres Sonnensystems von der Sonne aus gesehen. Mit einem Durchmesser von etwa 6.779 Kilometern ist er nur halb so groß wie die Erde. Seine charakteristische rote Färbung verdankt er dem Eisenoxid – umgangssprachlich Rost – auf seiner Oberfläche.
| Eigenschaft | Mars | Erde (Vergleich) |
|---|---|---|
| Durchmesser | 6.779 km | 12.742 km |
| Entfernung zur Sonne | 228 Mio. km | 150 Mio. km |
| Tageslänge (Sol) | 24 h 37 min | 24 h |
| Jahreslänge | 687 Erdtage | 365 Tage |
| Monde | 2 (Phobos, Deimos) | 1 (Mond) |
| Gravitation | 3,7 m/s² (38 %) | 9,8 m/s² (100 %) |
| Temperatur | -87 bis -5 °C | -89 bis +57 °C |
Der Mars besitzt zwei kleine Monde: Phobos und Deimos. Beide wurden 1877 vom amerikanischen Astronomen Asaph Hall entdeckt. Phobos umkreist den Mars so nah, dass er – anders als unser Mond – im Westen aufgeht und im Osten untergeht.
Welche aktuellen Entdeckungen gibt es auf dem Mars?
Das Jahr 2025 brachte mehrere wissenschaftliche Durchbrüche in der Marsforschung.
Blitze in Staubteufeln entdeckt
Eine Sensation: Der NASA-Rover Perseverance hat erstmals Blitze auf dem Mars nachgewiesen. Die elektrischen Entladungen entstehen in wirbelnden Staubteufeln, wenn Sandkörner aneinander reiben und sich elektrisch aufladen. Das Mikrofon des Rovers zeichnete charakteristische Knack-Geräusche auf.
Die Entdeckung hat praktische Bedeutung: Elektrische Entladungen könnten zukünftige Raumfahrzeuge und Astronauten gefährden. Schon 1971 landete die sowjetische Mars-3-Sonde während eines Staubsturms – und sendete nur 20 Sekunden lang, bevor sie mysteriös verstummte.
Zeit tickt schneller auf dem Mars
Physiker des amerikanischen National Institute of Standards and Technology (NIST) haben erstmals exakt berechnet, wie schnell die Zeit auf dem Mars vergeht. Das Ergebnis: Uhren auf dem Mars ticken durchschnittlich 477 Mikrosekunden (Millionstel Sekunden) pro Tag schneller als auf der Erde.
Der Grund liegt in Einsteins Relativitätstheorie: Je schwächer die Gravitation, desto schneller vergeht die Zeit. Da die Schwerkraft auf dem Mars nur 38 Prozent der irdischen beträgt, laufen Uhren dort schneller. Diese Erkenntnis ist entscheidend für die Navigation und Kommunikation künftiger Marsmissionen.
Hinweise auf tropisches Klima
Forscher der Purdue University haben weiße Kaolinit-Tongesteine analysiert, die der Rover Perseverance im Jezero-Krater entdeckt hat. Auf der Erde entsteht Kaolinit nur durch jahrmillionenlange Auswaschung in feuchtem, regenreichem Klima – vergleichbar mit tropischen Regionen.
Die Funde deuten darauf hin, dass Teile des Mars vor Milliarden Jahren ein warmes, feuchtes Klima mit starken Niederschlägen besaßen. Der Jezero-Krater enthielt einst einen See von der doppelten Größe des Lake Tahoe.
Warum hat die NASA den Kontakt zu MAVEN verloren?
Am 6. Dezember 2025 verstummte die Mars-Sonde MAVEN (Mars Atmosphere and Volatile Evolution) plötzlich. Die Sonde funktionierte einwandfrei, bevor sie hinter dem Planeten verschwand. Als sie wieder auftauchte, herrschte Funkstille.
MAVEN umkreist den Mars seit September 2014 und untersucht die obere Atmosphäre des Planeten. Die Sonde lieferte den Beweis, dass der Sonnenwind die einst dichte Marsatmosphäre über Milliarden Jahre ins All getragen hat – und den Planeten von einer warmen, feuchten Welt in die kalte Wüste von heute verwandelte.
Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit diente MAVEN als Kommunikationsrelais für die Rover Curiosity und Perseverance. Die NASA arbeitet intensiv daran, den Kontakt wiederherzustellen.
Welche Missionen erforschen den Mars aktuell?
