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EU Handels-Bazooka: Was ist das Anti-Coercion Instrument gegen Trump?

by Rathaus Nachrichten
21. Januar 2026
in Gesellschaft
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EU Handels-Bazooka: Was ist das Anti-Coercion Instrument gegen Trump?
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Lesezeit: 6 Minuten

EU Handels-Bazooka erklärt: Das Anti-Coercion Instrument (ACI) ist das mächtigste Handelsinstrument der EU gegen wirtschaftliche Erpressung durch Drittstaaten. Am 21. Januar 2026 forderte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Einsatz dieser „Handels-Bazooka“ gegen die Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump im Grönland-Konflikt. Das ACI wurde 2023 verabschiedet, ist aber bisher noch nie eingesetzt worden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Definition: Das Anti-Coercion Instrument (ACI) ist ein EU-Gesetz zum Schutz vor wirtschaftlicher Erpressung durch Drittstaaten
  • Inkrafttreten: 27. Dezember 2023 – bisher noch nie eingesetzt
  • Maßnahmen: Zölle, Importbeschränkungen, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen, Einschränkung von Investitionen und Patentrechten
  • Aktueller Anlass: Trumps Zolldrohungen von bis zu 25% gegen EU-Länder wegen Grönland
  • Entscheidung: Qualifizierte Mehrheit der EU-Staaten erforderlich (15 Länder mit 65% der Bevölkerung)

Die EU Handels-Bazooka ist am 21. Januar 2026 in aller Munde. Nachdem US-Präsident Donald Trump acht europäischen Ländern mit Strafzöllen von bis zu 25 Prozent gedroht hat, fordert Frankreichs Präsident Emmanuel Macron den Einsatz des Anti-Coercion Instruments (ACI). Dieses mächtige EU-Werkzeug wurde 2023 geschaffen, aber noch nie angewendet.

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„Europa verfügt heute über sehr wirksame Instrumente, und wir müssen sie einsetzen, wenn wir nicht respektiert werden“, betonte Macron beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Die EU-Abgeordnete Valérie Hayer vom liberalen Renew-Block bezeichnete das ACI als „unsere wirtschaftliche Atomwaffe“.

Was ist das Anti-Coercion Instrument (ACI)?

Das Anti-Coercion Instrument – auf Deutsch „Anti-Zwangs-Instrument“ – ist eine EU-Verordnung zum Schutz der Mitgliedstaaten vor wirtschaftlicher Erpressung durch Drittstaaten. Es wurde im November 2023 verabschiedet und trat am 27. Dezember 2023 in Kraft.

Nach der Definition der EU liegt wirtschaftliche Nötigung vor, wenn ein Drittstaat „Maßnahmen anwendet oder androht, die Handel oder Investitionen beeinträchtigen“, um damit die souveränen Entscheidungen der EU oder eines Mitgliedstaates zu beeinflussen.

Die Verordnung schafft einen Rahmen aus drei Stufen: Prüfung des Falls durch die EU-Kommission, diplomatische Gespräche mit dem betreffenden Staat, und – falls diese scheitern – Ergreifung von Gegenmaßnahmen.

Was ist das Anti-Coercion Instrument (ACI)?

Die Entstehung des ACI

Zeitpunkt Ereignis
2021 China verhängt Handelsrestriktionen gegen Litauen nach Eröffnung einer taiwanesischen Vertretung
Dezember 2021 EU-Kommission schlägt das ACI vor
November 2023 EU-Parlament und Rat verabschieden das ACI
27. Dezember 2023 ACI tritt in Kraft
Januar 2026 Erste ernsthafte Debatte über Einsatz gegen die USA

Welche Maßnahmen ermöglicht die EU Handels-Bazooka?

Das ACI gibt der EU einen breiten Werkzeugkasten an Gegenmaßnahmen, die weit über klassische Zölle hinausgehen. Die Europäische Kommission kann aus folgenden Optionen wählen:

  • Zölle: Neue oder erhöhte Einfuhrzölle auf Waren aus dem erpressenden Staat
  • Handelsbeschränkungen: Import- und Exportrestriktionen für Güter und Dienstleistungen
  • Öffentliche Aufträge: Ausschluss von Unternehmen aus dem 2-Billionen-Euro-Beschaffungsmarkt der EU
  • Investitionen: Beschränkungen für ausländische Direktinvestitionen in der EU
  • Patentrechte: Teilweise Aussetzung des Schutzes geistiger Eigentumsrechte
  • Finanzmärkte: Einschränkungen beim Zugang zu EU-Finanzmärkten

Besonders brisant: Das ACI erlaubt der EU sogar, internationale Verpflichtungen beim Schutz geistigen Eigentums auszusetzen. Das könnte US-Tech-Konzerne wie Apple, Google und Meta hart treffen.

