📖 Lesezeit: 6 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2026, 10:00 Uhr
Unwort des Jahres 2025: Sondervermögen
Das Unwort des Jahres 2025 lautet „Sondervermögen“. Die Jury der sprachkritischen Aktion gab ihre Entscheidung heute Morgen an der Philipps-Universität Marburg bekannt. Begründung: Der Begriff verschleiere, dass es sich in Wahrheit um Schulden handelt, und unterminiere damit die demokratische Debatte über Staatsverschuldung.
Zum 35. Mal seit 1991 hat eine Jury aus Sprachwissenschaftlern das Unwort des Jahres gekürt. Mit der Wahl von „Sondervermögen“ rückt ein Begriff in den Fokus, der 2025 die politischen Debatten über Investitionsprogramme und Staatsverschuldung maßgeblich geprägt hat. Die Jury kritisiert: Was nach positivem Eigentum klingt, meint in Wahrheit neue Schulden.
Warum ist „Sondervermögen“ das Unwort des Jahres 2025?
Die Jury der Aktion „Unwort des Jahres“ begründet ihre Entscheidung mit der irreführenden Wirkung des Begriffs:
Aus der offiziellen Begründung:
„Der Ausdruck Sondervermögen ist seit einigen Jahren im gesellschaftlichen Diskurs präsent. Im Jahr 2025 wurde er im öffentlich-politischen Sprachgebrauch vermehrt verwendet und prägte sehr deutlich die politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme.“
„Viele Bürgerinnen und Bürger sind nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientieren sich an der Alltagsbedeutung. Durch diese Diskrepanz tritt die irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund.“
Das Problem laut Jury: Im Alltagssprachgebrauch versteht man unter „Sondervermögen“ eine spezielle Menge an Eigentum, die von einem Gesamtvermögen abgetrennt ist – also etwas Positives. Im Fachdiskurs über den Staatshaushalt jedoch bezeichnet „Sondervermögen“ einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet wird und mit der Aufnahme von Schulden oder einer Kreditermächtigung verbunden ist.
Die Jury kritisiert: „Der Gebrauch des Technizismus in der öffentlichen Kommunikation verdeckt, was mit ihm gemeint ist – nämlich die Aufnahme von Schulden.“ Dadurch würden demokratische Debatten über die Notwendigkeit der Schuldenaufnahme unterminiert.

Welche Begriffe standen zur Wahl?
Insgesamt gingen bei der Jury 2.631 Einsendungen mit 533 verschiedenen Ausdrücken ein. Rund 70 davon entsprachen den Kriterien für ein Unwort. Hier die am häufigsten vorgeschlagenen Begriffe:
| Begriff | Einsendungen | Kontext |
|---|---|---|
| Friedensangst | 582 | Ukraine-Debatte |
| umstritten | 427 | Medienkritik |
| Deal | 215 | Trump-Rhetorik |
| Ladeerlebnis | 154 | E-Mobilität |
| Stadtbild | 141 | Merz-Aussage zur Migration |
| Drecksarbeit | 91 | Merz zu Israel/Iran-Konflikt |
| Sondervermögen ✓ | 79 | Haushaltsdebatten |
| kriegstüchtig | 42 | Verteidigungspolitik |
💡 Wichtig: Bei der Entscheidung kommt es nicht darauf an, wie häufig ein Wort vorgeschlagen wurde. Entscheidend ist, ob es den Kriterien der Jury entspricht – also ob es gegen Menschenwürde oder Demokratie verstößt, Gruppen diskriminiert oder euphemistisch, verschleiernd oder irreführend ist.
Persönliches Unwort: „Umsiedlung“
Das diesjährige Gastmitglied der Jury, der Journalist, Autor und Jurist Ronen Steinke, wählte als sein persönliches Unwort den Begriff „Umsiedlung“:
„Mit dem Ausdruck warben israelische wie auch amerikanische Politiker 2025 dafür, die Bevölkerung des umkämpften Gazastreifens dauerhaft in ein anderes Land zu schicken. Was klingt wie eine Wohltat, verschleiert ein Verbrechen.“
Wer entscheidet über das Unwort des Jahres?
