📖 Lesezeit: 10 Minuten | Zuletzt aktualisiert: 18.12.2025
Mehrwertsteuer Gastronomie – am 18. Dezember 2025 blickt die gesamte Branche gespannt nach Berlin: Morgen entscheidet der Bundesrat über die dauerhafte Senkung auf 7 Prozent. Der Bundestag hat das Steueränderungsgesetz 2025 bereits am 4. Dezember beschlossen. Für Restaurants, Cafés und Wirtshäuser könnte damit ab 1. Januar 2026 eine neue Ära beginnen.
Was bedeutet die neue Mehrwertsteuer für die Gastronomie?
Mehrwertsteuer Gastronomie 2026 heißt: Alle Speisen – ob vor Ort verzehrt, mitgenommen oder geliefert – werden einheitlich mit 7 Prozent besteuert. Bisher galt der ermäßigte Satz nur für Takeaway und Lieferungen, während der Verzehr im Restaurant mit 19 Prozent belastet wurde. Diese Ungleichbehandlung endet nun.
| Kategorie | Bis 31.12.2025 | Ab 01.01.2026 |
|---|---|---|
| Speisen vor Ort | 19 % | 7 % |
| Speisen zum Mitnehmen | 7 % | 7 % |
| Speisen Lieferung | 7 % | 7 % |
| Getränke (alle Arten) | 19 % | 19 % |
| Milch/Milchmischgetränke (außer Haus) | 7 % | 7 % |
| Leitungswasser (außer Haus) | 7 % | 7 % |
Wer profitiert von der Mehrwertsteuersenkung?
Die Regelung betrifft alle Betriebe, die Speisen zubereiten und verkaufen. Dazu gehören klassische Restaurants und Gasthäuser, Cafés mit Speiseangebot, Bäckereien und Konditoreien mit Verzehrmöglichkeit, Metzgereien mit Imbiss-Bereich, Catering-Unternehmen sowie Kantinen in Schulen, Krankenhäusern und Betrieben.
Keine Entlastung erfahren reine Getränke-Betriebe. Bars, Clubs und Kneipen, deren Hauptgeschäft der Ausschank alkoholischer oder nichtalkoholischer Getränke ist, bleiben bei 19 Prozent. Der DEHOGA Bundesverband hatte sich auch für eine Senkung bei Getränken eingesetzt – ohne Erfolg.
Wie kam es zur Entscheidung der Mehrwertsteuer Gastronomie?
Die Geschichte der Gastronomie-Mehrwertsteuer ist bewegt. Im Juli 2020 senkte die Bundesregierung den Satz als Corona-Hilfe erstmals auf 7 Prozent. Die Maßnahme wurde mehrfach verlängert, lief aber am 31. Dezember 2023 aus. Seit Januar 2024 zahlen Gäste wieder 19 Prozent auf ihre Restaurant-Rechnung.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 01.07.2020 | Senkung auf 7 % (Corona-Hilfe) |
| 31.12.2023 | Auslaufen der befristeten Regelung |
| 01.01.2024 | Rückkehr zu 19 % |
| April 2025 | Koalitionsvertrag Union/SPD mit 7%-Zusage |
| 10.09.2025 | Kabinettsbeschluss Steueränderungsgesetz 2025 |
| 04.12.2025 | Bundestag beschließt das Gesetz |
| 19.12.2025 | Bundesrat-Abstimmung (steht aus) |
| 01.01.2026 | Geplantes Inkrafttreten |
Im Koalitionsvertrag von Union und SPD vom Frühjahr 2025 heißt es: „Die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie wird zum 01.01.2026 dauerhaft auf sieben Prozent reduziert.“
Droht die Mehrwertsteuersenkung noch zu scheitern?
Die letzte Hürde ist der Bundesrat. Die Bundesländer fordern eine Kompensation für Steuerausfälle von rund 11,2 Milliarden Euro bis 2030. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil lehnt das ab.
Branchenexperten rechnen dennoch mit einer Zustimmung. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kündigte an, dass das Vorhaben kommen werde. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) argumentiert: „Wer nicht will, dass Innenstädte veröden ohne Gastronomie, der muss am Ende zustimmen.“
Warum braucht die Branche die niedrigere Mehrwertsteuer Gastronomie?
Die wirtschaftliche Lage des Gastgewerbes ist angespannt. Die Branche hat sechs aufeinanderfolgende Verlustjahre hinter sich. 43 Prozent der Betriebe erwarten auch 2025 Verluste. Die Personalkosten sind im vierten Quartal 2024 im Vergleich zum ersten Quartal 2022 um 34,4 Prozent gestiegen.
Hinzu kommen die Mindestlohn-Erhöhungen: Ab Januar 2026 steigt er auf 13,90 Euro (plus 8,4 Prozent), ein Jahr später auf 14,60 Euro (plus 5 Prozent). DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges betont: „Die sieben Prozent sind für die gastronomischen Betriebe die wichtigste Maßnahme für die Existenz- und Zukunftssicherung.“
Werden die Preise für Gäste sinken?
