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Die RSV-Welle rollt an: Laut dem aktuellen ARE-Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) vom 22. Januar 2026 steigt die RSV-Last im Abwasser weiter an. Nach der Grippewelle droht nun eine Erkrankungswelle durch das Respiratorische Synzytial-Virus. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Senioren – doch es gibt wirksame Schutzmaßnahmen.
Das Wichtigste in Kürze
- RSV-Welle: Das RKI meldet steigende RSV-Nachweise in der 3. Kalenderwoche 2026 – typisches Frühzeichen für den Start der RSV-Saison
- Grippewelle dominiert: Aktuell machen Influenza-Viren etwa 60% der Atemwegsinfektionen aus, RSV liegt bei 4-7%
- Risikogruppen: Besonders gefährdet sind Säuglinge unter 6 Monaten, Frühgeborene und Senioren ab 60 Jahren mit Vorerkrankungen
- Prophylaxe wirkt: Seit Einführung der RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab ist die Zahl der RSV-Fälle bei Neugeborenen um mehr als die Hälfte gesunken
- RSV-Impfung: Für Personen ab 75 Jahren empfiehlt die STIKO die einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung
- Hygiene: Händewaschen, Lüften und Kontaktvermeidung bei Symptomen schützen vor Ansteckung
Die RSV-Welle 2026 kündigt sich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen die aktuellen Surveillance-Daten aus der dritten Kalenderwoche 2026, dass das Respiratorische Synzytial-Virus wieder häufiger nachgewiesen wird. Dieses Muster ist typisch: RSV folgt in der Regel zeitlich auf die Grippewelle. Eltern kleiner Kinder und Pflegeeinrichtungen sollten jetzt besonders wachsam sein.
Was ist RSV und warum ist das Virus gefährlich?
Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist ein weltweit verbreiteter Erreger, der akute Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege verursacht. Bis zum Alter von zwei Jahren hat nahezu jedes Kind in Deutschland mindestens eine RSV-Infektion durchgemacht – damit gehört RSV zu den häufigsten Auslösern von Atemwegsinfektionen bei Kleinkindern.

Bei Erwachsenen und älteren Kindern verläuft eine RSV-Infektion meist harmlos wie eine Erkältung. Gefährlich wird es bei Säuglingen, Frühgeborenen und älteren Menschen: Das Virus kann die unteren Atemwege befallen und zu einer Bronchiolitis (Entzündung der feinsten Atemwege) oder Lungenentzündung führen. Jährlich müssen in Deutschland rund 25.000 Babys wegen einer RSV-Infektion stationär behandelt werden.
| Risikogruppe | Besondere Gefährdung |
|---|---|
| Säuglinge unter 6 Monaten | Noch enge Atemwege, unreifes Immunsystem |
| Frühgeborene | Besonders unreifes Immunsystem und Lungenfunktion |
| Kinder mit Herzfehlern | Erhöhte Belastung bei Atemwegsinfektionen |
| Senioren ab 60 Jahren | Geschwächtes Immunsystem, häufig Vorerkrankungen |
| Immungeschwächte Personen | Durch Erkrankung oder immunsuppressive Therapie |
Aktuelle RKI-Daten zur RSV-Welle Januar 2026
Der ARE-Wochenbericht des RKI für die 3. Kalenderwoche 2026 zeigt ein klares Bild der aktuellen Infektionslage in Deutschland:
| Erreger | Anteil an Atemwegsinfektionen | Tendenz |
|---|---|---|
| Influenza A/B | 60% | Rückgang angedeutet |
| RSV | 4-7% | Steigend ↑ |
| Rhinoviren | 7-8% | Stabil |
| SARS-CoV-2 | 1-3% | Rückläufig |
Besonders auffällig: Die RSV-Last im Abwasser ist laut RKI weiter gestiegen, während die Influenza-A-Viruslast einen Rückgang andeutet. Dies gilt als typisches Frühzeichen für den Beginn der RSV-Welle, die der Grippewelle zeitlich folgt.

Zum Vergleich: In der Saison 2024/2025 begann die RSV-Welle laut RKI-Definition in der 3. Kalenderwoche 2025 und dauerte 13 Wochen bis zur 15. KW. Ein ähnliches Muster zeichnet sich nun ab.
RSV-Symptome: Wann sollten Eltern zum Arzt?