Die Jury der institutionell unabhängigen und ehrenamtlichen Aktion besteht aus fünf ständigen Mitgliedern plus einem jährlich wechselnden Gast:
| Jury-Mitglied | Funktion / Universität |
|---|---|
| Constanze Spieß | Professorin für Pragmalinguistik, Uni Marburg (Sprecherin) |
| Kristin Kuck | Sprachwissenschaftlerin, Uni Magdeburg |
| Martin Reisigl | Sprachwissenschaftler, Uni Wien |
| David Römer | Sprachwissenschaftler, Uni Kassel |
| Alexandra-Katharina Kütemeyer | Journalistin und Dozentin |
| Ronen Steinke (Gast 2025) | Journalist, Autor, Jurist |
Alle Unwörter des Jahres seit 2015
Die Unwort-Aktion macht seit über drei Jahrzehnten auf diskriminierende, euphemistische oder irreführende Sprache aufmerksam. Hier die Unwörter der letzten zehn Jahre:
| Jahr | Unwort | Kontext |
|---|---|---|
| 2025 | Sondervermögen | Verschleierung von Staatsschulden |
| 2024 | Biodeutsch | Rassistische Abgrenzung |
| 2023 | Remigration | Rechtsextreme Rhetorik |
| 2022 | Klimaterroristen | Klimaproteste |
| 2021 | Pushback | Zurückweisung von Geflüchteten |
| 2020 | Corona-Diktatur | Querdenker-Rhetorik |
| 2019 | Klimahysterie | Fridays for Future |
| 2018 | Anti-Abschiebe-Industrie | Seehofer-Aussage |
| 2017 | Alternative Fakten | Trump-Administration |
| 2016 | Volksverräter | Pegida-Bewegung |
| 2015 | Gutmensch | Flüchtlingsdebatte |
Was unterscheidet das Unwort vom Wort des Jahres?
Während das Unwort des Jahres sprachkritisch problematische Begriffe markiert, kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) in Wiesbaden das Wort des Jahres nach anderen Kriterien:
| Kriterium | Unwort des Jahres | Wort des Jahres |
|---|---|---|
| Ziel | Sprachkritik, Sensibilisierung | Spiegelt wichtige Themen |
| Kriterien | Diskriminierend, euphemistisch, irreführend | Prägende Begriffe des Jahres |
| Institution | Uni Marburg (ehrenamtlich) | GfdS Wiesbaden |
| Gewinner 2025 | Sondervermögen | KI-Ära |
Häufige Fragen zum Unwort des Jahres 2025
Fazit: Sprache prägt politische Debatten
Mit der Wahl von „Sondervermögen“ zum Unwort des Jahres 2025 macht die Marburger Jury auf einen Begriff aufmerksam, der zeigt, wie Fachsprache politische Debatten verschleiern kann. Ähnlich wie bei komplexen Finanzthemen wie der Erbschaftssteuer gilt auch hier: Nur wer die wahre Bedeutung kennt, kann informiert mitreden.
Die Aktion „Unwort des Jahres“ erfüllt seit 35 Jahren eine wichtige Funktion: Sie sensibilisiert für Sprachgebrauch, der diskriminiert, manipuliert oder in die Irre führt. Dass 2025 ein Begriff aus der Finanzpolitik gewählt wurde, zeigt: Euphemismen finden sich nicht nur in der Migrationsdebatte, sondern auch dort, wo es ums Geld geht.
Über diesen Artikel
Redaktion Rathausnachrichten | Aktuelle Nachrichten
Dieser Artikel basiert auf der offiziellen Bekanntgabe der Unwort-Jury am 13. Januar 2026 an der Philipps-Universität Marburg. Stand: 13. Januar 2026, 10:00 Uhr.
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