Eine automatische Preissenkung um 12 Prozentpunkte wird es nicht geben. Die Branche steht unter Kostendruck. Laut Bundesregierung haben Restaurantbetreiber selbst in der Hand, ob und in welcher Höhe sie die Umsatzsteuersenkung an ihre Gäste weitergeben.
DEHOGA-Chefin Hartges: „Wo Spielräume bestehen, werden unsere Gastronomen diese nutzen – für Investitionen in ihre Betriebe, in Mitarbeiter sowie auch für preisattraktive Angebote, um verlorene Gäste zurückzugewinnen.“ Die gestiegenen Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal lassen jedoch wenig Spielraum für große Preissenkungen.
Was müssen Gastronomen jetzt vorbereiten?
Falls der Bundesrat zustimmt, sollten Betriebe folgende Schritte einleiten:
• Preisstrategie festlegen (Preise senken, stabil halten oder teilweise weitergeben)
• Menüpreise und Kombiangebote (Speisen/Getränke) neu kalkulieren
• Speisekarten anpassen oder neu drucken
• Verträge für Events 2026 mit Steueranpassungsklausel versehen
• Buchhaltung und Steuerberater informieren
• Zwei-Szenarien-Planung bis zur Bundesrats-Entscheidung
Bei Verträgen für Veranstaltungen im Jahr 2026, die noch 2025 abgeschlossen werden, sollte klar festgehalten werden, dass sich der Endpreis an den dann gültigen Steuersatz anpasst. Fehlt dieser Hinweis, können Auftraggeber nachträgliche Preisreduzierungen verlangen.
Gibt es Kritik an der Mehrwertsteuer-Senkung?
Die Entscheidung ist nicht unumstritten. DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisierte die Senkung als „reines Steuergeschenk ohne wirtschaftlichen Effekt“. Die Entlastung werde nicht bei den Verbrauchern ankommen. Sie schlug stattdessen vor, die Mehrwertsteuer auf Medikamente zu senken.
Auch die Grünen und Teile der Linken stimmten im Bundestag gegen das Steueränderungsgesetz 2025. Die AfD lehnte das Gesamtpaket ebenfalls ab, fordert aber grundsätzlich niedrigere Steuern.
Welche Auswirkungen hat die Regelung auf die Innenstädte?
Restaurants, Cafés und Wirtshäuser sind soziale Treffpunkte. Sie beleben Innenstädte und Ortskerne. Ohne gastronomische Angebote veröden viele Zentren. Wie der Fall Eterna zeigt, kämpfen viele traditionelle Branchen mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten.
DEHOGA-Chefin Hartges betont: „Restaurants, Cafés und Wirtshäuser haben eine hohe Bedeutung für die Gesellschaft, sie sind die öffentlichen Wohnzimmer für viele Bürgerinnen und Bürger. Diese sozialen Treffpunkte müssen erhalten bleiben.“
Was kostet die Steuersenkung den Staat?
Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer Gastronomie verursacht erhebliche Steuerausfälle. Bis 2030 rechnen die Bundesländer mit Mindereinnahmen von insgesamt 11,2 Milliarden Euro. Jährlich kostet die Maßnahme den Staat etwa 3,4 Milliarden Euro.
Diese Kosten teilen sich Bund, Länder und Gemeinden. Der Streit um die Kompensation der Länder hat das Gesetzgebungsverfahren bis zuletzt belastet.
Wann kommt die endgültige Entscheidung?
Der Bundesrat tagt am 19. Dezember 2025. Dann fällt die finale Entscheidung. Stimmen die Länder zu, tritt die neue Regelung am 1. Januar 2026 in Kraft. Bei Ablehnung könnten die Länder den Vermittlungsausschuss anrufen – eine Verzögerung wäre die Folge.
Viele Experten gehen davon aus, dass die Länder letztendlich zustimmen werden. Zu groß wäre der politische Schaden, wenn eine im Koalitionsvertrag verankerte Maßnahme scheitert. Gesunde Ernährung und ein vielfältiges gastronomisches Angebot gehören schließlich zur Lebensqualität.
Häufig gestellte Fragen zur Mehrwertsteuer Gastronomie
Fazit: Mehrwertsteuer Gastronomie vor historischer Wende
Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer Gastronomie auf 7 Prozent steht kurz vor dem Abschluss. Am 19. Dezember 2025 entscheidet der Bundesrat. Die Branche hofft auf Entlastung nach schwierigen Jahren. Ob die Ersparnis bei den Gästen ankommt oder in die Betriebe fließt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Vereinheitlichung der Steuersätze für Speisen – egal ob vor Ort, mitgenommen oder geliefert – beendet eine langjährige Ungleichbehandlung.
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Redaktion Rathausnachrichten | Wirtschaft & Verbraucher
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