Welche Maßnahmen ermöglicht die EU Handels-Bazooka?

EU Handels-Bazooka gegen Trump: Der aktuelle Anlass

Am 18. Januar 2026 drohte US-Präsident Donald Trump acht europäischen Ländern mit Strafzöllen: Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, die Niederlande und Finnland sollen ab 1. Februar 2026 mit 10 Prozent Zöllen belegt werden – steigend auf 25 Prozent ab 1. Juni, falls kein „Deal für den vollständigen Kauf Grönlands“ erreicht wird.

Der Hintergrund: Diese Länder hatten kurz zuvor Soldaten nach Grönland entsandt – auf Bitte Dänemarks und als Signal an Washington. Frankreich schickte 15 Soldaten zur „Operation Arctic Endurance“.

Trump verschärfte den Druck weiter: Er drohte Frankreich speziell mit 200 Prozent Zöllen auf Wein und Champagner, falls Macron sich weigere, seinem „Board of Peace“ für Gaza beizutreten.

„Ich weiß nicht, was mehr nach Nötigung aussieht, als zu versuchen, einen Teil des Territoriums unter Zwang zu stehlen. Wenn sie das ACI jetzt nicht nutzen, sollten die Leute fragen, wofür es überhaupt da ist.“

– Davide Oneglia, Direktor für Europäische Makroökonomie bei TS Lombard

Wie funktioniert das Verfahren beim ACI?

Die EU Handels-Bazooka funktioniert nicht automatisch. Der Einsatz folgt einem mehrstufigen Prozess:

Die 5 Stufen des ACI-Verfahrens

Stufe Ablauf Zeitrahmen
1. Prüfung EU-Kommission untersucht, ob wirtschaftliche Nötigung vorliegt Bis zu 4 Monate
2. Feststellung EU-Rat entscheidet mit qualifizierter Mehrheit über Nötigung 8–10 Wochen
3. Verhandlungen Diplomatische Gespräche mit dem Drittstaat Kein fester Rahmen
4. Maßnahmen Bei Scheitern: Kommission schlägt Gegenmaßnahmen vor Bis zu 6 Monate
5. Umsetzung Maßnahmen treten in Kraft Sofort bis 3 Monate

Wichtig: Bereits die Einleitung einer Untersuchung würde ein starkes Signal senden, dass Brüssel bereit ist, zurückzuschlagen. Die eigentliche Abschreckungswirkung liegt im Zeigen der Waffe – nicht zwingend im Abfeuern.

Wie funktioniert das Verfahren beim ACI?

Warum US-Tech-Konzerne besonders betroffen wären

Sollte die EU das ACI gegen die USA einsetzen, könnten amerikanische Tech-Giganten zu den Hauptzielen gehören. Der Grund: Die USA haben einen Dienstleistungsüberschuss gegenüber der EU, und US-Konzerne dominieren den europäischen Digitalmarkt.

Mögliche Maßnahmen gegen US-Tech:

  • Ausschluss aus öffentlichen Aufträgen: Der EU-Beschaffungsmarkt für digitale Infrastruktur ist rund 2 Billionen Euro wert
  • Steuern auf Werbeumsätze: EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen deutete höhere Abgaben auf digitale Werbung an
  • Strengere Datenregulierung: Verschärfung administrativer Anforderungen
  • Patentrecht-Aussetzung: Könnte geistiges Eigentum von US-Firmen gefährden

Allerdings gibt es Hürden: Viele US-Tech-Konzerne haben Niederlassungen in der EU – Apple und Google in Irland, Amazon in Luxemburg. Gegen Unternehmen mit substanzieller EU-Präsenz sind Handelsmaßnahmen unter dem ACI schwieriger durchzusetzen.

Wie stehen die EU-Staaten zum Einsatz des ACI?

Die Positionen innerhalb der EU sind unterschiedlich. Für den Einsatz des ACI ist eine qualifizierte Mehrheit nötig – mindestens 15 Mitgliedstaaten, die zusammen 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.

Positionen der EU-Staaten

Position Länder Begründung
Pro ACI Frankreich Macron fordert aktiv den Einsatz als Reaktion auf Trumps Drohungen
Skeptisch Deutschland, Italien (traditionell) Sorge vor Eskalation und Schädigung der transatlantischen Beziehungen
Vorsichtig Irland, Luxemburg Standorte vieler US-Tech-Konzerne, die von Maßnahmen betroffen wären
Wandel Deutschland (aktuell) Selbst Industrieführer signalisieren nun Unterstützung für ACI

Ein Problem: Die Folgen von ACI-Maßnahmen würden nicht alle EU-Staaten gleich treffen. Maßnahmen gegen US-Tech würden vor allem Irland und Luxemburg belasten. Die EU hat bisher keinen Mechanismus, um solche Verluste auszugleichen.