Eine RSV-Infektion beginnt meist mit erkältungsähnlichen Symptomen. Bei Säuglingen und Kleinkindern kann die Erkrankung jedoch schnell ernster werden. Diese Symptome treten typischerweise auf:
Leichte Verläufe:
- Schnupfen und verstopfte Nase
- Trockener Husten
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
- Leichtes Fieber
- Halsschmerzen
Schwere Verläufe (sofort zum Arzt!):
- Schnelle, erschwerte oder unregelmäßige Atmung
- Einziehungen am Brustkorb beim Atmen
- Trinkverweigerung beim Baby
- Blaue Verfärbung der Lippen
- Atemaussetzer
- Hohes Fieber über 39°C
Wichtiger Hinweis: Wenn Ihr Baby Atemprobleme zeigt, das Trinken verweigert oder Sie sich unsicher fühlen, suchen Sie umgehend einen Kinderarzt oder eine Kinderklinik auf. Bei Frühgeborenen und Kindern mit Vorerkrankungen sollten bereits erste Warnzeichen wie Husten und Fieber ärztlich abgeklärt werden.
RSV-Prophylaxe für Säuglinge: Nirsevimab schützt wirksam
Seit Juni 2024 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) für alle Neugeborenen und Säuglinge eine RSV-Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab (Handelsname: Beyfortus). Diese passive Immunisierung bietet sofortigen Schutz vor schweren RSV-Erkrankungen in der ersten RSV-Saison des Kindes.
Der Erfolg ist messbar: Laut Bundesgesundheitsministerium hat sich die Zahl der übermittelten RSV-Fälle bei Säuglingen seit Einführung der Prophylaxe mehr als halbiert. Auch die Zahl der RSV-bedingten Krankenhauseinweisungen ist um über 50 Prozent gesunken.

| Aspekt | Details zur RSV-Prophylaxe |
|---|---|
| Wirkstoff | Nirsevimab (Beyfortus) – monoklonaler Antikörper |
| Art der Immunisierung | Passive Immunisierung (keine klassische Impfung) |
| Dosierung | Einmalig: 50 mg (unter 5 kg) oder 100 mg (ab 5 kg) |
| Schutzwirkung | Sofort nach Gabe, hält eine RSV-Saison an |
| Zeitpunkt | Geburt Okt-März: schnellstmöglich nach Geburt Geburt April-Sept: im Herbst beim Kinderarzt |
| Kostenübernahme | Gesetzliche Krankenversicherung |
RSV-Impfung für Senioren: STIKO-Empfehlung
Seit 2023 sind in der Europäischen Union auch RSV-Impfstoffe für ältere Erwachsene zugelassen. Die STIKO empfiehlt die einmalige RSV-Impfung:
- Als Standardimpfung: Für alle Personen ab 75 Jahren
- Als Indikationsimpfung: Für Personen zwischen 60 und 74 Jahren mit schweren Grunderkrankungen oder Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung
Laut RKI-Schätzungen verursachen RSV-Infektionen bei über 60-Jährigen allein in Deutschland etwa 2.500 Todesfälle pro Jahr. Die Impfung sollte idealerweise vor der RSV-Saison im September oder Anfang Oktober erfolgen.
So schützen Sie sich und Ihre Familie vor RSV
Neben der Prophylaxe und Impfung empfiehlt das RKI folgende Hygienemaßnahmen zum Schutz vor RSV und anderen Atemwegsinfektionen:
Hygiene-Tipps gegen RSV:
- Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife
- Häufiges Stoßlüften in geschlossenen Räumen
- Husten und Niesen in die Armbeuge oder Einwegtaschentuch
- Bei Erkältungssymptomen engen Kontakt zu Säuglingen meiden
- Personen mit Symptomen sollten 3-5 Tage zu Hause bleiben
- In Phasen starker Viruszirkulation: Maske in Innenräumen
Wann spricht man von RSV-Welle?
Als RSV-Welle bezeichnet das RKI den Zeitraum erhöhter RSV-Aktivität. Als Indikator dient die RSV-Positivenrate in der virologischen Sentinelsurveillance bei Kindern von 0-4 Jahren. Die jährliche RSV-Welle beginnt in der Regel im Dezember und dauert drei bis vier Monate.
Die RSV-Saison erstreckt sich üblicherweise von Oktober bis März. Während der COVID-19-Pandemie traten die Wellen zeitweise früher auf (Spätsommer 2021, Herbst 2022/23). Seit der Saison 2023/24 hat sich das Muster wieder normalisiert.