Der Mars ist der einzige Planet, der ausschließlich von Robotern bevölkert wird. Mehrere Missionen sind derzeit aktiv:
| Mission | Typ | Aktiv seit | Aufgabe |
|---|---|---|---|
| Mars Odyssey | Orbiter | 2001 | Kartierung, Kommunikation |
| Mars Express (ESA) | Orbiter | 2003 | Geologie, Atmosphäre |
| Mars Reconnaissance Orbiter | Orbiter | 2006 | Hochauflösende Bilder |
| Curiosity | Rover | 2012 | Geologie, Lebenssuche |
| Perseverance | Rover | 2021 | Probensammlung, Lebenssuche |
| ESCAPADE | Zwei Orbiter | 2025 | Atmosphärenverlust |
Die HiRISE-Kamera des Mars Reconnaissance Orbiter erreichte im Oktober 2025 einen Meilenstein: 100.000 hochauflösende Fotos der Marsoberfläche. Die Kamera kann Objekte von der Größe eines Couchtisches erkennen.
Im November 2025 startete die ESCAPADE-Mission mit zwei Zwillingssonden. Sie sollen in Echtzeit beobachten, wie der Sonnenwind die Marsatmosphäre abträgt – und so erklären, warum der Mars zu einem „toten“ Planeten wurde.
Was zeigt das erste echte Farbbild des Mars?
Die Europäische Weltraumorganisation ESA veröffentlichte im Dezember 2025 das erste „True Color“-Bild des Mars aus der Umlaufbahn. Die Aufnahme der Mars Express-Mission zeigt den Planeten so, wie das menschliche Auge ihn sehen würde.
Das Ergebnis überrascht: Der Mars ist nicht durchgehend rot. Das Mosaik zeigt gedämpfte Grautöne, Gelb, Orange und sogar blasse Blautöne – je nach Mineralzusammensetzung der Oberfläche. Dunkle Regionen deuten auf verwitterte Lavaströme hin, helle Zonen auf tonhaltige Gebiete, die einst mit Wasser in Berührung kamen.
Wann ist der beste Zeitpunkt zur Mars-Beobachtung?
Im Januar 2025 stand der Mars in Opposition – Erde und Mars waren sich besonders nah. Die nächste Opposition findet erst im Februar 2027 statt. Aktuell im Dezember 2025 ist der Mars am Nachthimmel nur eingeschränkt zu beobachten.
• Mit Fernglas: Deutlich als Scheibe erkennbar
• Mit Teleskop (50x): Polkappen und helle/dunkle Regionen sichtbar
• Beste Zeit: Während der Opposition (alle 26 Monate)
• Apps: Star Walk, Sky Tonight zur Positionsbestimmung
Gibt es Leben auf dem Mars?
Die Suche nach Leben ist eines der Hauptziele der Marsforschung. Bisher wurde kein direkter Beweis gefunden – weder für vergangenes noch für aktuelles Leben. Allerdings mehren sich die Hinweise, dass der Mars einst lebensfreundliche Bedingungen bot.
Die Rover Curiosity und Perseverance haben organische Moleküle, Spuren von flüssigem Wasser und habitable Umgebungen nachgewiesen. Ein Bericht der US National Academies von 2025 empfiehlt, künftige Marsmissionen konsequent auf die Suche nach Biosignaturen auszurichten.
Besonders interessant: Forscher haben Skylights entdeckt – Öffnungen in der Marsoberfläche, die in unterirdische Höhlen führen. Dort könnte es wärmer sein und Wassereis geben – potenziell geeignete Bedingungen für mikrobisches Leben.
Wann fliegen Menschen zum Mars?
NASA plant bemannte Marsmissionen für die späten 2030er oder frühen 2040er Jahre. Das Mars Sample Return-Programm soll zuvor Gesteinsproben zur Erde bringen, die der Rover Perseverance bereits gesammelt hat.
Die Herausforderungen sind enorm: Eine Reise zum Mars dauert etwa sieben Monate. Astronauten wären kosmischer Strahlung ausgesetzt, müssten mit der Zeitverzögerung bei der Kommunikation leben und vollständig autark sein. Die NIST-Berechnungen zur Zeitdifferenz sind ein wichtiger Schritt für die Navigation solcher Missionen.
Häufig gestellte Fragen zum Mars
Fazit: Mars bleibt das spannendste Ziel der Raumfahrt
Der Mars fasziniert Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. Die Entdeckungen des Jahres 2025 – Blitze in Staubteufeln, Hinweise auf tropisches Klima und die exakte Zeitberechnung – zeigen, wie viel wir noch über unseren Nachbarplaneten lernen können. Trotz des Kontaktverlusts zu MAVEN arbeiten zahlreiche Missionen weiter daran, die Geheimnisse des Roten Planeten zu entschlüsseln. Die Frage, ob es einst Leben auf dem Mars gab, könnte in den kommenden Jahren beantwortet werden – spätestens wenn die gesammelten Proben zur Erde zurückkehren.
Über den Autor
Redaktion Rathausnachrichten | Wissenschaft & Weltraum
Die Redaktion berichtet über aktuelle wissenschaftliche Entdeckungen und Entwicklungen in der Raumfahrt mit Fokus auf verständliche Erklärungen für interessierte Leser.