Alternative: Das 93-Milliarden-Euro-Zollpaket

Bevor die EU zur „Bazooka“ greift, könnte sie zunächst konventionellere Waffen einsetzen. Im Sommer 2025 hatte Brüssel bereits eine Liste mit US-Waren im Wert von 93 Milliarden Euro vorbereitet, die mit Vergeltungszöllen belegt werden könnten.

Auf dieser Liste standen unter anderem: Bourbon-Whiskey, Flugzeugteile (was Boeing treffen würde), Sojabohnen und Geflügel – gezielt ausgewählt, um republikanisch regierte US-Bundesstaaten zu treffen.

Dieses Paket wurde damals auf Eis gelegt, nachdem sich EU und USA auf einen Deal einigten. Es könnte nun als erste Verteidigungslinie dienen, bevor das ACI aktiviert wird.

Häufige Fragen zur EU Handels-Bazooka

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Was bedeutet Handels-Bazooka?

„Handels-Bazooka“ ist der umgangssprachliche Begriff für das Anti-Coercion Instrument (ACI) der EU. Der Name vergleicht das mächtige Handelsinstrument mit einer Panzerfaust – eine schwere Waffe, die man zeigt, um Angriffe abzuschrecken. Das ACI ermöglicht der EU weitreichende Gegenmaßnahmen gegen wirtschaftliche Erpressung durch Drittstaaten.

Wurde das ACI schon einmal eingesetzt?

Nein, das Anti-Coercion Instrument wurde seit seinem Inkrafttreten am 27. Dezember 2023 noch nie angewendet. Es wurde zwar mehrfach in Erwägung gezogen – gegen die USA bei Zollverhandlungen 2025 und gegen China wegen Seltene-Erden-Exportbeschränkungen – doch bisher entschied sich die EU stets für diplomatische Lösungen.

Was kann die EU mit dem ACI gegen US-Firmen tun?

Das ACI ermöglicht der EU vielfältige Maßnahmen: Erhöhung von Zöllen, Importbeschränkungen, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen (wichtig für US-Tech-Firmen), Einschränkung von Investitionen, und sogar die teilweise Aussetzung von Patentrechten. Besonders US-Tech-Konzerne könnten betroffen sein, da sie stark vom 2-Billionen-Euro-Beschaffungsmarkt der EU abhängen.

Wie lange dauert es, bis das ACI wirkt?

Das ACI-Verfahren ist relativ langsam. Die EU-Kommission hat bis zu 4 Monate für die Prüfung, dann braucht der EU-Rat 8–10 Wochen für die Feststellung. Nach Verhandlungen können Maßnahmen innerhalb von 6 Monaten beschlossen werden. Insgesamt kann der Prozess also fast ein Jahr dauern – allerdings hat schon die Einleitung einer Untersuchung Signalwirkung.

Warum ist Macron für den Einsatz des ACI?

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert den Einsatz des ACI als Reaktion auf Trumps Zolldrohungen im Grönland-Konflikt. Trump drohte speziell Frankreich mit 200% Zöllen auf Wein. Macron sieht das ACI als notwendiges Mittel, um europäische Souveränität zu verteidigen. Beim WEF Davos 2026 sagte er: „Wir bevorzugen Respekt gegenüber Brutalität.“

Fazit: EU Handels-Bazooka als letztes Mittel

Die EU Handels-Bazooka ist das mächtigste Instrument, das Brüssel gegen wirtschaftliche Erpressung einsetzen kann. Das Anti-Coercion Instrument von 2023 ermöglicht weitreichende Gegenmaßnahmen – von Zöllen über den Ausschluss aus öffentlichen Aufträgen bis zur Aussetzung von Patentrechten.

Im aktuellen Konflikt mit den USA wegen Grönland steht die EU vor einer historischen Entscheidung: Erstmals könnte das ACI gegen einen wichtigen Verbündeten eingesetzt werden. Frankreichs Präsident Macron drängt darauf, Deutschland und andere zeigen sich vorsichtiger.

Die Abschreckungswirkung des ACI liegt vor allem darin, dass es existiert. Allein die ernsthafte Diskussion über seinen Einsatz sendet ein Signal an Washington: Europa ist bereit, sich zu wehren – notfalls mit seiner wirtschaftlichen Atomwaffe.

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von der Redaktion von rathausnachrichten.de verfasst. Quellen: EU-Kommission, Euronews, France 24, CNBC, Financial Times, Wikipedia, Sidley Austin LLP (Stand: 21.01.2026).

Tags: ACIAnti-Coercion InstrumentEU Handels-BazookaEU HandelspolitikEU USA HandelEuropa PolitikGrönland KonfliktMacronTrump ZölleWirtschaftssanktionen
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