Häufige Fragen zur RSV-Welle
Was ist RSV und wie gefährlich ist das Virus?
RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) ist ein weltweit verbreiteter Erreger, der Atemwegsinfektionen verursacht. Für die meisten Erwachsenen und älteren Kinder verläuft eine RSV-Infektion harmlos wie eine Erkältung. Gefährlich wird das Virus für Säuglinge unter 6 Monaten, Frühgeborene und ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Bei ihnen kann RSV zu schweren Erkrankungen wie Bronchiolitis oder Lungenentzündung führen, die eine Krankenhausbehandlung erfordern.
Wann beginnt die RSV-Welle 2026?
Laut RKI-Daten deutet sich in der 3. Kalenderwoche 2026 der Beginn der RSV-Welle an. Die RSV-Last im Abwasser ist gestiegen, und die Nachweise von RSV nehmen zu. Typischerweise folgt die RSV-Welle zeitlich auf die Grippewelle. In der Vorsaison 2024/25 begann die RSV-Welle in der 3. KW und dauerte 13 Wochen.
Wie schütze ich mein Baby vor RSV?
Die STIKO empfiehlt für alle Neugeborenen und Säuglinge eine RSV-Prophylaxe mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab (Beyfortus). Diese passive Immunisierung bietet sofortigen Schutz für die erste RSV-Saison. Zusätzlich sollten Personen mit Erkältungssymptomen den Kontakt zu Säuglingen meiden. Regelmäßiges Händewaschen und Lüften reduzieren das Ansteckungsrisiko.
Gibt es eine Impfung gegen RSV?
Für ältere Erwachsene ab 75 Jahren empfiehlt die STIKO eine einmalige RSV-Impfung als Standardimpfung. Für Personen zwischen 60 und 74 Jahren mit schweren Grunderkrankungen gilt eine Indikationsempfehlung. Für Säuglinge steht keine klassische Impfung, sondern die RSV-Prophylaxe mit Nirsevimab zur Verfügung. Eine RSV-Impfung für Schwangere ist zugelassen, wird aber von der STIKO derzeit nicht empfohlen.
Wann sollte ich mit meinem Baby zum Arzt?
Suchen Sie sofort einen Kinderarzt oder eine Kinderklinik auf, wenn Ihr Baby Atemnot zeigt, schneller oder erschwert atmet, das Trinken verweigert, Atemaussetzer hat oder die Lippen bläulich verfärbt sind. Bei Frühgeborenen und Kindern mit Vorerkrankungen sollten bereits erste Warnzeichen wie Husten und Fieber ärztlich abgeklärt werden.
Wie lange dauert eine RSV-Saison?
Die RSV-Saison erstreckt sich in der Regel von Oktober bis März. Die RSV-Welle als Zeitraum erhöhter Aktivität beginnt meist im Dezember oder Januar und dauert etwa 10-13 Wochen. Nach einer durchgemachten RSV-Infektion besteht keine langfristige Immunität – Reinfektionen sind im Laufe des Lebens häufig, verlaufen aber meist milder.
Fazit: RSV-Welle erfordert Wachsamkeit
Die RSV-Welle 2026 kündigt sich laut RKI-Daten an. Während aktuell noch Grippeviren das Infektionsgeschehen dominieren, steigt die RSV-Last bereits an. Besonders Eltern von Säuglingen und Pflegeeinrichtungen sollten jetzt wachsam sein.
Die gute Nachricht: Mit der RSV-Prophylaxe für Säuglinge und der RSV-Impfung für Senioren stehen wirksame Schutzmaßnahmen zur Verfügung. Die dramatischen Rückgänge bei RSV-Fällen und Krankenhauseinweisungen bei Neugeborenen zeigen, dass diese Maßnahmen greifen. Ergänzend schützen konsequente Hygienemaßnahmen vor einer Ansteckung.
Autor: Redaktion Rathausnachrichten
Die Redaktion berichtet über aktuelle Themen aus den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft und Gesellschaft.
Quellen: Robert Koch-Institut (RKI), Arbeitsgemeinschaft Influenza, Bundesgesundheitsministerium, BZgA impfen-info.de
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zur RSV-Prophylaxe, RSV-Impfung oder bei Krankheitssymptomen wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Ihre Ärztin.






